Designmanagement – die Arbeit mit der Zukunft

 

Die Arbeit mit der Zukunft - Designmanagement wird sowohl für Unternehmen als auch für die ökonomische Situation der Designer/innen selbst immer mehr zum eigentlichen Werttreiber.

Die Arbeit mit der Zukunft – Designmanagement wird sowohl für Unternehmen als auch für die ökonomische Situation der Designer/innen selbst immer mehr zum eigentlichen Werttreiber.

Vortrag: Design, Arbeit und Zukunft – nur drei Stichworte, aber sie stehen für einen ganzen Kosmos von brandaktuellen Herausforderungen. Was es bedeutet, wenn neue Berufsprofile rund ums Design entstehen, referierte Prof. Dr. Ulrich Kern vor über 100 Studierenden des Fachbereichs Gestaltung an der FH Aachen. Auf Einladung seines Fachkollegen Prof. Clemens Stübner berichtete er als Referent der Ringvorlesung im Sommersemester 2017 aus der Sicht des Designmanagements.
Was unsere Wirtschaft derzeit durchlebt, wird auch als „Vierte industrielle Revolution“ oder die „Zweite Phase der Digitalisierung“ bezeichnet. Noch sind nicht alle Auswirkungen dieser Entwicklung bekannt, ebenso wenig die Konsequenzen für die Gesellschaft. Einig sind sich aber alle Experten, dass ein dramatischer Wandel in der Arbeitswelt zu erwarten ist. Ganze Berufsgruppen werden verschwinden, neue Berufsprofile werden entstehen. Für angehende Designer/innen sind es bitter-süße Nachrichten: Es wird eigentlich mehr Jobs geben, aber verbunden mit erweiterten Kompetenzprofilen und geänderten „Etiketten“.

Universum Design – viele neue Jobs in der Arbeitswelt
Auf der Jobbörse indeed.de finden sich täglich Stellenangebote für Designer/innen in hoher vierstelliger Zahl. Das Stichwort Design hat dort sogar rund 40.000 Einträge. Das ist Beleg eines inzwischen umfassenden Designverständnisses. Die Zahlen zeigen, wie sehr sich die unternehmerischen Leistungsbereiche ausdifferenziert und z.B. mit Design vernetzt haben. Design ist neben der künstlerischen inzwischen eine intellektuelle Kreativleistung mit hoher Akzeptanz. So werden beispielsweise Fachleute für Design Thinking gesucht. Teamfähigkeit und flexible Mitwirkung in agilen Projektmanagementstrukturen werden erwartet. Es wird explizit nach Methodenkenntnissen und Problemlösungskompetenzen gefragt, wie sie für gestalterische Kompetenzprofile typisch sind. Die immaterielle Leistung von Design erfährt eine immer höhere Nachfrage und Wertschätzung.
Was bedeutet das für junge Designer/innen? Sie sollten genau hinschauen. Es zählt nicht unbedingt das „Etikett“ für einen Job. Es gibt immer mehr Angebote, die nicht dem Rubrum Design, sondern den unterschiedlichsten Aufgabenfeldern zugeordnet sind. Daher müssen sie lernen, ihre Kompetenzen zu beschreiben und nachvollziehbar zu kommunizieren. Die manuellen Visualisierungsfertigkeiten werden weniger wichtig, während die Verbalisierungsfähigkeiten an Bedeutung gewinnen. Und natürlich sind Kompetenzen und Lernbereitschaft für IT wesentlich …

Designmanager/innen - eine Unterscheidung in Profession und in Phänomen scheint wichtig in Anbetracht der inzwischen sehr spezifizierten Designdisziplinen und der unterschiedlichen Berufskompetenzen.

Designmanager/innen – eine Unterscheidung in Profession und in Phänomen scheint wichtig in Anbetracht der inzwischen sehr spezifizierten Designdisziplinen und der unterschiedlichen Berufskompetenzen.

