Innovation Design – The next big Thing?

 

Innovation Design – in neuen Studienformaten gibt es viel Luft nach oben: Studierende entwickeln sich und ihre „High Potentials“. Die Hochschule profiliert sich durch „Creative Leadership“.

Innovation Design – in neuen Studienformaten gibt es viel Luft nach oben: Studierende entwickeln sich und ihre „High Potentials“. Die Hochschule profiliert sich durch „Creative Leadership“.

Studiengangsentwicklung: Die Zeit scheint reif für innovative Studienangebote: Konzepte mit Attraktivität für einen neuen studentischen Typus. Und Curricula mit Zukunftspotenzial für die Ära der Digitalisierung. Beides ist dringend notwendig, wenn sich Wissenschaft auch weiterhin als Vordenker und Mitgestalter im Auftrag der Gesellschaft verstehen soll. Dass dieser Anspruch fortbesteht, zeigten Gespräche mit Entscheidern von Hochschulen und Unternehmen, die wir (Prof. Dr. Ulrich Kern, Petra Kern) in jüngster Zeit führten. Festzustellen ist: Das tradierte Vorgehen, säuberlich getrennte Fachbereiche in ihren „Silos“ zu kultivieren, wird zunehmend in Frage gestellt. Als dringlich wird die Notwendigkeit empfunden, disziplinäre Wissenskulturen zu gemeinsamen Problemanalysen und Lösungsmethoden zusammenzubringen. Und welche Entwicklungsphase künftiger Führungskräfte wäre hierfür geeigneter als das Studium? Und dennoch sind innovative Studienangebote mit ernsthaft transdisziplinärem Anspruch noch eine Seltenheit. Denn der Begriff des Transdisziplinären verweist auf eine wissenschaftliche „Terra Incognita“. Gemeint ist die Entwicklung einer gemeinsamen Denkweise, Sprache und Methode in der Zusammenarbeit verschiedener Disziplinen. Neuland also – noch nicht vermessen und kartiert. Wie könnte ein solches innovatives Studienkonzept beschaffen sein? Einige Gedankenspiele und Ideen am Beispiel eines Innovation Design stellen wir im Folgenden vor – als Inspiration für Hochschulen, die Neues auf den Weg bringen wollen.

Action Learning – Beispiel für zwei veröffentlichte Projekte eines Studierenden (Stanislaw Zachert) an der HAWK Hildesheim, die das „Vor-Denken“ zum „Nach-Machen“ propagieren; das Postulat der Innovation setzt das Primat der Kreativität voraus.

Action Learning – Beispiel für zwei veröffentlichte Projekte eines Studierenden (Stanislaw Zachert) an der HAWK Hildesheim, die das „Vor-Denken“ zum „Nach-Machen“ propagieren; das Postulat der Innovation setzt das Primat der Kreativität voraus.

„action learning“ für einen neuen Studententypus
Es gibt Studierende, die sich in der Welt des Indikativs beengt fühlen. Die Welt, so wie sie ist, na gut, aber … könnte man nicht vieles besser machen? Und schon sind sie in der Welt des Konjunktivs. Die beständige Suche nach neuen Lösungen für unser zukünftiges Leben beflügelt sie. Es sind junge Männer und junge Frauen, für die schon in der Kindheit das Digitale so selbstverständlich zum Leben gehörte wie der Besuch im Zoo. Sie sind immer „online“ – im doppelten Wortsinn. Ihre Mediennutzung ist selektiv. Sie tummeln sich auf Websites wie „fastcoexist.com“, die konventionelle Grenzen zwischen Politik, Gesellschaft und Kultur ignorieren. Passives Zuhören ist nicht ihr Ding, sie sehen sich auch als aktive Mitmacher. Inspirationen und Assoziationen teilen sie mit anderen. Die Produktion neuer Ideen findet im „3-Schichten-Modus“ statt – 24 Stunden lang. Sie studieren vielleicht Design, weil ihnen das typische Ingenieursstudium zu verschult erschien. Eigentlich interessieren sie sich aber für neue Technologien und deren Nutzen. Eine Didaktik, die auf Vorlesung und Reproduktion bekannter Lerninhalte setzt, langweilt sie. Offene Projekte dagegen mit komplexen, häufig transdisziplinären Strukturen sind willkommene Herausforderungen. Diese Studierenden haben ein kreatives Potenzial, das die „klassischen“, zur Verschulung neigenden Studiengänge nur annähernd wecken und aktivieren können. Dabei wäre die Entfaltung ihrer Persönlichkeit eine enorme Bereicherung – nicht nur für ihre eigenen Lebensziele, sondern auch für die Reputation einer innovativen Hochschule, ebenso für eine Gesellschaft und Wirtschaft, die von dem Wissen und der Kreativität ihrer Menschen lebt. Ein solches Studiengangs-Konzept wäre irgendwo zwischen der Potsdamer „School of Design Thinking“ und der „Singularity University“ aus dem Silicon Valley angesiedelt. Und übrigens: Der beschriebene Studententypus ist nicht gerade selten. Wohl aber die entsprechenden Studienangebote …

