Employability – Curricula eines neuen Imperativs

 

Curriculum Produktdesign - In zwei Präsentationen wird skizziert, wie sich curriculare Themenfelder so gestalten und interpretieren lassen, dass Absolventen zu differenzierten Kompetenzprofilen mit hoher Anschlussfähigkeit für zukünftige Entwicklungen der Arbeitswelt gelangen.

Curriculum Produktdesign – In zwei Präsentationen wird skizziert, wie sich curriculare Themenfelder so gestalten und interpretieren lassen, dass Absolventen zu differenzierten Kompetenzprofilen mit hoher Anschlussfähigkeit für zukünftige Entwicklungen der Arbeitswelt gelangen.

Studiengangsentwicklung: Natürlich zielten Studiengänge schon immer auf die Befähigung für eine komplexe berufliche Zukunft. Inzwischen ist aber die Berufsbefähigung – auf Bologna-Deutsch Employability – ein expliziter Anspruch einer neuen Dimension. Geht es doch darum, Berufsbefähigung nicht nur möglichst zügig, sondern auch auf lange Sicht und für zukünftig veränderte Rahmenbedingungen zu sichern. Ein Paradox ist damit zu leisten: Vor dem Hintergrund sich weiter verkürzender Halbwertzeiten des Wissens sind Kompetenzen zu entwickeln, die den Imperativ des lebenslangen Lernens in eine individuelle Option auf Selbstentfaltung und Selbstwirksamkeit verwandeln. Wie geht das? In zwei Präsentationen am Beispiel des Produktdesigns hat Prof. Dr. Ulrich Kern skizziert, wie sich curriculare Themenfelder so gestalten und interpretieren lassen, dass Absolventen zu differenzierten Kompetenzprofilen mit hoher Anschlussfähigkeit für zukünftige Entwicklungen gelangen. Zentraler Indikator für eine aussichtsreiche Berufsbefähigung ist dabei das Curriculum. Es ist sozusagen der Lackmus-Test für eine professionelle Zukunft, die durch eine hohe Dynamik in der technischen und wirtschaftlichen Entwicklung unserer Gesellschaft gekennzeichnet ist.

Der erste Vortrag stellt die Idee für ein Produktdesign-Curriculum vor, das integrierter Teil eines technischen Studiengangs ist. Basis ist hier ein integrierter Designprozess, der die Systemelemente Markt, Unternehmen und Produkt in Beziehung setzt.

Der erste Vortrag stellt die Idee für ein Produktdesign-Curriculum vor, das integrierter Teil eines technischen Studiengangs ist. Basis ist hier ein integrierter Designprozess, der die Systemelemente Markt, Unternehmen und Produkt in Beziehung setzt.

Post-industrieller Kontext als Orientierung für Berufsbefähigung
In dem ersten Vortrag geht es um die Ausgestaltung eines Produktdesign-Curriculums, das integrierter Teil eines technischen Studiengangs ist. Somit wird der post-industrielle Kontext als Orientierung für Berufsbefähigung in den Vordergrund gestellt. Wesentliche Prämisse hierbei ist, dass Kunden nicht allein technisch sinnvolle, sondern vor allem ästhetisch sinnliche Produkte begehren. Was das Postulat ästhetisierter Produkte, emotionalisierter Märkte und vitalisierter Unternehmen für das Curriculum im Produktdesign bedeutet, wird beispielhaft an Themenfeldern wie Produktgestaltung, Gebrauchtwertkonzepte und Entwurfstechniken aufgezeigt. Theorie und Geschichte der Ästhetik der Artefakte sind ebenso zu vertiefen wie Prozesse und Programme des Designmanagements. Technisch orientiertes Produktdesign setzt weiterhin an der Kompetenz an, Benutzeroberflächen zu strukturieren und zu hierarchisieren. Ein weiteres wichtiges Themenfeld sind Ergonomie und Usability, die in der kreativen Wertschöpfungskette zu verankern sind. Bei den Entwurfstechniken sind currricular Konstruktion und Proportion von Designmodellen zu verankern, ebenso die Entwicklung von Visualisierungs- und Kommunikationskompetenz. Als Antwort auf die postindustriellen Herausforderungen wird technisch orientiertes Produktdesign damit in den Kontext von Kreativität, Innovation und Kommunikation gestellt.
Technikorientierter Studiengang:
Integrierter Designprozess als Lernziel
Zieht man als Denkmodell die Systembeziehungen zwischen Markt, Unternehmen und Produkt hinzu, erweist sich die Begründung für einen integrierten Designprozess. So wird die Relation Unternehmen-Produkt von der Kreativität des Managements und der Mitarbeiter/innen entscheidend geprägt. Die Beziehung Produkt-Markt erhält durch die Innovation vitalisierende Impulse und Legitimation. Das Verhältnis Markt-Unternehmen wiederum ist durch eine permanente Kommunikation charakterisiert, die beispielsweise erst Markenbilder ermöglicht. Funktionieren diese Beziehungen erfolgreich, bilden sie die Voraussetzung für die Verzahnung mit Megatrends, die sich durch die hochentwickelte Wettbewerbsfähigkeit unserer Marktwirtschaft herausgebildet haben. Die Rede ist von der „Ästhetisierung der Produkte“, die sich in der Prämisse der Kreativität und dem Postulat der Innovation manifestiert. Man muss sich hier nur einmal die vielen neuen technischen Gadgets auf dem Markt anschauen. Je komplexer technische Produkte werden, umso notwendiger wird die „Emotionalisierung des Marktes“, wie sie durch innovative Produkte und kommunikative Dialoge gekennzeichnet ist. Wer dies nicht glaubt, möge nur mal in die Welt von „Social Media“ eintauchen. Nicht minder spannend ist das Ergebnis der Beziehung zwischen Kommunikation und Kreativität. Hier braucht die „Vitalisierung des Unternehmens“ sowohl den Dialog im Kollektiv als auch die „Genialität“ des Individuums. Unternehmen der Energie-Wirtschaft und der automobilen Industrie wissen aktuell um die Notwendigkeit einer virulenten Vigilanz.
Das Durchlaufen eines solchen Curriculums im Produktdesign befähigt zu einer Professionalität, die nicht nur kurzfristig gefragt, sondern auch langfristig entwicklungsfähig und damit zukunftssicher bleibt.

