Markendesign – Glaube, Liebe und Hoffnung

 

Die fleißige Biene: Gregor Bührer entwirft für Alessi einen USB-Stick, FHNW 2007

Die fleißige Biene: Gregor Bührer entwirft für Alessi einen USB-Stick, FHNW 2007

Markenkonzeption: Der hohe Priester schreitet zum Altar und spricht über die neue Verheißung: Ein Kind wird kommen und der Welt die Erlösung bringen! Die Rede ist von Tim Cook, der die neuen Produkte (iPhone und AppleWatch) von Apple vorstellt. Kalkuliert inszeniert, erinnert der Markenauftritt an religiöse Rituale. Und setzt so selbstbewusst auf Transzendenz, Glaube, Hoffnung …. und Design! Was macht den Unterschied zwischen Produktgestaltung und Markendesign aus? Wie erreicht man die metaphysische Ebene eines Gebrauchsgegenstandes und seiner Form? Und welche Prozesse der Planung sind erforderlich, um die Performanz des Produktes zu realisieren? Fragen, deren Antworten im Workshop der Industrie-Designer an der Fachhochschule Nordwestschweiz in Aarau gesucht wurden.

Die seriöse Tradition: Phillip Hänger entwirft für Burberry verschiedene USB_Sticks, FHNW 2007

Die seriöse Tradition: Phillip Hänger entwirft für Burberry verschiedene USB_Sticks, FHNW 2007

Die Konsumgesellschaft liebt ihre Marken
Unter der Leitung von Prof. Dr. Ulrich Kern behandelte ein einwöchiger Workshop im SS 2007 das Markenkonzept in Theorie und Praxis und im Kontext von Wissenschaft und Kunst der Gestaltung. Der Workshop begann mit einer Einführung in das Ideenkonstrukt der Marke. Dieses wird von den „göttlichen Tugenden“ getragen – Glaube, Liebe, Hoffnung. Die Unternehmen glauben an das Mantra „Marke“ der Wettbewerbsstrategien, und die Konsumgesellschaft liebt ihre Marken. Und durch den Kauf der Marke erhoffen sich die Kunden ein besseres Leben – und eine „Erlösung“ von den Übeln dieser Welt!

Prof. Dr. Ulrich Kern erläutert das Markenkonstrukt im Workshop an der FHNW 2007

Prof. Dr. Ulrich Kern erläutert das Markenkonstrukt im Workshop an der FHNW 2007

Methodendiskurs zum Markendesign
Die religiösen Allegorien verdeutlichen, dass es eine Hierarchie der Nutzenkategorien gibt – und die beginnt bei der praktischen Funktionalität, geht über die Symbolik des Produkts und endet beim kulturell-ideellen Beitrag zu unserer Zivilisation. Der Methodendiskurs zum Markendesign zeigte im Seminar, dass es gerade deshalb die Genialität des Gestalters braucht – andernfalls wird die Transformation zum Nullsummenspiel.

Recherchieren, Konzipieren und Entwerfen, Präsentieren und Argumentieren rund um die Uhr
Anhand dreier unterschiedlicher Markenbilder wurde die Gestaltung von Markenidentität trainiert. Alessi, Hersteller hochwertiger Konsumartikel, war Beispiel für eine Gestalteridentität. Sind es doch die Entwürfe vom Michael Graves bis Stefano Giovannoni, die Bild und Bedeutung von Alessi geprägt haben. Burberry, britische Fashionmarke mit dem weltberühmten „Housecheck“-Karo, steht für das Konzept der Herstelleridentität. Und der „knuddlige“ VW Beetle steht für eine Gestaltungsidentität. Für diese differenzierenden Markenkonzepte entwarfen die Studierenden innerhalb der Workshop-Woche einen USB-Stick. Aufgrund dieser gestalterischen Herausforderung gab es auch keinen „9 to 5“-Tag, sondern ein dichtes Recherchieren, Konzipieren und Entwerfen, Präsentieren und Argumentieren rund um die Uhr.

Markendesign - die Designer/innen lernten im Workshop auf der Basis von drei differierenden Konzepten ihre Entwürfe zu integrieren und die vorhandenen Gestaltungsfreiräume auch experimentell zu identifizieren und zu nutzen

Markendesign – die Designer/innen lernten im Workshop auf der Basis von drei differierenden Konzepten ihre Entwürfe zu integrieren und die vorhandenen Gestaltungsfreiräume auch experimentell zu identifizieren und zu nutzen

Aber am Ende des Seminars wussten alle Studierenden, dass nicht die formale Idee eine Marke trägt, sondern gestalterische Kreativität – und diese braucht ein grandioses Konzept. Oder: „Es gibt nichts Praktischeres als eine gute Theorie!“

Download Programm des Workshops Markenidentität

Download Aufgabe für die Studierenden

Download Einführung in das Markenkonstrukt

Download Drei Marken: Alessi, Burberry und VW Beetle

Download Studienprojekte zum Thema

Download Grundlagen der Semiotik

Download Dokumentation: Warenfetisch

Download Projektpräsentation

Download Dokumentation: Markenmacher

Trennlinie_Seiten