Digitale Tools 1 – Zur Nachahmung empfohlen

 

Digital Tools in der Lehre - Die Digitalisierung der Arbeitswelt (und der Privatwelt!) kann nicht ohne Einfluss und Veränderungen in der akademischen Lehre von Design- und Projektmanagern sein. Hier ein erster "Werkstattbericht" ...

Digital Tools in der Lehre – Die Digitalisierung der Arbeitswelt (und der Privatwelt!) kann nicht ohne Einfluss und Veränderungen in der akademischen Lehre von Design- und Projektmanagern sein. Hier ein erster „Werkstattbericht“ …

Projektmanagement: Die Digitalisierung als Megatrend ist mehr als ein großes Wort. Dahinter steht die fast unmerkliche Innovierung vieler kleiner, vernetzter Prozesse, die in Summe die Berufswelt neu prägen. Heutige Studierende werden schon bald Teil dieser Berufswelt sein. Das Studium sieht aber häufig noch nicht vor, auf die innovativen Workflows in der Zusammenarbeit von Teams vorzubereiten. Wann aber sollen sich Studierende dieses Wissen aneignen, wenn nicht im Studium?
Zwei wagten den Sprung ins kalte Wasser – und mit ihnen zusammen knapp 130 Studierende des Design- und Projektmanagements im Laufe von mehreren Semestern: Julian Unzner (Wissenschaftlicher Mitarbeiter) und Prof. Dr. Ulrich Kern (Design- und Produktmanagement, FH Südwestfalen) berichten in den folgenden vier Beiträgen über ihre Erfahrungen mit dem Einsatz digitaler Tools in verschiedenen Modulen der Lehre.
Der folgende erste Beitrag berichtet über die Startphase und die Relevanz des Vorhabens, der zweite Beitrag beschreibt die Anwendungsfelder der digitalen Tools vom Verstehen der Werkzeuge bis zur aktiven Steuerung der Informationsflut, der dritte Beitrag widmet sich den Anwendungsfeldern von der Selbstorganisation bis zur Planungstransparenz von Teams in Projekten. Der abschließende vierte Beitrag wertet die Erfahrungen mit dem Einsatz digitaler Tools in der Lehre aus und berücksichtigt dabei den Hintergrund der Hochschulstruktur.

Start als Experiment
Es begann als ein Experiment unter dem Dachkonzept des Forschenden Lernens. Im Rahmen einer Projektaufgabe eines der Module wurde den Studierenden die nötige Hard- und Software zur Verfügung gestellt, um die digitalen Tools mit ihren Potenzialen und Restriktionen für den Workflow in der kreativen Teamarbeit zu erkunden. Die Integration der digitalen Tools in die Managementlehre stand unter dem Zeichen einer kompetenzorientierten Entwicklung der angehenden Designmanager/innen: Es ging nicht nur um ein Kennen oder ein theoretisches Können, sondern um das Beherrschen der digitalen Tools in Anwendung auf eine konkrete Projektaufgabe.

Fit for Future - Die Studierenden trainieren und entwickeln im Projekten ihre Fähigkeiten und Fertigkeiten im Umgang mit den digitalen Tools. Nach der Einführung legten die Studierenden in Designprojekten auch gleich los ...

Fit for Future – Die Studierenden trainieren und entwickeln im Projekten ihre Fähigkeiten und Fertigkeiten im Umgang mit den digitalen Tools. Nach der Einführung legten die Studierenden in Designprojekten auch gleich los …

Vertrauen in das studentische Selbstmanagement
So wurde zum Beispiel im Rahmen der Lehrveranstaltung „Produktgestaltung“ den teilnehmenden Studierenden während der gesamten Semesterdauer ein aktuelles Apple iPad inklusive Stylus zur freien Verfügung gestellt. Auf diese Weise war es den Studierenden möglich, den Tablet-Computer auch außerhalb der Hochschule zu nutzen, um diesen sequenziell in den eigenen (Projekt-)Alltag fest zu integrieren und selbstbestimmt nach individuellen Interessen kontinuierlich zu erforschen. Zu Beginn der Lehrveranstaltung erfolgte mit der Übergabe des Tablet-Computers eine Einführungsveranstaltung. Sie informierte über die grundlegenden organisatorischen Rahmenbedingungen für das Lernprojekt, gab einen kurzen Überblick über die potenziellen Einsatzmöglichkeiten der Tools in der Berufspraxis und ermutigte zu einem lehrerunabhängigen (Kennen-)Lernen der digitalen Tools.

Kreativ-experimentelle und reflektierte Auseinandersetzung mit digitalen Tools als Ziel
Der Appell an das selbstorganisierte Lernen der Studierenden basiert auf dem Konzept des entdeckenden Lernens, das in vieler Hinsicht dem forschenden Lernen nahe steht. Dieses Konzept erwies sich als ein optimales Grundgerüst, um in der Designmanagement-Lehre zur Wissensaneignung für die praktische Nutzung von digitalen Werkzeugen zu motivieren. Durch gezielte Impulse und spezifische Fragestellungen wurden beispielsweise die Studierenden in den Modulen Produktgestaltung und Designmanagement-Projekt in verschiedenen Semestern zu einer selbstständigen, kreativ-experimentellen und reflektierten Auseinandersetzung mit den Tablet-Computern und der dazugehörigen Software angeregt. Sie lernten so die praktischen Potenziale der digitalen Helfer für die Zusammenarbeit von Teams im späteren Berufsleben und als wirkungsvolles Tool zur täglichen Selbstorganisation kennen.