Der zweite Vortrag stellt das umgesetzte Curriculum für den Studiengang „Produktgestaltung“ der Brüder-Grimm-Berufsakademie vor. Hier handelt es sich in Konzept und Struktur um einen dualen Studiengang.

Der zweite Vortrag stellt das umgesetzte Curriculum für den Studiengang „Produktgestaltung“ der Brüder-Grimm-Berufsakademie vor. Hier handelt es sich in Konzept und Struktur um einen dualen Studiengang.

Duales Studium mit handwerklichem Hintergrund zum Produktgestalter
Im zweiten Vortrag geht es um das Curriculum für den Studiengang „Produktgestaltung“ der Brüder-Grimm-Berufsakademie. Konzeption und Struktur des Curriculums richteten wir – in Zusammenarbeit mit Petra Kern – an der Zielvorgabe aus, einen dualen Studiengang zu entwickeln. In das Curriculum einzubetten war der Erwerb eines handwerklich orientierten Berufs, der auch oftmals in die Selbstständigkeit führt. Aufgebaut wie eine Matrix-Organisation, verknüpft das Curriculum in definierter Abfolge der Studienjahre implizites Handlungswissen mit deklarativem Fachwissen aus den Design- und Bezugswissenschaften. So werden beispielsweise Kreativitätsprozesse in der Wirtschaft und in Wertschöpfungsprozessen beleuchtet, aber auch in Konzept und Entwurf von Gestaltung. Zentraler Punkt aber ist die Vermittlung des bildlichen Wissens, auch Vorstellungswissen genannt. Dieses rekurriert auf den eigentlichen Kompetenzerwerb – dem Imaginieren und Kreieren von Gebrauchsgütern des täglichen Bedarfs. In diesem Kontext sind Bezugswissenschaften ein Medium, um die gestalteten Gegenstände in Gesellschaft und Kultur zu verorten.
Ästhetikorientierter Studiengang:
Kultur-Ökonomie und kundennahe Dienstleistung
Die Rolle der betrieblichen Fachpraxis ist im Verhältnis zum akademischen Wissenserwerb als komplementär zu sehen. Die in der Ausbildung erlernten handwerklichen Fertigkeiten sind reziprokes Element für die konzeptionellen Fähigkeiten. Da das neu konzipierte Curriculum in der Festlegung seiner Lehr- und Lerninhalte nicht Rücksicht auf gewachsene Strukturen einer etablierten Hochschule Rücksicht zu nehmen hatte, ließen sich Module wie „Advanced Design Concepts“ oder „Start up-Projekt“ integrieren. Das Curriculum weist damit auch Themenfelder aus, die Anschlusslinien zu Zukunftsoptionen aufgreifen, so zum Beispiel mit den Modulen „Trendstudien“ oder „Innovationsmanagement“.
Employability in der Produktgestaltung ist in diesem curricularen Modell nicht auf den Bereich der Technik fokussiert, sondern von dem Design der kulturellen Ökonomie und der kundennahen Dienstleistung inspiriert.

Curriculum der Studiengänge = Wettbewerbsinstrument der Hochschulen
Auch wenn die beiden, hier vorgestellten Produktdesign-Curricula auf unterschiedliche Kontexte von Design rekurrieren, ist ihnen doch eines gemeinsam: Die Ausrichtung auf ein singuläres Profil in der dichten Design-Hochschullandschaft. Wettbewerbsfähigkeit ist längst Credo auch von Bildungseinrichtungen!

Download Vortragsfolien „Lehrkonzept Produktdesign“ _ Ulrich Kern

Download Vortragsfolien „Produktdesign – Das Faszinosum der Ästhetik“ _ Ulrich Kern

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