Projektbriefings – zur Didaktik des „Brandbeschleunigers“

 

Briefings als motivierende Brandbeschleuniger: „Nur wer selbst brennt, kann Feuer in anderen entfachen!“ Augustinus, Kirchenvater der Spätantike, 4./5. Jh.

Projektbriefings als motivierende Brandbeschleuniger: „Nur wer selbst brennt, kann Feuer in anderen entfachen!“ Augustinus, Kirchenvater der Spätantike, 4./5. Jh.

Forschendes Lehren und Lernen: Im Konzept der „Creative Class“ des US-Wirtschaftstheoretikers Richard Florida gehören die, die Neues erschaffen und produzieren, zum „Supercreative Core“. Diese Designer/innen, Manager/innen, Entrepreneure entwickeln und gestalten Unternehmen, Regionen sowie ganze Volkswirtschaften. Sie sind die Protagonisten der wissensintensiven Berufe, die aus Intelligenz Ideen und aus Investments Innovationen werden lassen. Aber wie lehrt und lernt man das? Der Ansatz der „Forschenden Lehre“ kann hier wesentlich Impulse setzen. Geht es hier doch nicht um das Rezipieren etablierten Wissens, sondern um das Generieren neuer Erkenntnisse. Gleichzeitig wird aber auch im didaktischen Ansatz von Prof. Dr. Ulrich Kern die dazugehörige Handlungskompetenz simuliert, also für den Ernstfall des Berufs trainiert.

Wissenschaftliche Verortung im Sinne einer Themen-Topographie
Die Organisation der Lehrveranstaltungen sieht eine Zweiteilung vor – ein Block Vorlesung und ein direkt anschließender Block Übung. In der Vorlesung erhalten die Studierenden eine wissenschaftliche Verortung im Sinne einer Themen-Topographie, die sie in den Phasen des Selbststudiums erkunden und vertiefen. In der Übung dagegen wird die eigene Handlungskompetenz im Rahmen der Topographie entwickelt. Diese Struktur zieht sich grundsätzlich durch alle zu lehrenden Module von Ulrich Kern im Studiengang Design- und Projektmanagement. So wird beispielsweise im Modul „Produktgestaltung“ die ästhetische Durchdringung und Entwicklung eines industriell erzeugten Alltagsprodukts in der Vorlesung als eine solche Themen-Topographie vermittelt. Die Verbindung zur Übung wird über Briefings vorgenommen, die sozusagen als Scharnier funktionieren. Denn in den Übungen sind die Studierenden die Regisseure des Unterrichts, sie steuern und gestalten ihre Präsentationen. Deswegen heißen sie auch professionell vorbereitete Arbeitsbesprechungen.

Kompetenzentwicklung in kreativen Management-Studiengängen – von der Planungskompetenz situativer Projekte hin zur Wertekompetenz strategischer Programme mit starker Berufsbild-Projektion.

Kompetenzentwicklung in kreativen Management-Studiengängen – von der Planungskompetenz situativer Projekte hin zur Wertekompetenz strategischer Programme mit starker Berufsbild-Projektion.

Hochschule als Biotop der Talente – künftige Gesellschaften werden kreative Menschen noch mehr brauchen
Über das jeweilige Briefing wird der thematische Schwerpunkt der Übung gesetzt. Zugleich arbeiten sich die Studierenden so in den Aufgabenkontext für den Leistungsnachweis ein. Grundsätzliches Ziel ist dabei, die Handlungskompetenz der Studierenden zu entwickeln. Ausgangspunkt ist daher immer eine beruflich relevante Handlungssituation, für die die Studierenden ihr spezielles Problem als Aufgabe definieren und einen spezifischen Problemlösungsweg entwickeln. Das Briefing konstruiert also das Lehr-Lern-Arrangement. So hat das aktuelle Briefing zum Modul „Produktgestaltung“ zum Thema die Entwicklung eines Alltagsgegenstandes, der auf dem Prinzip des „Energy Harvesting“ beruht. Mit der Wahl einer nachhaltigen Technologie sollen hier gleichzeitig wissenschaftliche Problemlösungsprozesse und funktionale Werte in Einklang gebracht werden. Geht es doch darum, dass die Studierenden schon im Studium mit der konstruktiven Denkweise betraut werden, die zum Umbau der Gesellschaft vom Verbrauchen zum Gebrauchen, von der Ressourcenverschwendung zur Nachhaltigkeit notwendig sind. Gerade die Hochschule als Biotop der Talente sollte hier die Trainerrolle übernehmen. So sind die Briefings für die Erstellung der Leistungsnachweise auch als „motivierende Brandbeschleuniger“ konzipiert. Versuchen sie doch immer, die Relevanz des situativen Aufgaben-Szenarios mit der Theorie von (künftigen) Berufsanforderungen zu verbinden. Die Studierenden sollen programmatisch „provoziert“ werden, eine Vorstellung von ihrem späteren beruflichen Profil zu entwickeln. Neben ihrer Neugier auf Perspektiven soll auch ihr Ehrgeiz zur selbstständigen Entwicklung ihrer persönlichen Talente entfacht werden. Denn, nach Augustinus, Kirchenvater der Spätantike, ist Begeisterungsfähigkeit eine Tugend: „Nur wer selbst brennt, kann Feuer in anderen entfachen!“ Und künftige Gesellschaften werden kreative Menschen brauchen, die für die anstehenden Veränderungsprozesse Engagement mitbringen und andere mitreißen können. Erwartet man nicht auch genau das von Design- und Projektmanagern?!

Prozedurales Lernen mit dekorativem Wissen verbinden
Die Briefings sind vergleichbar strukturiert – immer gibt es ein relevantes Problemszenario, aus dem sich von den Studierenden eine Aufgabe ableiten lässt. Entsprechend dem jeweiligen Workload wird eine (qualitative) Zielsetzung mit einem (quantitativen) Ergebnis formuliert. Die Punkte Vorgehensweise und Methodeneinsatz kombinieren prozedurales Lernen mit deklarativem Wissen. Mit dem Projektmanagement erhalten die Studierenden einen Rahmen für die Strukturierung ihrer Arbeiten. Und die Bewertungskriterien machen deutlich, dass der Lernfortschritt leistbar ist und die Note im eigenen Verfügungsbereich steht.

Link Website „Übersicht Modulskripte, Prof. Dr. phil. Ulrich Kern“ _ FH Südwestfalen

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