Der iMac – ein bonbonfarbener Befreiungsschlag

 

Apples iMac – Best Practice für originäres Design, dass Gestaltungs-, Technik- und Wirtschaftsgeschichte geschrieben hat.

Apples iMac – Best Practice für originäres Design, dass Gestaltungs-, Technik- und Wirtschaftsgeschichte geschrieben hat.

Best Practice: Der iMac ist ein prominentes Beispiel für die Erkenntnis, dass Design ein Unternehmen vor der Pleite retten kann. Zugleich ist eine genauso wichtige Botschaft dieses Readers eine Aussage von Jonathan Ive: „Die intellektuelle Debatte, die der eigentlichen Formgebung vorausgeht, wenn du High-Tech-Produkte entwirfst, ist wahrscheinlich der wichtigste Part des Designprozesses.“, so der damalige Chefdesigner von Apple. Wird hier doch deutlich, dass Design sowohl erfolgreiches Produkt (hier der iMac), als auch erfolgreicher Prozess sein muss. Steht doch Design im englischen Sprachgebrauch für „gestalten“ und „planen“ – gestalterische Kreativität und unternehmerisches Kalkül sind hier ein und dieselbe Sache.

Produktdesign – das Beispiel des iMac stellt Design in den Kontext unternehmerischem Kalkül und gestalterischer Kreativität

Produktdesign – das Beispiel des iMac stellt Design in den Kontext von unternehmerischem Kalkül und gestalterischer Kreativität

Ende des „Rest-in-Peace“-Managements
Der Reader „Apple iMac – Befreiungsschlag durch originäres Design“ von Prof. Dr. Ulrich Kern stellt im Sinne einer Best Practice die Komplexität im Spannungsfeld des Gestalters und seines Objekts sowie des Rezipienten dar. Diese Fallstudie stellt den damaligen unternehmerischen Kontext vor, analysiert den Konzeptions- und Entwurfsprozess, ergänzt durch einen Exkurs in die „Processing Fluency“-Theorie und schließt mit der Beschreibung der Nutzenkriterien für originäres Design ab. Alle Topoi vermitteln, dass es hier nicht um den Selbstzweck von Design, Ökonomie und/oder Technik geht, sondern um die Relationen von Bedeutung. Welchen Wert hat unternehmerisches Denken und Handeln für die Lebensqualität von Menschen und die Zukunft unserer Zivilisation? Und welche Rolle spielt das Produktdesign in dieser Melange aus betriebswirtschaftlicher Wachstumsperspektive und kultureller Weitsicht? Der iMac war für Apple ein Befreiungsschlag aus dem ruinösen Mainstream und einem „Rest-in-Peace“-Management!

Relationales Strukturmodell - Fokus auf die Beziehung zwischen Produkt und Nutzer im Sinne des Decodierend (Welche Bedeutung gab der Designer dem Produkt?) bzw. Recodierens (Welche Bedeutung legt der Nutzer in das Produkt?) der Wirkungsqualität von Design.

Relationales Strukturmodell – Fokus auf die Beziehung zwischen Produkt und Nutzer im Sinne des Decodierend (Welche Bedeutung gab der Designer dem Produkt?) bzw. Recodierens (Welche Bedeutung legt der Nutzer in das Produkt?) der Wirkungsqualität von Design.

Ménage-à-trois der Wirkprinzipien
Anhand eines relationalen Strukturmodells werden die drei Wirkprinzipien im Gestaltungsprozess analysiert und beschrieben. Strukturmerkmale sind Designer/in (als kreativ-konzeptionelle Gestaltungsinstanz), das Objekt (als Materie gewordener Idealismus) und der Rezipient (als nach Glück suchender Konsument). Diese Ménage-à-trois hat unterschiedliche Schwerpunkte, die sich aber gegenseitig – wie nicht anders zu erwarten – stark beeinflussen. In der Fallstudie des Apple iMac wird der Fokus auf die Beziehung zwischen Produkt und Nutzer gelegt. Geht es doch hier um das Decodieren bzw. Recodieren der Wirkungsqualität von Design. Unterschieden werden die drei Ebenen der rational begründbaren, der emotional erfahrbaren und der symbolisch interpretierbaren Argumentationsstränge in der Beziehung zwischen Rezipienten und Objekt. Auf der rationalen Ebene war der iMac in seiner unkomplizierten Handhabung eben kein technischer Fremdkörper. Seine Farbigkeit emotionalisierte und machte „einfach“ nur Spaß, während er auf symbolischer Ebene die Verbindung in die „WeiteWunderWelt“ des Internets verkörperte.

Designwissenschaften - Als Produktstrategie muss sich originäres Design auch an Nutzenkriterien orientieren: Kunden-, Wettbewerbs- und Unternehmensnutzen.

Designwissenschaften – Als Produktstrategie muss sich originäres Design auch an Nutzenkriterien orientieren: Kunden-, Wettbewerbs- und Unternehmensnutzen.

Erfolgreiche Grenzüberschreitung durch Managementleistung
Als Produktstrategie muss sich originäres Design an Nutzenkriterien orientieren. Hier sind der Kunden-, der Wettbewerbs- und der Unternehmensnutzen zu nennen. Der Kunde bekam durch den iMac eine insgesamt emotionalisierende Designqualität als sinnstiftendes Element seiner Lebensqualität. Der iMac war eine Evolution in seiner Produktkategorie, deren damaliges Produktdesign („The Look of Love“) an Langeweile und damit auch an Bedeutungslosigkeit schon nicht mehr zu unterbieten war. Der Wettbewerbsnutzen lag in der Differenzierung durch den Innovationsgrad, der über die PC-Welt hinaus den Markt durch seine Impulshaltigkeit aktivierte. Und der Unternehmensnutzen war in der risikobehafteten Grenzüberschreitung durch den individuellen Anspruch des Managers (Steve Jobs) und des Designers (Jonathan Ive) zu finden – was für die weitere Entwicklung des Unternehmens (Apple) maßgeblich war. In genau diesem Zusammenhang ist auch die visionäre Leistung durch Imagination zu sehen. Immerhin führten die weiteren Innovationen iPod, iPhone, iPad und Co. zu einem Unternehmen, das heute zu den wertvollsten Firmen dieser Welt gehört. Vielleicht führen ja auch diese beispielhaften Folgeerscheinungen von originärem Design zu einem „Wertekapitalismus“ (Wolfgang Ullrich), der Nachhaltigkeit im eigentlichen Sinne zum Postulat seiner Entwicklung nimmt. Die Gesellschaft braucht dieses Sequel jedenfalls tatsächlich!

Download Reader „Apple iMac – Befreiungsschlag durch originäres Design“ _ Ulrich Kern

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