Designtheorie – „Sportlichkeit“ beginnt im Kopf

 

Designwissenschaften - Es geht nicht um den pseudo-theoretischen Rahmen fürs Entwerfen, vielmehr geht es um das Substantiieren des Prozesses vom Problem zur Lösung. Designtheorie ist Internalisierte Verantwortung des Entwerfers gegenüber der Gesellschaft, so Ulrich Kern an der Hochschule für Künste Bremen.

Designwissenschaften – Es geht nicht um den pseudo-theoretischen Rahmen fürs Entwerfen, vielmehr geht es um das Substantiieren des Prozesses vom Problem zur Lösung. Designtheorie ist internalisierte Verantwortung des Entwerfers gegenüber der Gesellschaft, so Ulrich Kern in seinem Vortrag an der Hochschule für Künste Bremen.

Vortrag: Ein Vortrag mit extremer Spannweite: Am Ende stand eine Weihnachtskarte von Florian Klanten mit der Grußformel „Börn massafaka börn“. Am Anfang des Vortrags an der Hochschule der Künste Bremen 2007 stand die Referenz auf den Pädagogen John Dewey und sein philosophisches Konstrukt des „Pragmatismus“. Und dazwischen lag Ulrich Kerns Verständnis einer „sportlichen“ Designtheorie, die sich in einen modernen Vierkampf gliedert. Gemeint war damit die Bedeutung der Designgeschichte („Tieftauchen“), die die komplexen Phänomene der Vergangenheit in verständliche Muster transferiert. Die zweite Disziplin („Staffellauf“) setzt sich mit den aktuellen Tendenzen des Designs auseinander, welche die Nachwuchsdesigner/innen bei der Entwicklung der eigenen Position unterstützen. Unter „Schlagabtausch“ ist der Wechsel zwischen deklarativem Lernen (Grundlagenvermittlung) und prozeduralem Lernen (Projekttraining) zu verstehen. Und am Ende steht die Disziplin „Freischwimmen“. Sie hat die Professionalität im Designberuf zum Gegenstand. So wechselten sich bei dem Vortrag die abstrakten Begriffe der Theorie mit den packenden Bildern der Praxis ab. Und das Publikum amüsierte sich …

Das Projekt als Moment des Machens im Zentrum: Designtheorie liefert den präventiven Planungskontext, die Designpraxis ist durch eine paradoxale Handlungsfähigkeit gekennzeichnet, die Designzukunft braucht die antizipatorische Vorstellungskraft und in der Designgeschichte finden die Designer/innen ihre synoptische Verortung.

Das Projekt als Moment des Machens im Zentrum: Designtheorie liefert den präventiven Planungskontext, die Designpraxis ist durch eine paradoxale Handlungsfähigkeit gekennzeichnet, die Designzukunft braucht die antizipatorische Vorstellungskraft und in der Designgeschichte finden die Designer/innen ihre synoptische Verortung.

Sich ständig wiederholender Präzedenzfall einer Profession
Weil die wahre Sportlichkeit aber im Kopf beginnt, versteht Prof. Dr. Ulrich Kern seine Position der Designtheorie als pragmatisch: Es geht ihm um die Wahrnehmung von Komplexität und um die Wirkung von Kreativität. Die Komplexität ergibt sich aus der Disparität von Design, die sich in einem magischen Dreieck bewegt: Für die Wirtschaft hat Design eine hohe instrumentelle Bedeutung (Wettbewerbsfähigkeit), für die Gesellschaft soll es sinnstiftenden Nutzen bringen (Lebensqualität) und für die Gestalter/innen geht es um ein Design der genuin künstlerisch-wissenschaftlichen Leistung. Kreativität, die Kernkompetenz der Designer/innen, wird zum sich ständig wiederholenden Präzedenzfall ihrer Profession. Und die synthetisiert sich im „Moment des Machens“, in dem sich Theoriekonzepte und Geschichtswissen, Praxiskompetenz und Zukunftsimagination idealerweise ergänzen.

In der Kreativwirtschaft finden sich hoch ausdifferenzierte Kompetenzprofile von Designer/innen: Sie sind Dienstleister oder Künstler, Design-Nomade oder Kreativ-Manager.

In der Kreativwirtschaft finden sich hoch ausdifferenzierte Kompetenzprofile von Designer/innen: Sie sind Dienstleister oder Künstler, Design-Nomade oder Kreativ-Manager.

Typologie von Design-Berufsbildern
Basis des Verständnisses einer pragmatischen Designtheorie ist eine Typologie von Berufsbildern, die Designer/innen nicht nur als Entwerfer sieht. So wie sich nicht jeder Maschinenbauer in der Konstruktion verwirklicht, so gibt es auch im Design ein ausdifferenziertes Berufsfeld. Dieses reicht vom Kreativmanager über den Künstler hin zum Designnomaden, der heute im Grafik-, morgen im Produktdesign tätig ist und übermorgen den Internetauftritt plant. In diesem Kontext sind auch die Forschungsfragen zu sehen: Nach welchem Konzept sind Designer/innen ökonomisch tätig? Braucht geistiges Eigentum neue Geschäftsmodelle? Ist geistiges Eigentum ein Produktivfaktor und wie finanziert man diesen?

Position der pragmatischen Designtheorie
Ulrich Kern sieht seine Position der pragmatischen Designtheorie beispielsweise in der Situation der Gestalter/innen in der Kreativwirtschaft begründet, die häufig mit ihrem Einkommen nicht auskommen. Und genauso in einer Wirtschaft, die sich mit ihrer Turbo-Geschwindigkeit rechts überholt und dabei ungelöste Probleme wie das der Nachhaltigkeit zurücklässt.

Design ist eine Macht, aber die Designer/innen müssen lernen, etwas daraus zu machen!

Download Vortragsfolien „Normativer Pragmatismus: Gut ist, was der Menschheit hilft und dem Design nützt“ _ Ulrich Kern

Trennlinie_Seiten