Universal Design – Gesellschaftsrelevantes Entwerfen

 

Gesellschaftsrelevantes Entwerfen – Der Wert des Designs einer Gesellschaft ergibt sich auch aus der Qualität einer Gestaltung, deren Nützlichkeit auch für die Schwächsten eignet.

Gesellschaftsrelevantes Entwerfen – Der Wert des Designs einer Gesellschaft ergibt sich auch aus der Qualität einer Gestaltung, deren Nützlichkeit auch für die Schwächsten eignet.

Produktdesign: Seine schlanke, im französischen Original nur 32 Seiten umfassende Schrift war die dicke Überraschung im Büchermarkt des Jahres 2010. Stéphane Hessels „Empört Euch!“ war ein Manifest gegen die großen Krisen dieser Zeit, gegen die Ignoranten, Egoisten und ihre kleinen Welten. Der damals 92-Jährige wehrte sich mit den Waffen des Intellektuellen gegen die Zerstörung der Umwelt und Erosion der Mitmenschlichkeit. Seine lebenslange Courage legitimierte ihn für ein solches Manifest der Verantwortung. Der Wert einer Gesellschaft ergibt sich aus der Summe ihrer Individuen und deren Engagement. Hedonismus und Individualismus sind nicht ohne gegenseitige Achtung und einem verbindlichem Ethos zu haben.

Universal Design als Zugangsstrategie für den Entwurfsprozess – Antwort auf eine, von uns selbst gestaltete Welt, die sich durch eine ständig wachsende Komplexität auszeichnet

Universal Design als Zugangsstrategie für den Entwurfsprozess – Antwort auf eine, von uns selbst gestaltete Welt, die sich durch eine ständig wachsende Komplexität auszeichnet

Wachsende Komplexität = „gefühlte“ Zunahme der Kompliziertheit des artifiziellen Alltags
Womit wir bei einem gesellschaftlichen Megatrend angelangt wären, der seinen Ausdruck in demografischen Veränderungen findet. Die Jungen werden weniger und die Alten leben länger – ein Phänomen, das längst in den Renten- und Sozialkassen angekommen ist. Der demografische Wandel bestimmt die Diskussion zur Arbeitswelt wie auch die der Freizeit und Konsumgesellschaft. So geht es nicht mehr nur um „Schonarbeitsplätze für ältere Arbeitnehmer“ und „Hotelflure mit Rollatortauglichkeit“ oder „große Handytasten für arthritische Finger“ – es geht um die fakultative Verlängerung der Arbeitszeit, um sozial und kulturell anspruchsvolle Urlaubsreisen und um Produkte, die Probleme lösen statt verursachen. Wenn man genau hinschaut, handelt es sich um die Einlösung des Versprechens der Moderne nach sinnstiftendem Nutzen im (Er)Leben. So steht die (Er)Lösung praktischer Probleme im Vordergrund mit symbolischer Relevanz. Die Welt der Artefakte und Dienstleistungen, der Prozesse und Systeme sollte eigentlich alle Menschen gleich „behandeln“ – macht sie aber nicht. Und kann sie auch nicht, denn viel zu häufig sind diese bestenfalls suboptimal konzipiert. Die Schnittstelle zwischen Mensch und Technik ist „mit der heißen Nadel genäht“, die Produktform ist peinlich kitschig oder provozierend extravagant. Oft ist das Angebot im Supermarkt die pure Inflation der Superzeichen-Marken und überfordert, ja stresst den berufstätigen Single genauso wie die Rentnerin auf der Suche nach einer Zahnbürste. Es ist ja auch nicht das einzelne Objekt, das zur ärgerlichen Belastung führt – es ist die Kumulation all der Situationen einer Interaktivität mit problematischen Störungen, die bis zur Verweigerung des Erwerbs oder der Benutzung führen können. Wir leben in einer, von uns selbst gestalteten Welt, die sich durch eine ständig wachsende Komplexität und damit (auch nur „gefühlte“) Zunahme der Kompliziertheit des artifiziellen Alltags auszeichnet.

Kombination wissenschaftlicher Konstrukte – Im Reader wird die Vernetzung verschiedener gestalterisch-wissenschaftlicher Themen im Universal Design interpretiert, um deren Relevanz für differenzierte Problemlösungsstrategien darzustellen

Kombination wissenschaftlicher Konstrukte – Im Reader wird die Vernetzung verschiedener gestalterisch-wissenschaftlicher Themen im Universal Design interpretiert, um deren Relevanz für differenzierte Problemlösungsstrategien darzustellen

Vernetzung verschiedener gestalterisch-wissenschaftlicher Konzepte im Universal Design
In der Vorlesung „Universal Design als Zugangsstrategie für den Entwurfsprozess“ von Prof. Dr. Ulrich Kern (Produktdesign) sind diese Zusammenhänge Gegenstand der Betrachtung. Der Reader setzt sich mit der Problematik und ihrer Notwendigkeit zur Lösung auseinander. So wird die Vernetzung verschiedener gestalterisch-wissenschaftlicher Konzepte im Universal Design interpretiert, um deren Relevanz für differenzierte Problemlösungsstrategien darzustellen. Neben den Prinzipien der Gestaltung (z.B. Informationsästhetik) gehören auch die Aspekte des Technologiemanagements (z.B. Digitalisierung im Bereich Health Care) dazu, die sich durch Kritik der Alltagskultur (z.B. Design im öffentlichen Raum) ergänzen. Aber auch die verbraucherorientierte Bewertung von Funktionsqualitäten (z.B. HMI-Produktanalysen) und die Theorie der Produktsprache (z.B. Design-Semantik) sind Elemente des Konzepts. Selbstredend, dass die Erkenntnisse der arbeitswissenschaftlichen Gestaltung (z.B. Belastungs-/Beanspruchungs-Konstrukt) zu integrieren sind.

Transdisziplinäre Ansätze durch Vernetzung von Erkenntnissen - So ergeben sich Variationen von Problemlösungsstrategien durch neues prozedurales Wissen aller Disziplinen

Transdisziplinäre Ansätze durch Vernetzung von Erkenntnissen – So ergeben sich Variationen von Problemlösungsstrategien durch neues prozedurales Wissen aller Disziplinen

Variationen von Problemlösungsstrategien durch neues prozedurales Wissen
Unterschieden wird auch in dem Reader zwischen zu bewertenden und zu gestaltenden Objekten. Während das eine konkret und real ist, ist das andere abstrakt und fiktiv. Die Schnittmenge dieser beiden Aggregationszustände ist die verbalisierte und visualisierte Vorstellung des Optimums. Es scheint so, als ob grundsätzlich die Probleme unserer artifiziellen Welt nicht mono-disziplinär, also nur mit Ingenieurs- oder mit Gestaltungswissen zu lösen seien. Eigentlich sind immer mindestens zwei, eher drei Disziplinen mit der Lösung der Probleme und der Entwicklung von Innovationen beschäftigt. Hier ergeben sich für die Beteiligten immer neue transdisziplinäre Ansätze im Rahmen der Vernetzung ihrer Erkenntnisse. So ergeben sich Variationen von Problemlösungsstrategien durch neues prozedurales Wissen.

Download Reader „Universal Design als Zugangsstrategie für den Entwurfsprozess“ _ Ulrich Kern

Link Website „Universal Design – Gestaltung im demografischen Wandel“ _ Kern Kompetenzen

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