Management – die Zeichen ihrer Zukunft

 

Die Manager/innen der Zukunft - Mit der Methode des forschenden Lernens erarbeiten sie sich schon im Studium Zukunftskompetenz und Komplexitätswissen – vor allem aber nutzen sie die Chance zur individuellen Entdeckung ihrer persönlichen Kompetenzen

Die Manager/innen der Zukunft – Mit der Methode des forschenden Lernens erarbeiten sie sich schon im Studium Zukunftskompetenz und Komplexitätswissen – vor allem aber nutzen sie die Chance zur individuellen Entdeckung ihrer persönlichen Kompetenzen

Forschendes Lehren und Lernen: Von den Potenzialen dieser hochschuldidaktischen Methode ist inzwischen viel die Rede. Auch auf dieser Website haben wir die Argumente vorgestellt, die für das forschende Lernen sprechen. Doch genug der Theorie. Wenden wir uns dem Einsatz in der Lehre zu: Wie lässt sich das forschende Lernen konkret in Gang setzen? Wie entsteht ein gemeinsames Basiswissen als Startpunkt? Und wie sieht eine Aufgabenstellung aus, die das studentische Forschen initialisiert? Der folgende Beitrag befasst sich mit der Einstiegsphase am Beispiel des Moduls „Management“ bei Prof. Dr. Ulrich Kern im Rahmen des Bachelor-Sg Design- und Projektmanagement (dpm) an der FH Südwestfalen.
Wenn die dpm-Studierenden das Modul Management belegen, haben sie bereits fünf Semester des interdisziplinären Studiums hinter sich. Die Grundlagen aus Gestaltung, Wirtschaft und Technik sind gelegt. So allmählich wird die Frage drängender, wohin der berufliche Weg nach dem Bachelorabschluss führen soll. Das Modul Management bietet eine gute Chance, die Studierenden auf einen „Erkundungstrip“ zu schicken – und zwar durchaus auf unerforschtes Gelände.

Erkundungstrip in die Zukunft des Managements
Thematisch geht es um die Entwicklungspotenziale der Digitalisierung im Management. Diese sollen im Rahmen der Übung, die begleitend zur Management-Vorlesung stattfindet, von den Studierenden selbst erforscht werden. Ein Projekt wird dafür angesetzt. Denn die klassische Seminarform – das Vorstellen und Erörtern relevanter Fachliteratur – aktiviert die studentischen Potenziale nur unzureichend. Ein Projekt dagegen fordert das eigenständige Mitdenken und Mitarbeiten aller ein und ist zudem Spiegel der Praxis. Die zunehmende Projektwirtschaft wird heute nicht mehr infrage gestellt. Immer häufiger nutzen Unternehmen die Organisationsform der Projekte, um temporäre Aufgaben in einer Zusammenarbeit auf Zeit und fast immer in interdisziplinärer Konstellation bearbeiten zu lassen. Und auch das will gelernt sein! Wo – wenn nicht im geschützten Raum einer Übung an der Hochschule – können Studierende ihre Teamfähigkeit und Projektkompetenz erproben?

Projekt: „Management als Führungsaufgabe im digitalen Wandel“
Fiktiv wird eine typische unternehmerische Arbeitssituation angenommen. Die studentischen Teams sind Arbeitsgruppen in einem Großunternehmen. Sie haben den Auftrag zu erkunden, welcher Wandel sich aufgrund der dynamischen Digitalisierung in den verschiedenen Unternehmensfunktionen vollzieht. Insbesondere die Folgen für die Prozesse, Strukturen, Teamarbeit, Durchlaufzeiten etc. sollen im Fokus stehen. Im Ergebnis sind Lösungsansätze zu präsentieren, mit welchen Strategien und Kompetenzen das Management den Wandel produktiv integrieren kann. Projekttitel: „Management als Führungsaufgabe im digitalen Wandel – Die Wirkung von Kreativität, Innovation und Kommunikation für die Unternehmensentwicklung“. Jedem studentischen Team steht es frei, sich für einen der unternehmerischen Funktionsbereiche (z.B. Marketing, Produktion, Personal etc.) zu entscheiden.

Briefing einer Projektübung - Die Briefings für die Übungen in den Modulen sind in der Regel umfangreich und haben eine gleichbleibende Inhaltsstruktur. So wird jede dieser Übungen in ihrer curricularen Einordnung beschrieben. Dadurch erkennen die Studierenden den Nutzen für ihre Berufsbefähigung.

Briefing einer Projektübung – Die Briefings für die Übungen in den Modulen sind in der Regel umfangreich und haben eine gleichbleibende Inhaltsstruktur. So wird jede dieser Übungen in ihrer curricularen Einordnung beschrieben. Dadurch erkennen die Studierenden den Nutzen für ihre Berufsbefähigung.

