Studienprojekte – Disparität im Design?

 

Kreativität und Kontrolle - Das Fahrrad war Gegenstand des Moduls „Designmanagement-Projekt 1“ - Probleme der individuellen Mobilität für Lösungen mit realisierbarem Hintergrund.

Kreativität und Kontrolle – Das Fahrrad war Gegenstand des Moduls „Designmanagement-Projekt 1“ – Probleme der individuellen Mobilität für Lösungen mit realisierbarem Hintergrund.

Projektmanagement: Es scheint unvermeidbar – immer sind in Designprojekten „Kreativität“ und „Kontrolle“ unter einen Hut zu bringen. Diese Disparität zu beherrschen, ist Zeichen hoher Professionalität. Und genau deshalb werden Designmanager/innen auch im Projektmanagement ausgebildet. Sie stellen das Kräftegleichgewicht her, wenn sich im Projekt „Kreativität“ und „Kontrolle“ mal wieder diametral gegenüberstehen – wie kämpfende Boxer jeder in seiner Ecke. Nur vordergründig geht es um Sieg oder Niederlage. Es geht letztlich um die Zustimmung, ja Begeisterung des Marktes. So wie das Boxpublikum jubelt, wenn die Kontrahenten ihr Bestes geben, wünschen sich Kunden kreative, durchdachte und bezahlbare Angebote. Das Beste eben!

Genius in der Gemeinschaft oder gemeinsamer Genius?
Im Modul „Designmanagement-Projekt 1“ (Prof. Dr. Ulrich Kern) lernen die Studierenden des Sg Design- und Projektmanagement der FH Südwestfalen in Soest genau das: ihre Kreativität einerseits zu kontrollieren und Kontrolle andererseits kreativ zu interpretieren. Dabei werden sie sich auch bewusst, dass die Suche nach neuen Produkten ein kollektiver und methodisch zu durchlaufender Vorgang ist. Immer gilt es andere „abzuholen und mitzunehmen“, andererseits aber auch die individuelle Kreativität auszuspielen. Zwischen diesen beiden Polen ist zu agieren – Teamgeist und Regeln auf der einen Seite, auf der anderen Seite der Genius des einzelnen und dessen Freiheit.

Designmanagement im Unternehmen erfordert eigene Fach- und Planungskom-petenz gepaart mit hoher Sozialkompetenz

Designmanagement im Unternehmen erfordert eigene Fach- und Planungskompetenz gepaart mit hoher Sozialkompetenz

Designmanagement im Schnittpunkt fachlicher, planerischer und sozialer Aufgaben
Wenn die Studierenden das Designmanagement-Projekt 1 bearbeiten, bringen sie bereits das Vorwissen aus dem ersten Semester ein. Sie wissen, dass Designmanagement ein unternehmerischer Leistungsbereich ist und kennen ihre spätere Führungsaufgabe: Koordination aller Gestaltungsdisziplinen und -aufgaben im Unternehmen. Die Spannweite reicht von der Produktgestalt bis zum unterstützenden Packungsdesign, vom visuellen Marketing bis zur visuellen Kommunikation am Point-of-Sale. Dazu gehört auch die Kooperation mit allen unternehmerischen Leistungsbereichen – mit den Konstrukteuren und den Kostenmanagern, mit den Produktionsplanern und den Profis vom Vertrieb. Alle diese Projekte und Prozesse sind zu planen und zu managen. Personelle Kapazitäten sind mit notwendigen Leistungen auf Zeitachsen in Einklang zu bringen. Aber auch Meilensteine für Entscheidungsprozesse sind zu setzen. Dabei gilt es, das Ganze mit allen abzustimmen. Aufgaben, die permanent zu leisten sind und die insbesondere Fingerspitzengefühl im Umgang mit anderen erfordern. Denn hier zeigt sich ganz konkret, was „People Business“ heißt. Die planerischen Fähigkeiten funktionieren immer nur Hand-in-Hand mit den sozialen Kompetenzen der Führungskraft. Diese steht nicht auf einem Kasernengelände, wo angeordnet wird. Eher ist sie in einer Kirche, in der immer wieder aufs Neue zu „predigen“ und die „Zweifler“ zu überzeugen sind. Einschwören auf die „Gebote“ des Projekts!

