Studienprojekte – Kompetenz der Verantwortung lernen

 

Nachhaltiges Design - das ist nicht eine Frage der Technik, es ist eine Frage des Denkens und des Bewusstseins. Und Antworten wollen gesucht und gefunden werden ...

Nachhaltiges Design – das ist nicht eine Frage der Technik, es ist eine Frage des Denkens und des Bewusstseins. Und Antworten wollen gesucht und gefunden werden …

Forschendes Lehren und Lernen: Erkenntnisse der Vergangenheit führen zum Wissen für die Zukunft: So könnte man das Prinzip der Forschung formulieren und genauso des Forschenden Lernens. Ein Prinzip, das im Design auf besonders fruchtbaren Boden fällt. Überwindet doch hier das Forschende Lernen eine oft anzutreffende Dualität – hier das Theoriewissen und dort das Projektstudium. Stattdessen steht das Forschende Lernen für beides: für fundierte Theorie als Ausgangspunkt und für komplexe Projekte mit Forschungsergebnissen als Schlusspunkt. Wie beides zusammengehört, zeigen Projekte zum Thema Nachhaltigkeit aus der Lehre bei Prof. Dr. Ulrich Kern, für den Wissen ein unendlich nachwachsender Rohstoff darstellt. Und dieser wird den Studierenden heute für die Lösung der Probleme von Morgen vermittelt.

Forschendes Lehren und Lernen - für das Curriculum kreativer Studiengänge liegt eine Struktur zu Grunde, die zum Ziel hat, verantwortungsvolle Designer/innen und Manager/innen in den Beruf zu entlassen.

Forschendes Lehren und Lernen – dem Curriculum kreativer Studiengänge liegt eine Struktur zu Grunde, die zum Ziel hat, verantwortungsvolle Designer/innen und Manager/innen in den Beruf zu entlassen.

Kann man Verantwortung lehren und lernen?
Kreative Studiengänge in den HAWK  zentrieren ihr Bemühen um die Kreativität, die (noch!) nur von Menschen zu leisten und die Ergebnisse aus diesem schöpferischen Potenzial. Am deutlichsten zeigt sich dies an einem Curriculum. Die Studierenden lernen zu in unscharfen Problemstellungen zu recherchieren und bilden so ihre Fähigkeit der kritischen Reflexion heraus. Eine Voraussetzung, die das experimentieren mit optionalen Konfigurationen erst ermöglicht, die kreative Konzeptionen zur Folge haben. Diese werden beobachtet, beschrieben und bewertet. So entstehen Szenarien mit plausiblen Zukunftslösungen, die in konstruktiven Handlungen ungesetzt werden. Das Forschende Lehren und Lernen ist hier der Humus für nachhaltige Designkonzepte (Sustainable Design), die von den Studierenden verantwortlich entwickelt und entscheiden werden. Im Folgenden verschiedene Beispiele zur Illustration dieses Ansatzes.

Forschendes Lernen und Design Thinking - Studierende wollen die Herausforderung, an Problemen zu lernen, die die Zukunft dieser Welt positiv beeinflussen können.

Forschendes Lernen und Design Thinking – Studierende wollen die Herausforderung, an Problemen zu lernen, die die Zukunft dieser Welt positiv beeinflussen können.

Wie sieht das Leben nach dem Erdöl aus?
Das „Leben nach dem Erdöl“ lautete das Oberthema eines Master-Seminars in der Fakultät Gestaltung der HAWK Hildesheim, in dem Studierende Problemlösungsszenarien mit dem Ziel der Nachhaltigkeit entwerfen sollten. Eine thematische Einführung und ein Denkmodell nach der Innovationstechnik des Design Thinking halfen dabei, den Problemlösungsprozess zu strukturieren. Ansonsten organisierten die Studierenden eigenständig die Phasen des Forschungszyklus – von der Definition der Aufgabe bis zur Evaluierung des Ergebnisses und der Rückkoppelung zum Ausgangspunkt. Drei Teams (mit eigener Namensgebung!) bearbeiteten die Aufgabe und kamen zu drei viel versprechenden Konzeptansätzen: Open Thinking vom TEAM4Green (Sabrina Federschmid, Jutta Werner, Leander Brasch), ContainAir vom Team EVÖLUTION (Livia Baum, Maja Hopf, Olga Lukina, Thomas Granseuer) und die Idee GECO von NOIL (Alena Fock, Jie Tang, Steffen Beisner, Christopher Sander). Die Arbeiten wurden auf der Website der Fakultät veröffentlicht.

