Designphilosophie – Gedenken an die Zukunft

 

Die Zukunft des Design - Welche Richtung wird sie gehen? Oder wird doch erst einmal geparkt und abgewartet? Wir werden es erleben...

Die Zukunft des Design – Welche Richtung wird sie gehen? Oder wird doch erst einmal geparkt und abgewartet? Wir werden es erleben…

Fachartikel: „Die Zukunft ist nicht von gestern … aber vielleicht eines Tages die Designer/innen?“ Mit diesem Beitrag haben die Verfasser, Petra Kern und Ulrich Kern, ein Memorandum verfasst. Eine Denkschrift für eine Disziplin, die ihre große Zeit vor sich hat, aber künftig ohne die bisherigen Akteure auskommen wird. Erschienen ist der Beitrag in „Öffnungszeiten. Papiere zur Designwissenschaft“, 30/2016.

Öffnungszeiten 30-2016: Mit Beiträgen von Holger van den Boom, Jacob Jacobs, Niethard Janken, Felix Kaiser, Petra Kern, Ulrich Kern, Peter Kolbe, Claudia Prokop, Mario Prokop, Felicia Romero-Tejedor und Klaus Schwarzfischer. Hg. Präsidentin der FH Lübeck.

Öffnungszeiten 30-2016: Mit Beiträgen von Holger van den Boom, Jacob Jacobs, Niethard Janken, Felix Kaiser, Petra Kern, Ulrich Kern, Peter Kolbe, Claudia Prokop, Mario Prokop, Felicia Romero-Tejedor und Klaus Schwarzfischer. Hg. Präsidentin der FH Lübeck.

Design ohne Designer und Designerinnen? Geht das überhaupt? Warum denn eigentlich nicht? Demnächst fahren unsere Autos doch auch ohne Fahrer. Broker im Finanzsektor werden durch intelligente Algorithmen abgelöst. Und wer weiß denn schon wirklich, was Autodesk & Co. in ihren Software-Laboren entwickeln?! Was auf der einen Seite als Folge der Digitalisierung für die Gestaltung gesehen werden kann, stellt sich auf der anderen Seite als ein sich völlig veränderndes Verständnis von Design dar. Sehr deutlich wird dies, wenn man bei den Jobbörsen wie Stepstone oder Monster den Begriff „Design“ als Stichwort eingibt. Unglaublich viele dieser Job-Angebote wenden sich an Mitarbeiter mit technisch-planerischen Kompetenzen in den unterschiedlichsten Branchen, die höchstens ganz am Rande mit Aufgaben einer künstlerisch-ästhetischen Gestaltung zu tun haben. Dieser „Zangengriff“ zwischen den realwirtschaftlichen Phänomenen stellt die Designwissenschaften vor eine Herausforderung: Den Prozess des Entwerfens und das Phänomen Design in Zukunft neu zu bewerten.

Der Wissenschaftskreislauf im Design – Probates Mittel zur Neu-Orientierung der Curricula im Design und zur Orientierung in den Designwissenschaften.

Der Wissenschaftskreislauf im Design – Probates Mittel zur Neu-Orientierung der Curricula im Design und zur Orientierung in den Designwissenschaften.

