Designsystem – Wem nützt Design?

 

Designmanagement führt die unterschiedlichen Perspektiven, Positionen und Vernetzungen im Designsystem zu einer integrierten Vorgehensweise und sichert so Handlungsfähigkeit.

Designmanagement führt die unterschiedlichen Perspektiven, Positionen und Vernetzungen im Designsystem zu einer integrierten Vorgehensweise und sichert so Handlungsfähigkeit.

Designmanagement: Wem nutzt es? Cui bono?, lautet seit der Antike die Frage nach den wahren Motiven von Handlungen. Die kritische Frage nach den Hintergründen, z.B. in Politik und Geschichte, ist auch im Designmanagement ein probates Mittel. Nicht, um einen „Schuldigen“ zu identifizieren, sondern gerade um die Potenziale des Wirtschafts- und Innovationsfaktors Design transparent zu machen. Denn Designmanagement bringt die Wirkkräfte von drei wesentlichen Anspruchsgruppen zusammen: vom Produzenten, vom Verwerter und vom Nutzer. Ihre Motive und Erwartungen an Design sind unterschiedlich, ja teils sogar widersprüchlich. Hier ist der Gestalter, der für sein künstlerisches Entwurfskonzept „brennt“, dort der Nutzer, der die bessere praktische Lösung für seinen Alltag erwartet. Und schließlich ist da noch das kommerzielle Interesse des Unternehmens, das mit dem Design Geld verdienen will und muss. In dieser Trias der konkurrierenden Interessen hat Designmanagement die Aufgabe, zwischen den Anspruchsgruppen zu vermitteln und für divergierende Interessen einen gangbaren Weg zu finden. Denn nichts weniger ist zu leisten als die Integration von Kreativität und Ökonomie: Zu sichern sind kreative Impulse und effiziente Prozesse, innovative Problemlösungen und leistungsfähige Strukturen, begehrte Produkte und effektive Strategien.

Verbindet den kreativ-künstlerischen Akt mit der technisch-wirtschaftlichen Dimension
Designmanagement ist hierbei die Synthese. Es fügt die Produktion von Gestaltung, deren Verwertung und deren Nutzung zusammen – es verbindet den kreativ-künstlerischen Akt mit der technisch-wirtschaftlichen Dimension. Mit dem Ziel, dass die Problemlösung zur Lebensqualität der Gesellschaft beiträgt. Design ist damit integrales Planungsmedium der Managementaufgaben. Es bündelt die unterschiedlichen Perspektiven, Positionen und Vernetzungen im Designsystem zu einer integrierten Vorgehensweise und sichert so Handlungsfähigkeit. Ein Systemverständnis ist wesentlich, um in dem komplexen Knäuel den Überblick zu behalten und an den richtigen Fäden zu ziehen.

Designmanagement hat die unterschiedlichen Sichten auszubalancieren: die kreative Gestaltung des Entwerfers, des marktwirtschaftlich handelnden Unternehmens und die Ansprüche des Kunden, des Designnutzers.

Designmanagement hat die unterschiedlichen Sichten auszubalancieren: die kreative Gestaltung des Entwerfers, des marktwirtschaftlich handelnden Unternehmens und die Ansprüche des Kunden, des Designnutzers.

Handlungsfähigkeit im Zentrum der Integration
Wer gestaltet? Und warum? Für wen? Und wozu? Grundfragen dieser Art sind durchzuspielen, gerade im ersten Semester von angehenden Designmanager/innen. Davon ist Prof. Dr. Ulrich Kern überzeugt, der im Studiengang Design- und Projektmanagement an der FH Südwestfalen lehrt. Gilt es doch Designmanager/innen auszubilden, die sich sowohl auf die Sinnlichkeit von Gestaltung verstehen, als auch auf deren ökonomischen Sinn. Dafür müssen die Motive und Erwartungen der Beteiligten bekannt sein. Zu den Grundlagen der Disziplin gehört daher auch eine Analyse der Anspruchsgruppen und ihrer prinzipiellen Interessen. In systemischer Betrachtung zeigt sich, dass es eine design-produzierende Dimension als Funktionalität gibt, deren Instanz der/die Entwerfer/in ist. Daneben gibt es die Funktionalität des Verwertens von Design, deren Instanz die Unternehmen verkörpern. Diesen stehen die Nutzer von Design gegenüber, deren Instanz die Menschen (nicht nur als Konsumenten) sind. Und im Knotenpunkt dieser schwierigen „Dreiecksbeziehung“ steht das Designmanagement. Es versucht alle Interessen, auch die vermeintlich widersprüchlichen, zu einem „Happy End“ zu führen. Um das zu schaffen, werden – abhängig von der jeweiligen Situation – die Prioritäten der Anspruchsgruppen identifiziert. Design als genuine Leistung fokussiert auf den Entwerfer und sein Interesse, mittels gestalterischer Kreativität Prozesse und Produkte neu zu gestalten. Design als Wettbewerbsstrategie bezieht sich auf Unternehmen als Marktteilnehmer. Hier steht das Interesse im Vordergrund, Design als ökonomischen Erfolgsfaktor im Wettbewerb strategisch zu aktivieren. Design als Teil der Lebensqualität geht von den Menschen als gesellschaftliche Akteure aus, die im Design einen sinnstiftenden Nutzen suchen.

Wirtschaftlichkeit kreativer Leistungen – Kreativität unternehmerischer Prozesse
Und was passiert, wenn ein Designmanagement als „Regelungsinstanz“ fehlt? Leider zahlreich sind die Negativ-Beispiele der unternehmerischen Praxis. Hochtechnisierte Produkte, die sich über die funktionalen Interessen von Nutzern hinwegsetzen, Gestaltung ohne professionelle Designkompetenz oder Kreativleistungen ohne wirtschaftliche Steuerung sind nur einige Pannen. Mit ihnen sind ein Gesichtsverlust der Beteiligten, ein Imageschaden für die Produkte und fast immer ein ökonomischer Verlust für das Unternehmen verbunden. Designmanagement ist daher funktionale Notwendigkeit und ein ökonomisches Muss. Denn hier vernetzen sich – je nach Systemelement – unterschiedliche Interessen und Ziele. Designmanagement analysiert und koordiniert sie. An dieser Stelle wird auch die Eigenständigkeit des Studienprofils „Design- und Projektmanagement“ auf den Punkt gebracht. Management ist zu einem wichtigen, integralen Teil vieler Disziplinen geworden, die sich in einer hochdifferenzierten Wirtschaft mit anderen vernetzen. Gleiches gilt für das Design. Designmanagement hat die doppelte Aufgabe, die originäre Gestaltungsleistung zu fördern und zugleich die Managementleistung (z.B. Kunden- und Marktorientierung) zu verbessern. In dieser Verbindung löst es im optimalen Fall das Spannungsfeld zwischen Gestaltung und Ökonomie produktiv auf.

Download Presse „Wechsel erfolgreich vollzogen“_ Soester Anzeiger 8-3-2012

Download Fachartikel „Design-Management als Querschnittsaufgabe in Unternehmen _ io-Management-Zeitschrift 3-1993 _ Ulrich Kern

Download „Fachartikel „Design ist Denkarbeit“ _ Innovation & Management 10-1993 _ Ulrich Kern und Petra Sebrowski

Download Buchbeitrag „Design-Management als koordinierende Funktion _ Design-Management, Essen 1990 _ Ulrich Kern und Rudolf Schönwandt

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