Geschichten aus der Zukunft
Was in der Luft schwirrt und vibriert sind Veränderungsprozesse allerorten – manifestiert am Begriff „Industrie 4.0“. Was wie ein Soundbite klingt, steht für Digitalisierung und Umbrüche in erheblichem Umfang. Und steht damit auch für Veränderungen in der Gesellschaft, die wir heute im Detail noch nicht überblicken. Was sich aber in Wirtschaft und Wissenschaft in Konturen abzeichnet, ist ein tiefgreifender Strukturwandel in der Arbeitswelt mit Ausläufern in alle Lebensbereiche. Und das ist inzwischen ein höchst aktuelles Thema in den Medien. In der ZEIT vom 8.9.2016 finden sich solche Geschichten aus der Zukunft, zum Beispiel die Beiträge „Wer Visionen hat, soll zu Z2X gehen“ und „Es fliegt, es fliegt!“. Es handelt sich um zwei sehr interessante Artikel über junge Menschen und ihre Vorstellungen von Leben und Innovation. Selbst konventionelle Finanzdienstleister wie die Commerzbank hat den Zukunftstrend erkannt. Warum sonst würde sie sich ein „Innovation Lab“ für die Digitalisierung ihrer Geschäftsmodelle gönnen? Nachzulesen in der PAGE 10-2016. Weiteres Beispiel ist DER SPIEGEL 36-2016: Er gibt sich zukunftskritisch und titelt mit „Mensch gegen Maschine“, während das HANDELSBLATT (2.9.2016) eine „Schöne neue Arbeitswelt“ beschreibt. Das intelligente Ding, der Roboter, wird zum Superzeichen für Transformationsprozesse und Kompetenzverschiebungen. Und dann ist da noch die kulturell- ethische Betrachtung in DIE ZEIT vom 25.8.2016: „Monströs vereinfacht“ lautet ein Essay über den Science-Fiction Klassiker Frankenstein und die damit verbundene Wissenschaftsethik. Wie aktuell Mary Shelleys Allegorie der Schöpfungsgeschichte ist, beweist wiederum der FOCUS (36-2016): Die kurze Meldung „Der Körper als Touchpad“ berichtet über das Ergebnis einer Zusammenarbeit zwischen Microsoft und der Universität Massachusetts. Da wird ein smartes Schmuckdesign zur Brücke zum Transhumanismus. Was spielt sich gerade ab? Wir glauben, nicht weniger als die Versuche, ein neues singuläres Superzeichen (die Intelligenz der Dinge) mit seinen vielen subtilen Signifikanzen für das künftige Zusammenleben der Menschen zu entschlüsseln. Letztlich verbirgt sich dahinter die Erkenntnis, dass keine der disruptiven Innovationen der Neuzeit durch eine Disziplin entwickelt und zum Erfolg gebracht wurde. Es waren Menschen, die über Disziplinen hinausdachten und deshalb aus dem Zirkel des bereits Bekannten zum Noch-nicht-Gedachten vordringen konnten.

