Kompetenz – zum Delta von Kennen und Können

 

Complex Problem Solving - keines der großen Probleme dieser Welt lässt sich durch eine der wissenschaftlichen oder künstlerischen Disziplinen lösen. Es geht nur interdisziplinär und dafür braucht es die Kompetenz des Einzelnen zu unterscheiden, wo sein eigenes Können aufhört und in das Kennen der Kompetenz anderer Disziplinen übergeht.

Complex Problem Solving – keines der großen Probleme dieser Welt lässt sich durch eine der wissenschaftlichen oder künstlerischen Disziplinen lösen. Es geht nur interdisziplinär und dafür braucht es die Kompetenz des Einzelnen zu unterscheiden, wo sein eigenes Können aufhört und in das Kennen der Kompetenz anderer Disziplinen übergeht.

Forschendes Lehren und Lernen: Kennen ist die Vorstufe zum Können. Eine Vorstufe, die sich übrigens nicht überspringen lässt. Entgegen einer weit verbreiteten Vorstellung fallen Genies nicht vom Himmel. Gerade die Könner ihres Fachs kennen ihre Domäne ganz genau. Sie kennen die Regeln, den aktuellen Wissensstand, aber auch die Historie ihres Metiers. Das gilt für Designexperten generell. Aber dann gibt es noch eine feine Unterscheidung: die zwischen Designentwerfern und Designmanagern. Und auch hier gilt es ein Vorurteil auszuräumen, wie es sogar in der Fachcommunity anzutreffen ist: Designmanagement ist eben nicht die Abwesenheit des Entwurfs! Der Entwurf als kreativ-schöpferischer Akt gehört zum professionellen Repertoire von Designmanagern. Und genauso gehört auch betriebswirtschaftliches Basiswissen zum Repertoire der Designentwerfer. Denn hier greift die Unterscheidung zwischen Können und Kennen. Die Schnittmenge an Inhalten und Methoden der Lehre ist groß, aber was der eine davon „können“ muss, braucht der andere nur zu „kennen“. Am Ende aber brauchen beide – Designentwerfer und Designmanager – ein Produkt, welches den Kunden fasziniert und das Unternehmen finanziert. Für dieses Ziel arbeiten beide Designexperten kongenial zusammen – auf der Grundlage von breitem Wissen und spezifisch-individuellem Können als Vertiefungskompetenz.

Offene Briefings für die Studierenden mit strukturiertem Forschungsprozess, um kreative Lösungen individuell zu generieren

Forschendes Lernen – Offene Briefings für die Studierenden mit strukturiertem Forschungsprozess, um kreative Lösungen individuell zu generieren

Gestaltung eines Alltagsprodukts mit der „grünen“ Technologie des Energy Harvesting
So jedenfalls lautet das Credo, mit dem Prof. Dr. Ulrich Kern im Studiengang „Design- und Projektmanagement“ der FH Südwestfalen lehrt. Die angehenden Designmanager/innen werden interdisziplinär in Gestaltung, Wirtschaft und Technik ausgebildet. Kenntnisse des Entwerfens werden insbesondere im Modul „Produktgestaltung“ im dritten Fachsemester vermittelt. Während im vorangegangenen Semester die Prozessphasen des Designs und deren Inhalte trainiert wurden, steht im Anschluss die entwerferische Leistungsdimension des künftigen Berufsfeldes im Fokus. Und dazu gehören die kreativen Fähigkeiten und visualisierenden Kompetenzen – die Gestaltung eines Produktes und dessen Management. Für den Leistungsnachweis der Studierenden im WS 2014-15 wurde die Aufgabe gestellt, ein Alltagsprodukt mit der „grünen“ Technologie des Energy Harvesting zu gestalten. Wesentliche Teile der Vorgehensweise sind die Phasen „Konzept“ und „Entwurf“. Hier wird auch die curriculare Unterscheidung in Können und Kennen am deutlichsten. Die künftigen Design- und Projektmanager/innen haben die Möglichkeit, ihre Kompetenzen stärker in konzeptionell-systematischen Fähigkeiten abzubilden und weniger in gestalterisch-künstlerischen Neigungen zu realisieren. So ist beispielsweise der Modellbau in dieser Vorgehensweise eine Phase, die man als Designmanager/in kennen, aber nicht unbedingt können muss. Der „Designentwerfer“ und der „Designmanager“ haben somit zwar ähnliche Kompetenzprofile, die aber unterschiedlich priorisiert und vertieft sind – deswegen die Differenzierung in „Können“ und „Kennen“. Somit haben die Studierenden die Option selber zu entscheiden, was sie im Prozess der Produktgestaltung „kennen“ oder „können“.