Das breite Spektrum des Einsatzes im Berufsleben und Alltag
Der Einsatz digitaler Tools in der Lehre für das Berufsfeld des (Design-)Managements ist von besonderer Relevanz – was im Übrigen für eine wachsende Zahl von Berufsfeldern genauso gilt. Dies ist zum einen darauf zurückzuführen, dass die Digitalisierung inzwischen in vielfältiger Weise in nahezu alle Unternehmensbereiche Einzug gehalten hat und auch zukünftig die Arbeit in hochkomplexen Problemfeldern des Managements bestimmen wird. Für die angehenden Designmanager/-innen ist es im Laufe ihres Studiums daher unerlässlich, ihre Kompetenzprofile mit Blick auf die digitalen Tools zu schärfen. Sie müssen die Potenziale und Einschränkungen der diversen Tools verstehen, um für die Aufgaben der voranschreitenden Digitalisierung in Unternehmen gewappnet zu sein. Zum anderen zeigt sich heute, dass es nicht eine digitale Lösung gibt, sondern dass unzählige digitale Tools im beruflichen Alltag zur Verfügung stehen, um den Herausforderungen durch flexible und mobile Arbeitsplatzorganisation sowie durch virtuelle, zeit- und raumungebundene Zusammenarbeit zu begegnen.

Modul Produktgestaltung - In einer der Praxis entsprechenden Gestaltungsaufgabe setzten sie Studierenden viele der ausgewählten Tools ein. Hier die Abschlusspräsentation des Projektes ...

Modul Produktgestaltung – In einer der Praxis entsprechenden Gestaltungsaufgabe setzten sie Studierenden viele der ausgewählten Tools ein. Hier die Abschlusspräsentation des Projektes …

80 Applikationen aus 8 Anwendungsfeldern für eine Reihe studentischer Projekte
Die Studierenden sollten einen weitreichenden Überblick über die Vielzahl und Spezifika der digitalen Tools erhalten. Zudem war eine unkomplizierte Erstnutzung zu gewährleisten. Daher wurden die einzelnen Tablet-Computer grundlegend voreingerichtet und mit etwa 80 vorausgewählten Applikationen ausgestattet. Neben den vorinstallierten Applikationen konnten die Tablet-Computer auch mit individueller Software durch die Studierenden bestückt werden, so dass die Teilnehmer/-innen eine möglichst große Freiheit hinsichtlich ihrer interessensgeleiteten Anwendung und Professionalisierung genossen.
Im Rahmen der Einführungsveranstaltung erfolgte dann eine Kurzvorstellung der unterschiedlichen digitalen Tools aus den acht übergeordneten Themenfeldern, wie sie sich für die Bearbeitung der Projektaufgabe als sinnvolle Strukturierung erweisen sollten:
In den ersten vier Themenfeldern ging es um das Verstehen der Werkzeuge bis zur aktiven Steuerung der Informationsflut:

  • System- und Boardmittel
  • Datenorganisation
  • Präsentation & Office
  • Inspiration & Nachrichten

Die zweiten vier Themenfelder reichten von der Selbstorganisation bis zur Planungstransparenz von Teams in Projekten:

  • Aufgaben & Notizen
  • Kreativität
  • Whiteboard & Skizzen
  • Projektmanagement

Im Trend von Social-Communication- und Collaboration-Lösungen
Diese Struktur als Einteilung der aktuell verfügbaren digitalen Tools im Workflow von unternehmerischen Teams kann sicherlich – je nach Marktentwicklung – erweitert und ausgebaut werden. Wichtig ist aber zu betonen, dass es sich bei den digitalen Tools nicht etwa um eine marginale Spielerei handelt, sondern um eine konkrete Form der Digitalisierung, die in der aktuellen Wirtschaft an Bedeutung gewinnt und ein Zeichen der Transformation ist. In der Ausgabe 4/2017 des Magazins t3n für „digital pioneers“ wird berichtet, dass die Nachfrage von Unternehmen nach digitalen Tools für eine verbesserte Prozessgestaltung, Team-Kommunikation und Team-Zusammenarbeit im Rahmen der Digitalisierung zunimmt. Der Markt so genannter Social-Communication- und Collaboration-Lösungen soll demnach in diesem Jahr um 32 Prozent auf 872 Millionen Euro wachsen. Eine „Wachstumsrate, die derzeit in kaum einem anderen Segment des deutschen IT-Marktes erreicht wird“ laut Aussagen von Analysten (t3n Magazin Nr. 49, S. 54).
Sind allein solche Zahlen nicht ein deutlicher Indikator, dass es an der Zeit ist, Studierende an die Beherrschung von digitalen Tools im Rahmen selbst gesteuerter Projekte heranzuführen? Ja mehr sogar: sollte nicht das Thema der „digitalen Tools“ in der Hochschullehre weitflächig zu einer selbstverständlichen Komponente werden? Die anschließenden drei Berichte von Julian Unzner und Prof. Dr. Ulrich Kern über ihre konkreten Erfahrungen mit Studierenden werden jedenfalls zu dem Appell führen: „Zur Nachahmung empfohlen!“

Das Key Visual des Beitrags stammt aus der Ausstellung „Tecno Revolución“ (2017) in der „Ciutad de las Artes y las Ciencias“ in Valencia, Spanien.

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