Ein „Briefing“ als Vorbereitung der intellektuellen „Forschungsreise“
Mit einem Briefing bereitet der fiktive Projektleiter (d.h. der Hochschullehrer) den studentischen Erkundungstrip vor. Nicht zufällig ist anstelle von „Einführungsskript“ oder „Aufgabenbeschreibung“ der Begriff des Briefings gewählt. Denn auch hier geht es um eine Aktivierung der Studierenden, das Projekt ganz zu ihrer Sache zu machen. Der Begriff des Briefings stammt aus der kreativen Praxis, z.B. von Design- und Werbeagenturen. Die Funktion eines Briefings ist es, die Dimensionen einer weitgehend offenen, oft auch komplexen Aufgabe zu skizzieren und sich zu vergewissern, dass der Bearbeiter mit demselben Grundverständnis der Aufgabe startet. Wie gearbeitet wird, mit welchen Methoden und Tools und was als Ergebnis hinterher vorliegt, bleibt offen und hängt von der Problemlösungskompetenz und der kreativen Dynamik im Team ab. Die Vorgaben sind einzig formaler Art, vor allem die Laufzeit des Projekts (in dem Fall die Dauer des Semesters), der Endtermin (hier die Abschlusspräsentation aller Teams) und die Termine der Zwischenpräsentationen (hier 14tägig im Plenum). Ansonsten legt jedes studentische Team die Route seiner „Expedition“ selbst fest, bestimmt das Erkenntnisziel und die Vorgehensweise. Aus dem Englischen wird Briefing übrigens auch als Lage- oder Einsatzbesprechung übersetzt. Das passt tatsächlich ins Bild.

Achtung – Topografie eines unbekannten Denkraums!
Ziel eines Briefings ist es über die Aufgabenbeschreibung hinaus, auf die besondere „Topografie“ eines unbekannten Geländes aufmerksam zu machen. So wird mit dem Briefing das Bewusstsein der Projektteilnehmer/innen für dynamische Entwicklungsprozesse des Managements konditioniert. Natürlich sind die stabilisierenden Faktoren im Unternehmen – wie Finanzen, Recht und Technik – grundlegend, aber die Zukunft des Managements liegt woanders: in der Dynamisierung über Kreativität, Innovation und Kommunikation. Das ist für angehende Design- und Projektmanager/innen von besonderer Relevanz. Denn sie haben es künftig mit der „schöpferischen“ Seite der Wirtschaft zu tun. Dass es hier nicht um „Sprechblasen“ geht, sondern um Entwicklungen mit inhaltlicher Substanz, belegt das Briefing mit aktuellen Beispielen: Die altehrwürdige Robert Bosch GmbH richtet sich nach Digitalisierungstrends neu aus. Und: Die Personalberatung Russel Reynolds hat einen „Digital-Quotienten“ erarbeitet. Weiterhin: Jared Cohen, der Chef von Google Ideas, beschreibt den Wettlauf der Konzerne um Start-ups und disruptive Innovationen. Zeichen für die zukünftige Bedeutung des Themas!

Forschendes lernen und Lehren - Im Modul wird ein Managementverständnis vermittelt, welches sich als Führungsaufgabe versteht, die gleichermaßen für die Stabilisierung des Unternehmen als auch für seine Dynamisierung verantwortlich zeichnet. Da aber der Fokus der Lehre auf der „schöpferischen“ Seite der Wirtschaft steht, spielen die Trends neuer Technologien in einer Unternehmensentwicklung auch immer die Hauptrolle.

Forschendes Lernen und Lehren – Im Modul wird ein Managementverständnis vermittelt, welches sich als Führungsaufgabe versteht, die gleichermaßen für die Stabilisierung des Unternehmen als auch für seine Dynamisierung verantwortlich zeichnet. Da aber der Fokus der Lehre auf der „schöpferischen“ Seite der Wirtschaft steht, spielen die Trends neuer Technologien in einer Unternehmensentwicklung auch immer die Hauptrolle.

Die Entdeckung der persönlichen Kompetenzen
Kaum ein Aufgabenbereich erfindet sich gegenwärtig derart schnell neu wie das Management. Die Digitalisierung als Megatrend kümmert sich wenig um tradiertes Lehrbuchwissen und schreibt Managementregeln in vielen Bereichen einfach um. So heißt es zum Beispiel im Handelsblatt vom 12. Mai 2017: „Die Führungspyramide in Unternehmen wackelt. Denn in der digitalen Wirtschaft ist die Selbstorganisation vernetzter Mitarbeiter gefragt. Autohersteller, Banken und Stahlproduzenten experimentieren mit neuen Teamformen wie Squads und Tribes und testen die Schwarmintelligenz.“ Was heißt das für die Managementlehre? Ist es etwa zu früh, heute schon Studierende mit der sich rasant ändernden Berufswelt vertraut zu machen? Wohl kaum. Zwar ist es noch eine Terra incognita, zu der die Studierenden aufbrechen. Aber bald schon wird hohe Entwicklungsdynamik ihren beruflichen Alltag prägen. Mit der Methode des forschenden Lernens erarbeiten sie sich schon im Studium Zukunftskompetenz und Komplexitätswissen – vor allem aber nutzen sie die Chance zur individuellen Entdeckung ihrer persönlichen Kompetenzen. Gerade in den neuen, interdisziplinären „Bindestrich-Studiengängen“, die Studierende mit sehr heterogenen Erwartungen und Talenten ansprechen, ist das forschende Lehren und Lernen ein höchst vielversprechender didaktischer Ansatz für die Zukunft der Lehre.

Download Briefing „Management als Führungsaufgabe im digitalen Wandel – Die Wirkung von Kreativität, Innovation und Kommunikation für die Unternehmensentwicklung“ _ SoSe 2017 _ Ulrich Kern

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