Die Arbeitspakete fürs Projektmanagement erfordern immer wieder aufs Neue die praktischen Übungen mit wechselnden Aufgaben- und Problemstellungen

Die Arbeitspakete fürs Projektmanagement erfordern immer wieder aufs Neue die praktischen Übungen mit wechselnden Aufgaben- und Problemstellungen

Projektmanagement ist Handwerkszeug der Führungskraft
Nicht repetitives Wissen, sondern die erfolgreiche Anwendung von methodischer Kreativität führt in diesem Projektmodul zum Ziel. Ein Projektmanagement ist von jedem Team einzurichten und vom Anfang bis Ende zu steuern. Zum Start stellt der Lehrende ein schriftlich fixiertes Briefing vor, das mit den Studierenden diskutiert wird. Es bereitet nicht nur auf die planerische Dimension des Projekts, sondern auch auf die spezifisch-gestalterische Dimension im Design vor. Da die gestellte Aufgabe bewusst offen in der Zielsetzung ist, hat jedes Team für sich ein eigenes Themenverständnis zu entwickeln, das in einem Re-Briefing mündet. Wesentlicher Teil des Projektmanagements ist, sich auf eine Ergebnisqualität zu verständigen, die zwischen dem Anspruch der Aufgabe, den Anforderungen des Lehrenden und dem persönlichen Ehrgeiz einzupendeln ist. Im Team zu diskutieren ist in diesem Zusammenhang auch die Bedeutungsrelevanz für die eigene berufliche Entwicklung. In einem Team-Commitment wird das Ergebnis festgehalten. Neben den inhaltlichen Zielvorgaben sind zudem die Quantitäten der gemeinsamen Workload-Ressourcen über die Projektlaufzeitzeit zu strukturieren. Die Studierenden haben ihre eigene Vorgehensweise festzulegen – mit Phaseneinteilung, Maßnahmen, Wer-macht-was?-Verteilung und eine Zeitplanung, die ebenso extern wirksame Besonderheiten berücksichtigt. Integrierter Teil des Projekts ist die Dokumentation eines jeden Teams, die den Bearbeitungsfortschritt kontinuierlich fortschreibt und so eine Art Wissensmanagement darstellt. Kontrollierte Kreativität nach gemeinsam vereinbarten Regeln …

Das 10-Phasen-Programm als Leitplanken für die Entwicklung der Problemlö-sungskompetenz von Design- und Projektmanager/innen

Das 10-Phasen-Programm als Leitplanken für die Entwicklung der Problemlösungskompetenz von Design- und Projektmanager/innen

Das 10-Phasen-Programm für kreatives Management mit Erfolg
Am Anfang steht die umfassende und verlässliche Gewinnung von Daten. So sind die gesellschaftlichen Megatrends zu analysieren und eine Wettbewerbsdiagnose zu erstellen. Der intellektuelle „Spagat“ für die Studierenden des zweiten Semesters besteht in der Verbindung zwischen dem „retrospektiven“ Wissen und den Annahmen zukünftiger Entwicklungen. Gewissheiten und Inspirationen dürfen einander nicht ausschließen! Gleichzeitig ist herauszuarbeiten, mit welchen designeigenen Kompetenzen und mit welchen fremden Kompetenzen (Engineering, Fertigung etc.) das Projekt in realita zu bearbeiten wäre – Studium kann „Praxis“ (wenn überhaupt) nur unvollständig simulieren. Selbstverständlich gehören mit in das Programm auch die Phasen der Gestaltung – Designkonzept und Entwurf. Allerdings hat das einen geringeren Zeitanteil als in einem klassischen Designstudium. Die Studierenden werden nicht als Gestalter, sondern als Design- und Projektmanager/innen ausgebildet. Der Unterschied liegt hier im „Kennen“ statt „Können“. Dennoch kommt der kreativ-entwerferische Vorgang nicht zu kurz. Oft ist der kreative Ehrgeiz der Studierenden so angestachelt, dass auch studienfreie Zeit investiert wird. Weniger Bedeutung allerdings erhält die Phase „Umsetzungstechnik mit Modellbau“. Denn dies ist eine Leistung, die in der Berufspraxis eher beim Spezialisten eingekauft wird. Dennoch führt der Feuereifer mancher Studierenden auch in dieser Phase zu überraschend ambitionierten Ergebnissen. Die letzte Phase schließlich, die „Interne kritische Projektbilanz“, findet nicht im Modul mit allen statt, sondern ist die Aufforderung an jedes Team, im Nachhinein Erfolge, aber auch Fehler zu analysieren. Nur so kann das nächste Projekt effektiver im kreativen Ergebnis und effizienter im Projektmanagement werden… Das Selbermachen im Projekt führt die Studierenden an die Disparität von Kreativität und Kontrolle heran – zwei Seiten einer Medaille!