Digitale Werkzeuge erhöhen die Medienkompetenz der Studierenden
Basis für den Leistungsnachweis ist ein Briefing mit hoher curricularer Elastizität. Es ist so angelegt, dass die Studierenden ihre individuellen Interessen und Talente entfalten können. Dies entspricht auch dem Prinzip des Forschenden Lernens, das auf hohe Selbstständigkeit der Studierenden bei dem Zuschnitt der Aufgabe sowie bei der Entwicklung von Methode und Lösungsstrategie setzt. Unterstützt wird dies zudem durch institutionalisierte Teamarbeit, die die unterschiedlichen Neigungen der Studierenden zu einer effizienten Gesamtleistung vernetzt. Als weiteres Vernetzungsinstrument kamen in dem Semester iPads von Apple zum Einsatz. Hatte noch im zweiten Semester das analoge Vorgehen im Vordergrund gestanden, kamen im dritten Semester die digitalen Werkzeuge zum Zug und erhöhten die Medienkompetenz. So arbeiteten die Studierenden mit dem Tablet-Rechner und den installierten Apps – von Wunderlist über Sketchbook bis hin zu Omniplan.

Designmanagement - Die klassische Vorgehensweise für Gestaltungsprojekte mit dem Ziel innovativer Produkte – empfangene Impulse (Problem!) werden gewandelt und wieder als Impuls (Lösung!) in den Markt gesandt.

Designmanagement – Die klassische Vorgehensweise für Gestaltungsprojekte mit dem Ziel innovativer Produkte – empfangene Impulse (Problem!) werden gewandelt und wieder als Impuls (Lösung!) in den Markt gesandt.

Design(management) ist die erfolgreiche Synergie aller am Prozess beteiligten Menschen
Methodisch organisiertes und planvolles Vorgehen ist selbstverständlicher Lerninhalt im Design- und Projektmanagement. So orientierten die Studierenden ihre Semesterarbeit grundsätzlich an den fünf Phasen, die von der Aufgabenbestimmung und Research über Konzept und Entwurf bis zur Dokumentation reichen. Das Phasenschema bildete die Grundlage für den individuellen Projektstrukturplan. Innerhalb der Phasen arbeiteten die angehenden Design- und Projektmanager/innen weitgehend frei: von der Definition einer eigenen Aufgabenstellung über die selbst gesteuerte Auseinandersetzung mit der Technologie des Energy Harvesting bis hin zum individuellen Ideen- und Entwurfsprozess. Gleichzeitig galt es den Prozess von Kooperation und Kommunikation manageriell zu organisieren. Ist doch Design die erfolgreiche Synergie aller am Prozess beteiligten Menschen. Den Abschluss bildete die Dokumentation des Gestaltungsprojekts. Sie ist Wissensspeicher der Erfahrungen, Kenntnisse und der Kreativprozesse, ebenso zugleich Kommunikationsmedium im Austausch mit Dritten.

Studierende erfahren Wissenschaft als sozialen Prozess
Der Ansatz des „Forschenden Lernens“ wurde in den 1970er Jahren entwickelt und findet heute wieder große Resonanz. Es geht um studentisches Lernen, das sich mit eigener Forschungsleistung verbindet. Hierbei wird ein Lernkonzept gefördert, das auf hohe Selbstständigkeit der Studierenden bei der Wahl des Themas sowie bei der Entwicklung von Methode und Lösungsstrategie setzt. Zugleich wird ein wissenschaftliches Arbeiten unterstützt, das Ergebnisse selbstkritisch überprüft und nachvollziehbar kommuniziert. Das studentische Lernen ist auf die Gewinnung neuer Erkenntnisse gerichtet. Diese sollen generell für Dritte von Interesse sein, z.B. für Unternehmen, Verbände, Berufspraxis, Öffentlichkeit, Hochschule / FB etc. Dabei wird der ganze Forschungszyklus (von den Ausgangsfragen über zum Ergebnis) durchlaufen und Wissenschaft als sozialer Prozess erfahren.

Download Briefing „Gestaltung eines Alltagsproduktes mit der Technologie des ´Energy Harvesting´_ Ulrich Kern

Link Website „Spielerisch die Professionalität trainieren“ _ FH Südwestfalen

Link Website „Green Technology als Gestaltungsthema“ _ FH Südwestfalen

Trennlinie_Seiten