Hochschul-Curriculum – In der beschleunigten Wissensgesellschaft sind die heute noch aktuellen Curricula morgen schon von gestern. Studienverlaufspläne müssen entwicklungsfähig bleiben für die Herausforderungen der Welt von morgen.

Hochschul-Curriculum – In der beschleunigten Wissensgesellschaft sind die heute noch aktuellen Curricula morgen schon von gestern. Studienverlaufspläne müssen entwicklungsfähig bleiben für die Herausforderungen der Welt von morgen.

Studium der Zukunft oder Zukunft des Studiums?
Wenn man sich die Mega-Trends der Gesellschaft vor Augen hält, weiß man, dass innovative Studienformate überfällig sind. Warum nicht ein Studium anbieten, das die technologischen Optionen im Design antizipiert und sie als konkrete Gestaltung der öffentlichen Kritik zugänglich macht? Und zwar mit ihren wirtschaftlichen, sozialen, ökologischen oder auch ästhetischen Konsequenzen. Warum nicht einen Studienverlaufsplan kreieren, der Ideenreichtum und Tatendrang von Studierenden in den Vordergrund stellt? Was spricht gegen ein Studium, das Projekte generiert, mit dem sich die Studierenden anschließend ihr eigenes Unternehmen aufbauen? Und wieso bündeln wir nicht die konstruktiv-logischen Attribute des Engineerings mit dem kreativen Freiraum eines Designstudiums? Die Vorzüge der analogen und der digitalen Welt werden mit den Optionen der rationalen und der kreativen Welt kombiniert.

Problemlösungskompetenz – Das Studienformat Innovation Design ermöglicht es Studierenden, in die zunehmend anspruchsvolleren Aufgaben hineinzuwachsen. Schlüsselqualifikationen flankieren den Entwicklungsprozess: „Complex Problem Solving“ und „Critical Thinking“ sowie Kreativität und Teamwork.

Problemlösungskompetenz – Das Studienformat Innovation Design ermöglicht es Studierenden, in die zunehmend anspruchsvolleren Aufgaben hineinzuwachsen. Schlüsselqualifikationen flankieren den Entwicklungsprozess: „Complex Problem Solving“ und „Critical Thinking“ sowie Kreativität und Teamwork.

Technology-Design-Blending
Warum sollte ein solches „Technology-Design-Blending“ nicht die Basis für eine neue Start-up-Generation sein? Was würde passieren, wenn sich die Rolle des Hochschullehrers vom „Hüter des Wissens“ zum Expeditionsleiter einer Terra incognita wandeln würde? Und warum macht man aus der Entwicklung eines solchen völlig neuartigen Curriculums kein Forschungsvorhaben, um einen experimentellen Studiengang (als Pilotprojekt) zu verifizieren und anschließend weiter zu entwickeln? Ein Studium, das wie ein Think Tank arbeitet?! Wissenschaftlich fundiert und verantwortungsvoll, transdisziplinär und kreativ-experimentell. Ein Studiengang, der vielleicht „Innovation Design“ heißt und sich mit Studierenden auf die Suche nach „The next big Thing“ macht …
Alle Anzeichen sprechen dafür, künftig das Studium stärker auf das auszurichten, was Menschen besser als Maschinen können: kreative Problemlösungen, vertrauensvolle Zusammenarbeit und Empathie für andere Denkweisen. Stehen doch starke Umwälzungen in Wirtschaft und Gesellschaft bevor. Verändert sich doch die Topografie der Wissenslandschaft erheblich. Und zugleich bieten die neuen Technologien eine Fülle an Möglichkeiten an, über deren positive oder negative Entwicklung – wie immer – nur wir, die Menschen, entscheiden.

Link Studierenden-Workshop „Hot Hunting“ zur Entdeckung „weltverändernder“ Technologien _ FH Südwestfalen

Link Think Tank: Design-Experimente zwischen Fakten, Forschung und Fiktion _ HAWK Hildesheim

Link Advanced Design: Der Roboter als sympathischer Helfer _ HAWK Hildesheim

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