Profession Design – ein Take-Over durch andere Disziplinen?
Eine Durchsicht aktueller Stellenangebote lässt weiterhin eine bedrohliche Tendenz erkennen: Die Zahl der Jobs, bei denen Nicht-Designer für Designaufgaben gesucht werden, steigt. Für die Vertreter der Design-Profession ist das als Warnsignal zu werten. Sie müssen ihre Anstrengungen verstärken, um „Herr/in“ im eigenen Haus zu bleiben. Es ist zwar zu begrüßen, dass andere Disziplinen die Wirkungsmacht des Designs entdecken. Es ist aber fatal, wenn die Deutungsmacht über Design aus der Hand gegeben und von anderen Fachdisziplinen übernommen wird.
Verantwortlich für das „Wildern“ anderer Disziplinen im „Vorgarten“ der Profession Designer/in ist die Entwicklung, dass inzwischen viele Produkte aus einer komplexen Verbindung von materiellen und immateriellen Leistungen bestehen. So basiert das „Internet der Dinge“ gerade auf Software, die die Hardware der Produkte optimiert oder sogar erst nutzbar macht. Die beliebten Fitness-Tracker sind nur ein Beispiel. Und hier scheint man den Designer/innen offenbar immer weniger an Professionalität zuzutrauen…
Wie wäre ein Gegentrend möglich? Designmanagement als Brücke zwischen der wissensbasierten Imaginationskraft der Designer/innen und der anwendungsorientierten Innovationsfähigkeit des Designs könnte die Deutungsmacht wieder in die eigene Profession integrieren.

Designmanagement - am deutlichsten werden die Herausforderungen durch die neue Arbeitswelt fürs Design, wenn man sich die schöpfungsrelevanten Designprozesse genauer anschaut: die Spanne reicht vom klassischen Gestaltungsprozess hin zum Re-Integrationsprozess der Wertstoffe unserer Artefakte.

Designmanagement – am deutlichsten werden die Herausforderungen durch die neue Arbeitswelt fürs Design, wenn man sich die schöpfungsrelevanten Designprozesse genauer anschaut: die Spanne reicht vom klassischen Gestaltungsprozess hin zum Re-Integrationsprozess der Wertstoffe unserer Artefakte.

Designmanagement – vom Produkt zum Prozess
Die wachsende Bedeutung der Prozessgestaltung für angehende Designer/innen lässt sich als veränderte Anforderungen an die Hochschulangebote im Design verstehen. Aus der Sicht des Designmanagements erweitern sich die curricularen Angebote. Ausschlaggebend hierfür ist die Erkenntnis, dass der materielle Gestaltungsprozess zwar wesentlicher Teil im Curriculum ist – aber nicht mehr in Alleinstellung. Gleichberechtigt tritt der Ideenprozess hinzu: Kreativität als sozialen Prozess in einer Organisation zu steuern und dabei als „forschender Ideengenerator“ zu fungieren, ist eine neue wesentliche Qualität der Berufsbefähigung. Als weiteres Element im Curriculum ist der Herstellprozess zu nennen. Es ist zwar nicht neu, dass sich sowohl Kommunikations- als auch Produktdesigner/innen mit eigenen Entwürfen direkt nach dem Studium als Produzenten selbstständig machen. Für diesen Weg brauchen sie aber mehr denn je fundierte Kenntnisse und Know-how. Der Vermarktungsprozess ist ein weiteres wesentliches curriculares Gebiet, zu dem zum Beispiel Branding und Online-Marketing gehören. Genauso ist der Rezeptionsprozess von Relevanz für junge Gestalter/innen, ob beim Stichwort User Experience oder der Gestaltung von Lebenswelten. Generell gilt für die Kreativen, die sich in ihrem Beruf mit Artefakten beschäftigen, die wachsende Bedeutung der Re-Integrationsprozesse der eingesetzten Wertstoffe.

"Designmanagement - Die Arbeit an der Zukunft" Vortrag im FB Gestaltung der FH Aachen am 12-4-2017.

Prof. Dr. Ulrich Kern: „Designmanagement – Die Arbeit mit der Zukunft“
Vortrag im FB Gestaltung der FH Aachen am 12-4-2017.

Design-Studierende – Think big, think forward!
Mit seinem Vortrag „Designmanagement – Die Arbeit mit der Zukunft“ richtete der Referent, den Fokus auf die Frage, wie angehende Designer/innen nicht nur notwendige Beiträge zur Zukunft der Gesellschaft leisten, sondern auch ihre eigene Zukunft auf Basis von Designmanagement sichern können. Die lebhaften Nachfragen aus dem Auditorium zeigten, dass das Thema einen wichtigen Nerv der angehenden Gestalter/innen trifft. Denn eine integrierte Nutzenqualität durch Designmanagement berücksichtigt nicht nur die kreative Wertsetzung durch Design z.B. für Kunden, die gesellschaftliche Wertschätzung von gestalterischer Innovation z.B. durch Unternehmen, sondern vor allem auch die ökonomische Wertschöpfung der Designer/innen selbst – Stichwort Einkommen bzw. Honorare. Ulrich Kern schloss daher seinen Vortrag mit dem motivierenden Statement „Zukunft wird das, woran wir in der Gegenwart arbeiten. Arbeit ist Kreativität x Management. Think big, think forward!“

Download Vortragsskript „Designmanagement – die Arbeit mit der Zukunft“ _ Ulrich Kern

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