Ergonomic Design – der Mensch und sein Verhalten

 

Der Mensch in einer Arbeitswelt, die sich gerade neu erfindet und das Design in einer Wirtschaft, die immer weniger vorhersagbar ist. Wie geht man als Planer/in und Manager/in damit um?

Der Mensch in einer Arbeitswelt, die sich gerade neu erfindet und das Design in einer Wirtschaft, die immer weniger vorhersagbar ist. Wie geht man als Planer/in und Manager/in damit um?

Designwissenschaften: In seiner „Anleitung zum Unglücklichsein“ beschreibt Paul Watzlawick in vier Spielen die Komplexität des menschlichen Verhaltens im Kontext Vergangenheit-Gegenwart-Zukunft. So finden wir in den bequemen Komfort-Zonen der gestrigen Problemlösungsmuster eigentlich nur Beschäftigung und keine tatsächliche Auflösung. Der Betrunkene sucht im Licht der Laterne nach seinem Schlüssel, statt dort zu schauen, wo er ihn verloren hat. Da aber ist es dunkel und er würde sich zudem auf unwegsamem Gelände bewegen müssen. Der Kommunikationswissenschaftler Watzlawick umschreibt dieses Verhalten mit dem Begriff des „mehr desselben“. Gemeint ist damit eine menschliche Fehlpassung (Neurose), die dafür verantwortlich ist, dass wir uns offenbar nur schwer aus den erlernten Mustern lösen können. Und weil das so ist, reproduzieren wir die Ursachen immer wieder aufs Neue.

Von der Ergonomie über Universal Design zum Sustainability Design – die Komplexitätsstufen für die Gestalter der Zukunft

Von der Ergonomie über Universal Design zum Sustainability Design – die Komplexitätsstufen für die Gestalter der Zukunft

Die paradigmatischen Routinen in Frage stellen
Dabei geht es auch anders – vorausgesetzt wir gehen dort hin, wo es auch wehtun kann. Gemeint sind die fragilen Koordinaten neuer Denkansätze und Handlungsmodelle im akademischen Raum. Natürlich finden dann Ablösungsprozesse statt. So verursachen neue Theorien möglicherweise neue Erkenntnisse und führen so zu anderen Kompetenzen in der Deutungshoheit – auch in den Designwissenschaften! Aber dafür muss man das tun, was wir uns nach Auffassung von Paul Watzlawick selbst verbieten – unsere eigenen paradigmatischen Routinen in Frage stellen. Und dann auch noch möglicherweise ändern, ausprobieren und wieder revidieren. Das kann wirklich wehtun! Muss es aber nicht, wenn man derartige Transformationsprozesse als natürlich, selbstverständlich und steuerbar akzeptiert. Hierzu gehört in gewissem Maß auch der Respekt vor dem „Ancien Régime“ und die Neugier auf die wissenschaftlich-forschenden „Start-ups“. Deutlich wird das im Spannungsfeld von Ökonomie und Ökologie. Gerade die inzwischen recht populäre gesellschaftliche Notwendigkeit zur Nachhaltigkeit (siehe GfK-Analyse vom Oktober 2014) zeigt, dass Umdenken funktioniert. Nur noch ein Viertel der von der GfK Befragten halten nachhaltige Produkte und Dienstleistungen für unwichtig. Das lässt hoffen!

Einführung in die Arbeitswissenschaften – Verständnis, Entwicklung, Systematik – der Reader zur Vorlesung von Prof. Dr. Ulrich Kern

Einführung in die Arbeitswissenschaften – Verständnis, Entwicklung, Systematik – der Reader zur Vorlesung von Prof. Dr. Ulrich Kern

Vom Reparaturbetrieb der Industriegesellschaft zum Think Tank einer Wertegesellschaft
In seinem Vortrag „Produktgestaltung und Ergonomie“ an der HfG Schwäbisch Gmünd zeigte Prof. Dr. Ulrich Kern die Konvergenz beider Disziplinen auf und sieht deren gemeinsame Entwicklung vom Reparaturbetrieb der Industriegesellschaft zum Think Tank einer Wertegesellschaft. Die Ergonomie als die „Wissenschaft von der rationalisierenden Rationalität“ und das Design als die „Kunst der imaginierenden Intellektualität“ sind nur vordergründig unverträgliche Konstrukte. Sicher, das eine hat immer sein Standbein in der Gegenwart und ist auf Effizienz bedacht, während das andere immer mit dem Spielbein in der Zukunft steht und auf Effekte fokussiert ist. Realos und Träumer könnten so gemeinsam Zukunft gestalten. Auch wenn die Beiträge der beiden Disziplinen nicht gleichartig sind, so sind sie doch gleichwertig in der Relevanz einer neuen Dimension von Konsumgesellschaft. Arbeit und Nachhaltigkeit sind Basis für Innovationen mit sozialem, technischem und wirtschaftlichem Bezug – Sustainable Design!

Im Zentrum der Mensch als Individuum und als Kollektiv – reziprokes Element eines permanenten Transformationsprozesses einer Gesellschaft der Nachhaltigkeit

Im Zentrum der Mensch als Individuum und als Kollektiv – reziprokes Element eines permanenten Transformationsprozesses einer Gesellschaft der Nachhaltigkeit

Themen der Zukunft – Mensch, Technik, Organisation, Ökologie, Wirtschaft
Eine solche Symbiose würde Beschäftigung sichern, so die Gesellschaft für Arbeitswissenschaft (GfA) in ihrem im Jahr 2000 verfassten Memorandum zum Strukturwandel der Arbeit. Die Wirtschaft braucht permanent innovative Prozesse und Produkte und hier könnten Ergonomie und Ökologie als Wettbewerbsfaktor wirken – Stichwort Universal Design. Das Design könnte hier als „kreativer Konjunktiv“ den Transformationsprozess aktiv beschleunigen, während die Arbeitswissenschaft stärker den „kategorischen Imperativ“ in den Vordergrund stellt. So geht Ulrich Kern in dem Reader „Einführung in die Arbeitswissenschaft – Verständnis, Entwicklung, Systematik“ zur gleichnamigen Vorlesung auch auf die Zukunft der Arbeit ein. Aufgrund der globalen Entwicklung – z.B. brachten die politischen Umbrüche eine Verdopplung des weltweiten Arbeitskräfteangebots mit sich – steht auch eine aktualisierte Definition des industriellen Kerns der Bundesrepublik respektive Europa an. Weiter bietet der Reader eine Systematik an, die die Themen der Zukunft (Mensch, Technik, Organisation, Ökologie, Wirtschaft) in ihrer gegenseitigen Verflechtung zeigt. Dargestellt werden auch Verschiebungen und Neubewertungen arbeitswissenschaftlicher Prioritäten in ihrer Parallelität zur sozio-ökonomischen Entwicklung.

Download Reader „Einführung in die Arbeitswissenschaft – Verständnis, Entwicklung, Systematik“ _ Ulrich Kern

Link Website „Schaurige Schocks und Apps mit Appetit“ _ HAWK Hildesheim

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