Der Wissenschaftskreislauf zur Verortung der zu trainierenden Kompetenzen und ihre Relevanz für die Professionalität

Der Wissenschaftskreislauf zur Verortung der zu trainierenden Kompetenzen und ihre Relevanz für die Professionalität

Das große Ganze oder wissen, wo man steht…
Eine Frage, die viele Studierende bewegt: Wo stehe ich eigentlich später im Beruf mit der Qualifikation aus meinem Studium? Eine Orientierung bietet das Konstrukt des Wissenschaftskreislaufes, der die wesentlichen Interaktionsprozesse zwischen Praxis und Planung, Theorie und Forschung beleuchtet. Hier wird deutlich, dass Design- und Projektmanager/innen in dem komplexen Prozess zwischen Planung und Praxis tätig sind. Es zeigt sich auch, dass neuartige Vorhaben oft noch einen Schritt vorzuschalten haben, nämlich eine Forschungsphase. Durchlässigkeit auch zu diesem Aufgabengebiet ist daher schon im Studium gefragt. Neben dem planungsorientierten Modul „Designmanagement-Projekt 1“ wird im vierten Semester das „Designmanagement-Projekt 2“ durchlaufen, das als ein forschungsorientiertes Managementprojekt konzipiert ist. Beide Module folgen den Prinzipien des „Forschenden Lernens“. Betrachtet man die immensen Herausforderungen, die sich schon heute für Wirtschaft und Gesellschaft abzeichnen, wird das Konstrukt des Wissenschaftskreislaufes für Hochschulcurricula noch an Bedeutung gewinnen. Damit werden die Studierenden auf eine berufliche Zukunft vorbereitet, die sie immer wieder mit neuen Problemen steigender Komplexität und Unschärfe konfrontieren wird. Die Heranführung im Studium an eine solche Kategorie von Aufgaben dient der Verortung eigener Kompetenzen und der Öffnung für wissenschaftliche Optionen. Schließlich sind die Studierenden zu befähigen, nicht nur bestehende Problemlösungen zu übernehmen, sondern auch Methoden zur Gewinnung neuer Erkenntnisse einzusetzen. Innovative Problemlösungen der Praxis sind letztlich ein Ergebnis von wissenschaftlichem Weiterdenken und Forscherneugier. Wenn das nicht zum Studieren gehört – was denn dann?

Link Website „Mit kreativer Systematik zur Innovation“ – Sg dpm der FH Südwestfalen im SS 2015

Download Reader „Das 10-Phasen-Programm der Designentwicklung – Einsatz der Projektplanung am Beispiel der Fahrradgestaltung“ _ Ulrich Kern

Download Buchbeiträge „Von der Akquisition zum Angebot, vom Problem zum Projekt“ und „Projektmanagement – Information, Steuerung und Vernetzung“  HAWK Hildesheim _ Hi-Land 2010 _ Ulrich Kern

Download Reader „Projektmanagement: Initiierung, Planung, Steuerung, Kommunikation, Controlling und Abschluss“ FH Trier _ Designhaus SS 2004 _ Ulrich Kern

Download Fachartikel „Individuelle Lösungen – Bauplanung erfordert Methodik und Weitsicht“_ Betriebstechnik 6-1994 _ Ulrich Kern

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