Designwissen – Phänomen und Profession erkunden

 

Design als Phänomen und Profession – jeder Studierender muss das Thema für sich aufschließen. Wichtig ist hierbei, einen Standpunkt einzunehmen und diesen zu entwickeln.

Design als Phänomen und Profession – jeder Studierender muss das Thema für sich aufschließen. Wichtig ist hierbei, einen Standpunkt einzunehmen und diesen zu entwickeln.

Forschendes Lehren und Lernen: Sie sind ahnungslos, aber voller Ehrgeiz. Und sie stecken voller Energie und scharren mit den Füssen. Sie sind gleichermaßen ungeduldig und diszipliniert. Wer mit den Erstsemestern in kreativen Studiengängen zusammenarbeitet, kennt das. Er weiß, dass die Erwartungen an die Vorlesungen und Übungen hoch sind. Immerhin wollten die angehenden Kreativen demnächst Produkte gestalten, Programme konzipieren und Portfolios von Unternehmen entwickeln. Und sie wollen intelligente Innovationen mit durchdachtem Design dem Markt und den Menschen demnächst anbieten. Ihr Anspruch ist mindestens so groß wie die Augen, wenn man als Lehrender vor sie tritt und sie in die Welt der Wirtschaft, in die Kultur des Konsums und die Geschichte der Gestaltung einführt. Dennoch muß jeder Studierender das Thema für sich aufschließen… Ein Beispiel aus der Forschenden Lehre im Designmanagement.

Designwirtschaft - Das klassische „Ordnungssystem“ der Berufspraxis: Tätigkeitsfelder der Designwirtschaft als Einstieg in ein "phänomenales" Thema:

Designdisziplinen – Das klassische „Ordnungssystem“ der Berufspraxis: Tätigkeitsfelder der Designwirtschaft als Einstieg in ein „phänomenales“ Thema.

Zwei „Ordnungssysteme“ für Design
Und wie macht man das als Lehrender, dass die Begeisterung für ein diffuses Bild von Beruf in Bestätigung für eine differenzierte Kompetenz von Kreativität bei den Studierenden umschlägt? In dem man sie sich selbst konditionieren lässt, weil sie die Facetten einer Profession erkunden und mit ihrem eigenen individuellen Profil spiegeln. Als Einstieg gibt der Lehrende (Prof. Dr. Ulrich Kern) zwei „Ordnungssysteme“ für Design vor. Eines davon entspricht den Erwartungen der Studierenden, in dem man das Feld der Designwirtschaft in die „klassischen“ Berufe einteilt und vorstellt. Vom neuen Beruf des Game Designers über das Visuelle Marketing hin zum „hippen“ Modedesign. Das andere Ordnungssystem ist eher unkonventionell und umreißt das Design als Akronym mit Begriffsinhalten, die die Disziplin als interdisziplinär und intrasubjektiv, international und interpretierend darstellt. Warum ein Bild (oder nur sein Bild als Lehrender?) vermitteln, wenn Design als Disziplin schon selbst hochkomplex ist und sich ständig neu erfindet? Dann doch lieber die Studierenden auf die Reise schicken, um sich ihr eigenes Bild eines Begriffs zu machen.

Das dritte „Ordnungssystem“ der Selbstorganisation – die Studierenden können, müssen sich aber nicht an die orientierende Vorgehensweise halten

„Design-Verständnis“ – Das dritte „Ordnungssystem“ der Selbstorganisation – die Studierenden können, müssen sich aber nicht an die orientierende Vorgehensweise halten

Zweiteilung in Vorlesung mit direkt anschließender Übung
Natürlich geht es nicht um „Wolkenkuckucksheime“, sondern um die Findung eines eigenen Selbstverständnisses und eines Selbstbewusstseins der Studierenden. So wird denn auch als quasi drittes „Ordnungssystem“ eine Vorgehensweise angeboten, die Struktur in den eigenen Suchprozess bringt. Diese wird mit zeitlichen Meilensteinen hinterlegt, um zu verdeutlichen, dass kontinuierliches Arbeiten notwendig ist. Zum pädagogischen Konzept gehört hier die Zweiteilung in Vorlesung mit anschließender Übung. In der Vorlesung liegt der Schwerpunkt in der Vermittlung von deklarativem Wissen, während in der Übung das prozedurale Wissen in Teamarbeit trainiert wird. Zu jeder Vorlesung gibt es ein Skript, während in die Übung mit einem Briefing eingeführt wird. Die Vorlesungen haben das kanonisierte Wissen zum Gegenstand, während sich in der Übung die individuelle und persönliche Kompetenz entwickeln soll. Und hier sorgen die wöchentlich „professionell vorbereiteten Arbeitsbesprechungen“ der Studierenden, an denen alle Teams teilnehmen, für kontinuierlichen Workload und Transparenz im Feedback des Lehrenden zu den Leistungen.

Design-"Werte" - Die zwei gleichgewichtig zu betrachtenden Seiten aus der Designtheorie: Die des Gestalters und die des Rezipienten sind Teil des Designprozesses.

„Design-Werte“ – Die zwei gleichgewichtig zu betrachtenden Seiten aus der Designtheorie: Die des Gestalters und die des Rezipienten sind Teil des Designprozesses.

Zwei gleichgewichtige, aber nicht gleichartige Betrachtungsweisen
Als Leistungsnachweis liefern die Studierenden des ersten Semesters ein Feature in Form eines Booklets über eine von ihnen gewählte Designdisziplin ab. Das hat sich an journalistischen Maßstäben in Text und Gestaltung zu richten. Hier geht es um die Verwendung von Begriffen in Korrespondenz zu entsprechenden Bildern – gefragt sind verbale als auch visuelle Fähigkeiten. Das Feature darf kritisch und auch durchaus subjektiv sein – allerdings in der Argumentation immer plausibel und nachvollziehbar. Die Studierenden sollen hier lernen, dass es im Design grundsätzlich zwei gleichgewichtige, nicht gleichartige Betrachtungsweisen auf das Ergebnis gibt – es ist die des Rezipienten und die des Gestalters. Wer in seinem Handeln verstanden werden möchte, muss wissen, wie andere sehen und interpretieren. Das Booklet soll letztlich auch als Kommunikationsgrundlage für spätere Bewerbungsgespräche dienen. Gehört doch das Studium des Design- und Projektmanagements zu den neueren Studiengängen und ist somit erklärungsbedürftig.

Link Website „Am Anfang war das Wort“ _ FH Südwestfalen 

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