Produktdesign – Reformierung statt Konservierung

 

Berufsbefähigung Designer/innen - Wenn ein Absolvent mit zwei akademischen Graden einen Einstiegsjob findet, mit dem er 300 Euro Verdient, dann ist es Zeit das Stichwort der "Employability" zu diskutieren ...

Berufsbefähigung Designer/innen – Spätestens wenn ein Absolvent mit zwei akademischen Graden nur einen 300-Euro-Einstiegsjob findet, ist es Zeit das Stichwort der „Employability“ zu diskutieren …

Studiengangsentwicklung: Kann es einen kalt lassen, wenn ein Absolvent mit zwei akademischen Abschlüssen in seinem ersten Job auf ein „Gehalt“ von 300 Euro kommt? Wohl kaum. Aber was ist da schief gelaufen? In der Rubrik „Das anonyme Gehaltsprotokoll“ greift Zeit Campus vom 14.6.2017 das Beispiel eines jungen Produktdesigners auf. Über individuelle Gründe für die prekäre Situation des jungen Akademikers kann man spekulieren, aber die Zahlen der Kreativwirtschaft lassen kein Einzelschicksal vermuten. Kann es sein, dass gerade in den kreativen Studiengängen, zu denen auch Produktdesign zu zählen ist, ein überholtes Berufsbild konserviert wird? Und wie könnte dann eine Reformierung aussehen? Wir als Autoren (Petra Kern, Ulrich Kern) möchten uns keine Antwort für den Einzelfall anmaßen. Aber wir sind überzeugt, dass auch die Curricula von Studiengängen im Design einer regelmäßigen Reformierung bedürfen. Wir haben selbst in unterschiedlichen Fachkulturen und Organisationsformen, sowohl in der Wissenschaft als auch in der Wirtschaft gearbeitet. Eines erscheint uns sicher: Die heutigen Anforderungen an Kompetenzprofile haben nicht mehr viel mit denen früherer Zeiten zu tun. Warum sollte das im Produktdesign anders sein?

Kreative Berufung + Berufsbefähigung = Karriere?
Gerade in den kreativen Studiengängen gibt es viele Bewerber/innen, die sich mit dem diffusen Gefühl einer kreativen Berufung für einen Berufsweg entscheiden. Die Vielfalt der Facetten von Kreativität ist ihnen häufig nicht klar. Woher auch? Dass sich Kreativität nicht nur mit Stift und Papier verwirklicht, sondern gerade auch zunehmend als intellektuelle Kombinationsfähigkeit in komplementär besetzten Teams, mag nicht der tradierten Vorstellung entsprechen – aber vermutlich den Anforderungen vieler Human-Resource-Manager/innen auf der Suche nach kreativen Professionals. Konkret gefragt: Wie könnten Studiengänge im Produktdesign aussehen, die eine Vielzahl von Berufsperspektiven ermöglichen?

Produktdesign -Ein Relaunch des Curriculums hätte eine multiperspektivische Berufsbefähigung von Produktdesigner/innen zur Folge, die eben nicht mehr den ausschließlichen Fokus auf den Entwurf von Hardware lenkt, sondern den Kompetenzen der Absolventen breitere Berufsbilder eröffnet.

Produktdesign -Ein Relaunch des Curriculums hätte eine multiperspektivische Berufsbefähigung von Produktdesigner/innen zur Folge, die eben nicht mehr den ausschließlichen Fokus auf den Entwurf von Hardware lenkt, sondern den Kompetenzen der Absolventen breitere Berufsbilder eröffnet.

Produktdesign mit multiperspektivischer Berufsbefähigung
Denkbar wäre eine Trias der Lehrinhalte zu Produkt, Design und Management rund um einen mono-, inter- und transdisziplinären Methoden-Kern. Ausgehend von den professionellen Profilierungen des Lehrpersonals werden in den drei (thematischen) Units differenzierte Schwerpunkte gesetzt. So könnte beim Produktdesign der Fokus auf der Antizipation neuer Technologien liegen, um daraus Trendszenarien und Zukunftsstudien zu entwickeln. Das Designmanagement könnte einen Schwerpunkt bei den wirtschaftlichen Kompetenzen und bei Start-up-Konzepten setzen. Das Produktmanagement könnte sich auf Innovationsprozesse fokussieren und sich so mit den anderen beiden Units vernetzen. Im Zentrum aller drei Units steht die methodische Kompetenz der Studierenden, Probleme zu analysieren, in einen relevanten Zusammenhang einzuordnen und Lösungswege zu entwerfen. Diese Methodenkompetenz könnte die Synergien zwischen den drei Units begründen und dynamisch verstärken. Wenn Kreativitätstechniken, wie zum Beispiel Design Thinking vermittelt werden, sind die Wirkungen übergreifend spürbar. Wenn bei den Planungsinstrumenten Scrum und Kanban gelehrt werden, bewegen sich die Studierenden mit ihrer Kompetenzentwicklung schon in einem professionellen Projektmanagement. Wenn bei den Managementmethoden Business Modell Canvas auf dem Programm steht, wird der Weg in die Selbstständigkeit von Studierenden abgefedert. Und wenn Referenzmodelle wie Bionik oder ein Sustainable Design bei den Gestaltungsstrategien eine Rolle spielen, dann sind Entwurfsprozesse auch in ihrer Argumentation und Wirksamkeit substantiiert.

Von dem konkreten Entwurf zur kreativen Problemlösung
Eine Weiterentwicklung der Studiengänge im Produktdesign in eine solche Richtung könnte eine multiperspektivische Berufsbefähigung der Absolvent/innen bewirken. Im kreativen Fokus stünde nicht mehr der materielle Entwurf, sondern die abstrakte Problemlösung. Damit wäre ein Zugang zu ganz unterschiedlichen Berufsbildern prinzipiell möglich. Warum sollte das Design nicht gezielt und mit materieller Anerkennung in andere Leistungsbereiche der Wirtschaft diffundieren? Wäre doch wünschenswert, statt als professionelle/r Designer/in am Ende der operativen Leistungskette zu stehen. Vielleicht hätte so der Produktdesigner seinem prekären Schicksal einer minimierten Entlohnung entgehen können?

 Link ZEIT Campus „Abschluss Master, Einstiegsgehalt 300 Euro“ _ Franca Forth 14. Juni 2017

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