Berufsbefähigung – Generalist für Kreativität 

 

Einer für alles - Generalisten für Kreativität arbeiten interdisziplinäre und vernetzt. Ihre Problemlösungsfähigkeit ist das intellektuelle Potenzial, Zukunft neu zu denken.

Einer für alles – Generalisten für Kreativität arbeiten interdisziplinäre und vernetzt. Ihre Problemlösungsfähigkeit ist das intellektuelle Potenzial, Zukunft neu zu denken.

Designmanagement: Verkehrte Welt? Design ist hoch geschätzt – aber Designer werden schlecht bezahlt. Beispiel für wachsende Wertschätzung: Die international renommierte Unternehmensberatung McKinsey hat eine Designagentur aufgekauft, da sie Design für einen Schlüsselfaktor im Wettbewerb hält, wie in der Online-Ausgabe der FAZ am 10. November 2016 berichtet wird. Und das Negativbeispiel: Nur zwei Tage zuvor berichtete dasselbe Medium, dass Designer relativ schlecht bezahlt werden. Und das ausgerechnet in der Werbung, die als Kreativbranche par Excellence gilt. „Kreativ – und auch gut bezahlt?“, lautet das skeptische Resümee einer aktuellen Gehaltsanalyse. Insider wissen: Die Skepsis ist leider auch in anderen Branchen berechtigt, in denen Designer tätig sind.

Unbequeme Fragen entscheiden über Berufsperspektive
Wie lässt sich dieser vermeintliche Widerspruch auflösen? Und wie macht man ehrgeizigen Studienanfängern klar, wo ihre Chancen in der Arbeitswelt liegen, wenn sie sich für einen kreativen Beruf entscheiden? Dies sind unbequeme Fragen. Aber entscheidend für die berufliche Zukunft des akademischen Nachwuchses. Denn nach wie vor erfahren Studiengänge, mit denen „etwas Kreatives“ assoziiert wird, einen hohen Zulauf. So auch der Studiengang Design- und Projektmanagement an der FH Südwestfalen, Campus Soest. Bei Prof. Dr. Ulrich Kern werden daher bereits die Erstsemester mit den „Perspektiven der Berufsbefähigung“ konfrontiert, wie sein Vorlesungsskript lautet. Abstrakte Konzepte wie die Wissensgesellschaft und ihre komplexen Folgen für die Arbeitswelt werden begreifbar durch ganz handfeste Belege wie aktuelle Stellenanzeigen für Designer/innen und Designmanager/innen. Hier zeigen sich die relevanten Verschiebungen. Die klassischen Designleistungen am konkreten Objekt führen überwiegend in das operative Geschäft. Sie sind langfristig bei fortschreitender Digitalisierung auch von einer Substitution bedroht, wie viele Studien belegen. Die abstrakten Voraussetzungen von Gestaltung dagegen – wie Kreativität, Innovationsfähigkeit und Kommunikation – sind in nahezu allen strategisch angesiedelten Positionen gefragt. Sie fordern das intellektuelle Potenzial, um Zukunft neu zu denken.

Fach- und Methodenwissen ist nur die Basis für Erfolg in der Arbeitswelt. Berufsfähigkeit, so genannte „Employability“, entsteht erst in Kombination mit Schlüsselkompetenzen wie Kritikfähigkeit, Selbstreflexion und Sozialkompetenz.

Fach- und Methodenwissen ist nur die Basis für Erfolg in der Arbeitswelt. Berufsfähigkeit, so genannte „Employability“, entsteht erst in Kombination mit Schlüsselkompetenzen wie Kritikfähigkeit, Selbstreflexion und Sozialkompetenz.

Kompetenzen für ein „Upgrading“ von Kreativen
Die Schlussfolgerung von Prof. Kern lautet daher, dass in der Hochschullehre ein Wandel fällig ist – ein „Upgrade“ von den Spezialisten für Design zu den Generalisten für Kreativität. Ein solches erweitertes Verständnis liegt dem Designmanagement zugrunde, wie es an der FH Südwestfalen gelehrt wird. Drei wesentliche Kompetenzfelder verbinden sich hier: Die fachwissenschaftliche Kompetenz als Basiswissen, zum Beispiel in Gestaltung, Technik und Wirtschaft, weiterhin die Kommunikationskompetenz, die versiert die Register von Visualisierung und Verbalisierung zu ziehen weiß. Und schließlich die Selbst- und Sozialkompetenz, die auf der Reflexion von Werten und Kritikfähigkeit beruht, ebenso auf Empathie für andere und Kooperationsfähigkeit auch in komplex-anspruchsvollen Konstellationen. Dahinter steht eine Erkenntnis, die eigentlich alle Berufsfelder betrifft. Fachwissen allein sichert noch keine Beschäftigungsfähigkeit. Vielmehr setzt die so genannte „Employability“ breite Schlüsselkompetenzen wie Selbstreflexion, verantwortungsvolles Handeln und Strategien für die Bewältigung einer dynamischen Zukunft voraus. Und nicht zufällig sind das auch die Zielgrößen für die Entwicklung von individuellen Persönlichkeiten in der modernen Zivilgesellschaft.

Das erweiterte Verständnis von Design ist Ausdruck des dynamischen Wandels in der Wissensgesellschaft. Auch die Disziplin muss sich selbst innovativ weiterentwickeln, will sie ihre gesellschaftliche Relevanz langfristig festigen.

Das erweiterte Verständnis von Design ist Ausdruck des dynamischen Wandels in der Wissensgesellschaft. Auch die Disziplin muss sich selbst innovativ weiterentwickeln, will sie ihre gesellschaftliche Relevanz langfristig festigen.

Weiterlernen im persönlichen Wissenschaftskreislauf
Interdisziplinäre Studiengänge wie Design- und Projektmanagement bereiten auf neu konfigurierte Aufgabengebiete, generalistische Kompetenzen und dynamischen Wandel in der Wissensgesellschaft vor. Sie sind das Pendant zu den immer differenzierteren Berufsprofilen in Unternehmen. Damit korrespondiert ein Design, das über die ästhetische Gestaltung hinausgeht und sich dem internationalen Verständnis annähert: Design als technisch-planerische Entwicklungsleistungen mit dem Ziel der Innovationsfähigkeit. Für angehende Designmanager/innen folgt daraus ein beständiges Weiterlernen in ihrem persönlichen „Wissenschaftskreislauf“. Denn eine akademische Qualifikation ist nicht in Stein gemeißelt und schon gar keine Jobgarantie. Sie bleibt nur dann àjour, wenn Fachwissen sich immer wieder selbst kritisch in Frage stellt, auch ungewöhnliche Wege zum Bessermachen zulässt und planerisch innovative Ideen in die Praxis überführt. Nur dann, wenn sich Design als Disziplin auch selbst innovativ weiterentwickelt, bestehen gute Zukunftschancen der Profession – für die ökonomische Wertschöpfung von Unternehmen und genauso für eine wachsende monetäre Wertschätzung der kreativen Leistungen.

Download Reader „Perspektiven der Berufsbefähigung – von Kompetenzen und Anforderungen zur Performanz“ _Ulrich Kern

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