Der Dyson – Technik-induzierte Design-Innovation

 

Technik-induzierte Design-Innovationen brauchen holistisches Prozess- und Produktverständnis – die Dyson-Staubsauger als Beispiel für erfolgreichen Regelbruch.

Technik-induzierte Design-Innovationen brauchen holistisches Prozess- und Produktverständnis – die Dyson-Staubsauger als Beispiel für erfolgreichen Regelbruch.

Best Practice: Es sind die ewig Gestrigen, die meinen, ein technisch innovatives Produktkonzept würde für ein erfolgreiches Unternehmen reichen. Es ist selbstverständliche Voraussetzung, aber kein Selbstläufer. Und es sind die „Mit-sich-selbst-beschäftigten“ -Nerds, die Produktdesign für Hüllengestaltung halten. Das Beispiel des englischen Unternehmers James Dyson zeigt, dass Professionalität ein holistisches Prinzip ist. Nicht einzelne Faktoren entscheiden über den Erfolg eines Produkts, sondern die Idee der ganzheitlichen Unternehmensentwicklung. Ideen entstehen aber in einzelnen Köpfen, die der Kommunikation bedürfen, um andere zum begeisternden Mitmachen zu bewegen. James Dyson ist so ein Kopf, der Ideen zur Innovation führt, Progressivität mit Professionalität verbindet und Management zu Materie werden lässt.

Produktdesign – das Beispiel des Dyson-Staubsaugers wird im Reader eingehend als Best Practice für kreative und innovative Produktentwicklung vorgestellt

Produktdesign – das Beispiel des Dyson-Staubsaugers wird im Reader eingehend als Best Practice für kreative und innovative Produktentwicklung vorgestellt

Ein Staubsauger, der auch in „Top Gun“ eine gute Figur gemacht hätte
Prof. Dr. Ulrich Kern stellt in der Vorlesung „Produktgestaltung“ das Beispiel Dyson als ein Muster für technik-induzierte Design-Innovation vor. Aus einer Idee, die die herrschenden Regeln gebrochen hatte, wurde ein Industrie-Unternehmen, das neue Standards im Markt setzte. Der Reader zur Vorlesung zeigt den Hintergrund einer Wettbewerbssituation auf, deren Konformität von allen Marktteilnehmern akzeptiert wurde. Staubsauger gab es nur mit Beuteln! Und damit ließ sich auch prächtig Geld verdienen. Hatte doch fast jeder Staubsaugertyp seinen eigenen Beutel, den der Gebraucher zu Hersteller-auskömmlichen Preisen immer wieder erwerben musste. Und dass im laufenden Betrieb die Saugleistung nachließ, wurde als unausweichliches Übel hingenommen – bis James Dyson das in Frage stellte. Der Prototyp des Überzeugungstäters entwickelte mit seinem Team einen Staubsauger, der auch in „Top Gun“ in der Hand von Tom Cruise eine gute Figur gemacht hätte. Und Kelly McGillis wäre womöglich noch schneller in seinen Armen gelandet…

Designwissenschaften - Das Relationale Strukturmodell setzt die Beziehungen zueinander und ist Basis für Gestaltungs- und Kommunikationsprozess

Designwissenschaften – Das Relationale Strukturmodell setzt die Beziehungen zueinander und ist Basis für Gestaltungs- und Kommunikationsprozess

Professionelle Kampfmaschine gegen Hausstaub und Milben
Wie man inzwischen weiß, hat James Dyson alles richtig gemacht. Er wollte für den Gebraucher eine tatsächliche Nutzeninnovation haben. Das hat er geschafft, weil er sich in die Lebenswelt des Rezipienten mit Empathie hinein versetzen konnte und dadurch wusste, was „der Kunde“ wollte. Und so generierte er ein Produkt, dessen technozentrierter maskuliner Maschinen-Charakter Ergebnis seines professionellen gestalterischen Repertoires war. Im Marketing spielt die Beziehung zwischen Rezipient und (käuflich zu erwerbendem) Objekt eine große Rolle. Und weil das männliche Personalpronomen in der Zielgruppe eben nicht zufällig gewählt wurde, entstand eine adäquate „User Experience“ – Männer sahen im bis dato weiblichen Haushaltsutensil eine professionelle Kampfmaschine gegen Hausstaub und Milben, die ja nun tatsächlich in der Vergrößerung wie Aliens aussehen. „Er“ macht den Krieg gegen den Schmutz zu seiner Sache und sah dabei auch noch sexy aus! Und so könnte man das Theorem einer gentrifizierten Produktsprache bilden…

Beziehung zwischen Designer/in und Objekt – Sechs Kriterien, die den genuinen Gestaltungsprozess konditionieren und ein adäquates Designprodukt kreieren sollen.

Beziehung zwischen Designer/in und Objekt – Sechs Kriterien, die den genuinen Gestaltungsprozess konditionieren und ein adäquates Designprodukt kreieren sollen.

Paraphrasierung der Designqualität durch den Gestalter
Ein so perfektes Design, wie es alle Dyson-Produkte haben, hat ein Konzept und dafür braucht es Kriterien. Kriterien sind nicht nur zur Bewertung da – ein häufiger Irrtum -, sondern auch zur Gestaltung. Sie sind zur Orientierung im Gestaltungsprozess höchst wichtig, will man das Ergebnis einer Materie gewordenen Idee nicht der Willkür seines Schöpfers überlassen. Die Verbalisierung der gewünschten Produktqualität braucht die Paraphrasierung der Designqualität durch den Gestalter. Dieser Kommunikationsprozess legt die Basis für Effektivität und Effizienz in der Entwicklung kreativer und komplexer Konstrukte, die am Ende zu Produkten wie die Dyson-Staubsauger als Ergebnis führen. Bei Dyson sind die Kriterien wie Leitplanken für den Prozess des Generierens eines gestalterischen Repertoires. Was innovativ ist, muss auch innovativ aussehen. Der Gebrauchswert muss sich in der Kommunikation anbieten und im Gebrauch als glaubwürdig erweisen. Die zentrale Leitidee muss in sich schon ein Zukunftspotenzial zur Weiterentwicklung bergen. Nachhaltigkeit ist Legitimation für das Produkt. Und – last but not least – muss es auch Impulse über seinen Markt hinaus geben können. Sicher, ein hoher Anspruch – aber leicht kann jeder!

Download Reader „Dyson Staubsauger – Technik-induzierte Design-Innovation“ _ Ulrich Kern

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