Wissenschaftskreislauf und seine un/ordentlichen Entwicklungstreiber
In dem Artikel „Die Zukunft ist nicht von gestern … aber vielleicht eines Tages die Designer/innen?“ stellen wir die professionelle Perspektive zur Diskussion. Es werden Asymmetrien deutlich, so etwa als Verlust der Deutungshoheit, wenn ein betriebswirtschaftliches Institut die Kongruenz zwischen Produktdesign und dem Selbstkonzept der Konsumenten erforscht – ohne die entsprechenden Arbeiten im Design selbst zur Kenntnis zu nehmen. Ebenso zeigt sich ein Mangel an Gestaltungswillen, wenn ein Konzept wie Design Thinking von Unternehmensberatern professionalisiert und in seiner disziplinären Heimat dagegen marginalisiert wird. Dabei könnte doch heute das Genuine des Designs – statt endgültig in der Bedeutungslosigkeit zu verschwinden – , gerade in voller Wirksamkeit sichtbar werden. Hierfür müsste allerdings die Aufgabe der Designlehre in den Hochschulen stärker als bewusste Mitgestaltung an der Transformation des Designs in die Zukunft verstanden werden. Ein konkreter Rückbezug ergibt sich zu der Entwicklung der Curricula von Designstudiengängen. Ein Denkwerkzeug hierfür bietet der Wissenschaftskreislauf (Maser, 1995) und eine Auseinandersetzung mit seinen „un/ordentlichen Entwicklungstreibern“ (Kern, 2011). Daraus ließen sich Ansätze für ein singuläres Profil und ein vernehmbares Credo gegenüber anderen Wissenschaften gewinnen. Untermauert wird diese These im Beitrag der Autoren mit Beispielen für jedes „Viertel-Segment“ im Wissenschaftskreislauf aus der eigenen Lehre mit Design-Studierenden.

Schlusspunkt der Debatte – oder gerade erst der Auftakt?
Erschienen ist der Beitrag von Petra Kern und Ulrich Kern in „Öffnungszeiten – Papiere zur Designwissenschaft 30/2016“, herausgegeben von der Präsidentin der Fachhochschule Lübeck. Die Zeitschrift stand stets unter wechselnden Schwerpunkthemen, diesmal lautete es „Design ist die Zukunft – aber auch der Designer?“. Für das Konzept zeichnet das Redaktionsmitglied Prof. Dr. Felicidad Romero-Tejedor seit 1996 verantwortlich. Erschienen sind in diesen 20 Jahren 30 Ausgaben, die den designwissenschaftlichen Diskurs in Lehre und Forschung belebt und vorangebracht haben. Offenbar Grund genug für die Protagonisten zu sagen: „Die Arbeit von Öffnungszeiten ist getan.“ Damit liegt jetzt die letzte Ausgabe der „Papiere zur Designwissenschaft“ vor. Eine letzte Ausgabe, die offenbar mit einer wohl überlegten Provokation endet, indem ein Fragezeichen hinter die künftige Notwendigkeit der Designer/innen gesetzt wird.

Design-Kompetenzen sind zu profilieren und „programmatisieren“
Gerade diese Trennung zwischen Design als Phänomen und Design als Profession stellt möglicherweise eine (historische?) Gabelung dar – und eröffnet den Designwissenschaftlern an den Hochschulen ein weites Arbeitsgebiet. Und zwar dergestalt, dass einerseits die Alleinstellung der professionellen Kompetenz zu profilieren und andererseits die kompetitive Qualität in der Zusammenarbeit mit anderen Disziplinen programmatisch zu erarbeiten ist. Der Radius der Design/er-Kompetenzen muss curricular viel weiter gezogen werden. Vom gestalterischen Entwurf zum (Mit-)Entwerfen einer transformierenden Gesellschaft, deren Postulate in Zukunft möglicherweise Effectuation und Experimente heißen. Ihr Editorial beschließt Felicidad Romero-Tejedor mit dem Eindruck „es sei alles gesagt worden.“ Dann könnten doch jetzt die Taten folgen: Das Design ist tot, es lebe das Design?! Und Handeln fängt bekanntlich mit Denken an, was durchaus nicht komfortabel, aber notwendig ist. Der Designklassiker „Thinking Man’s Chair“, entworfen von Jasper Morrison, hat andere Qualitäten als bequem zu sein.

Dank an dieser Stelle der Kollegin Felicidad Romero-Tejedor für Ihre Arbeit an den „Öffnungszeiten“. Wir, Petra und Ulrich Kern fühlen uns geehrt, in der letzten Ausgabe mit einem Beitrag vertreten zu sein.

Link PDF-View und Printbestellung „Öffnungszeiten 30/2016“ kassel university press

Link Designlabor der FH Lübeck