Verantwortung kreativ interpretiert - Für ihr Konzept erhielten die dpm-Studierenden einen Scheck in Höhe von 1.000 Euro im Wettbewerb "Living in the Future". Betreut wurde die Arbeit von Prof. Dr. Ulrich Kern.

Verantwortung kreativ interpretiert – Für ihr Konzept erhielten die dpm-Studierenden einen Scheck in Höhe von 1.000 Euro im Wettbewerb „Living in the Future“. Betreut wurde die Arbeit von Prof. Dr. Ulrich Kern.

Geht es auch ohne fossile Energieträger?
Um Nachhaltigkeit ging es auch an der FH Südwestfalen im Studiengang Design- und Projektmanagement (dpm) beim Bachelor-Seminar „Gestaltungsprojekt“. Wieder von dem Prozessschema des Design Thinking inspiriert, entwickelten die Studierenden selbstständig Konzeptansätze für nachhaltige Gebäudetechnik der Zukunft. Sie griffen dabei langfristige Trends auf und integrierten innovative, nutzerorientierte Aspekte. Ein studentisches Team (Jonas Schulze_Frenking, Carina Thöne, Matthäus Paracz, Ann-Kathrin Wulf) gewann mit dem Ansatz „E-Ground: Strom aus menschlicher Energie“ den dritten Preis des Wettbewerbs „Living in the Future“ der Initiative Gebäudetechnik Südwestfalen. Dies zeigte die Relevanz der studentischen Erkenntnisse für den Verband als Fachöffentlichkeit.

Beispiel des „Fairphones“ zeigt Potenzial für Nachhaltigkeitsrealisierung auf, das Produktgestaltung und Innovationsmanagement inhärent ist

Das Beispiel des „Fairphones“ zeigt Potenzial für Nachhaltigkeitsrealisierung auf –  Produktgestaltung und Innovationsmanagement „sitzen hier in einem Boot“.

Wie werden nachhaltige Produkte entwickelt?
Je vertrauter die Studierenden mit dem Prinzip des Forschenden Lernens sind, umso selbständiger ist der Erkenntnisgewinn. Sie werden schrittweise versiert darin, den wissenschaftlichen Status Quo zu reflektieren, offene Fragen zu definieren und den forschenden Weg mit seinen Teilschritten zu sondieren. Dies zeigten auch zwei studentische Arbeiten, die curricular den Abschluss-Semestern zuzurechnen sind. In ihrem Industrieprojekt widmete sich Leonie Möller (dpm) ebenfalls dem Thema Nachhaltigkeit unter der Überschrift „Nachhaltigkeitsorientiertes Innovationsmanagement in der Produktentwicklung“. Sie zeigte dabei am Beispiel des in den Niederlanden produzierten Fairphones das Potenzial für Nachhaltigkeitsrealisierung auf, das Produktdesign und Innovationsmanagement inhärent ist. Als Ergebnis entwickelte sie eine Checkliste für Unternehmen, welche die relevanten Parameter für eine langfristig erfolgreiche Implementierung umfasst, durch die schrittweise das Cradle-to-Cradle-Prinzip erreicht werden kann.

Wie werden die Mitarbeiter in den Prozess der Nachhaltigkeit integriert?
Mit einer unternehmensinternen Betrachtung dagegen befasste sich der Studierende Tobias Froese in seiner Best Practice-Arbeit „Employees, Sustainability and Motivation“. Darin erarbeitete er ein Prozessmodell, das auf die Beschäftigten fokussiert und welches für Unternehmen als Richtschnur bei der Umsetzung von mehr Nachhaltigkeit, Corporate Social Responsibility und Beteiligung ihrer Mitarbeiter/innen dienen kann.

Wissen als unendlich nachwachsender Rohstoff
Von Albert Einstein ist die Erkenntnis überliefert: „Probleme kann man niemals mit derselben Denkweise lösen, durch die sie entstanden sind.“ Ein nicht unwesentlicher Teil der ökonomischen und ökologischen Probleme unserer aktuellen Gesellschaft werden wir zur Lösung den nachkommenden Generationen überantworten müssen. Und eine Hochschule, so die Auffassung von Ulrich Kern, hat die Verantwortung, neue Denkweisen der Jugend zu vermitteln, damit genau sie diese Probleme eines Tages lösen können. Kanonisiertes Wissen zu reproduzieren ist selbstverständlich und als akademische Basis auch notwendig, reicht allein aber nicht mehr. In Anbetracht der Dynamik in Wirtschaft und Technik heißt die Aufgabe, neue Wissensentwicklungsprozesse zu generieren, um den Rohstoff für eine nachhaltige Entwicklung zu liefern.

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