Digitale Tools 2 – Zur Internalisierung des Nutzens

 

Digital Tools - Wenn schon in Schulen, in der dualen Ausbildung und in der Weiterbildung der offene Bedarf als groß und drängend erkannt wird, welche offene Flanke bieten dann Hochschulen im Wettbewerb der Wissensgesellschaften, die sich nicht systematisch und konsequent der digitalen Herausforderung widmen?

Digital Tools – Wenn schon in Schulen, in der dualen Ausbildung und in der Weiterbildung der offene Bedarf als groß und drängend erkannt wird, welche offene Flanke bieten dann Hochschulen im Wettbewerb der Wissensgesellschaften, die sich nicht systematisch und konsequent der digitalen Herausforderung widmen?

Projektmanagement: Wer bei der Digitalisierung nur an große, alles umfassende Systeme denkt, liegt nur zum Teil richtig. Unterhalb des Radars der breiten öffentlichen Wahrnehmung verläuft ein Digitalisierungstrend, der auf spezielle und flexible Tools setzt, die ihr definiertes Anwendungsgebiet optimal abdecken und zugleich – auch kleinen Unternehmen oder nicht-kommerziellen Organisationen – bezahlbare Lösungen bieten. Über die Notwendigkeit, Studierende an den Einsatz solcher digitaler Tools heranzuführen, berichtete der erste Teil dieser vierteiligen Serie mit der Überschrift „Digitale Tools – Zur Nachahmung empfohlen“. In diesem zweiten Teil werden die Verfasser – Julian Unzner (Wissenschaftlicher Mitarbeiter) und Prof. Dr. Ulrich Kern (Design- und Produktmanagement, FH Südwestfalen) – vier wesentliche Anwendungsbereiche solcher Tools vorstellen. Dabei wird erläutert, wie die digitalen Tools auf Basis von Tablet-Rechnern ein effektives Selbstmanagement in studentischen Projekten ermöglichen – mit dem Ziel einer Internalisierung des Nutzens.

  1. System- und Boardmittel – Die Anwender/-innen sollen ihr Werkzeug verstehen und bedienen können!
    Heutige Studierende sind nicht automatisch „digital native“ in dem Sinne, dass sie die komplexe Technik in ihrer Entwicklungslogik umreißen. Zu unterschiedlich sind die individuellen Zugänge, Interessen und Wissenshorizonte in der digitalen Welt. Es galt daher zunächst, eine gemeinsame Basis zu schaffen. Hierfür wurden sie zunächst an die allgemeine Bedienung und die technischen Möglichkeiten der Tablet-Computer herangeführt. Aufgezeigt wurden vorab die Basis-Boardmittel und -funktionen, um eine reibungslose und strukturierte Organisation von E-Mail-Clients, Kalenderdaten und Kontakten zu bewirken. Zudem sollten die Studierenden die aktuell gegebenen Schnittstellen der Hardware kennenlernen, welche einen Tablet-Computer heutzutage zu der Nutzung von Virtual Private Networking, kabelloser Übertragung von Bildinhalten oder kabellosem Drucken befähigen. Weiterhin wurde den Studierenden das internationale Bildungsportal iTunes U vorgestellt, welches eine Vielzahl an Lehrinhalten von namhaften Universitäten zugänglich macht. Die Studierenden wurden somit mit den zentralen System- und Boardmitteln vertraut gemacht und konnten ihre Projektarbeit in den ausgewählten Modulen des Studiengangs Design- und Projektmanagement starten.
  2. Datenorganisation – Die Anwender/-innen sollen unkompliziert an ihre Daten kommen und diese verteilen können!
    Der zweite Themenblock zielte darauf ab, den Teilnehmer/-innen der Lehrveranstaltung zu verdeutlichen, dass sich die dezentrale Datenspeicherung heutzutage zunehmend zu einer zentralen Datenspeicherung über die sogenannten Clouds wandelt. Für die Datennutzung am mobilen Tablet-Computer bietet sich diese Datenorganisation besonders gut an, da die gespeicherten Daten an unterschiedlichen Orten abrufbar sind und mit anderen Computersystemen kontinuierlich synchronisiert werden. Für die Datenorganisation mittels Cloud-Computing wurde auf dem Tablet-Computer neben den gängigen Daten-Clouds der Internetriesen auch die deutsche Sciebo-Cloud installiert, welche eine besonders hohe Datensicherheit gewährleistet.
  3. Präsentation & Office – Die Anwender/-innen sollen ihr Tagesgeschäft bewältigen können!
    Mit dem mobilen Arbeitsplatz gewinnt auch die mobile Bearbeitung von Office-Dateien oder das Präsentieren an unterschiedlichen Orten zunehmend an Bedeutung und ist inzwischen mit unterschiedlichen Dateien und Tools möglich. Mit den Tablet-Computern und vorinstallierten Office-Paketen von Microsoft, Apple und Google können die Studierenden sämtliche gängige Dateitypen bearbeiten.
    Die größte Stärke des Tablet-Computers ist allerdings die Handhabung als Präsentationsmedium, da hiermit ein deutlich dynamischerer und kreativerer Präsentationstil möglich wird. Auf diese Weise wurden die Studierenden dazu angehalten, ihre Vorträge auf das neue Medium anzupassen, was eine spürbare Verbesserung der individuellen Vortragsqualität und Medienkompetenz nach sich zog. Neben den gängigen Tools der Hersteller Apple und Microsoft hatten die Studierenden die Möglichkeit, auch auf „Exoten“ wie Prezi zurückzugreifen.
  4. Inspiration & Nachrichten – Die Anwender/-innen sollen die Informationsflut bewältigen können!
    Dieser Themenblock machte die Studierenden mit unterschiedlichen Tools vertraut, die dabei helfen, die steigende Informationsflut von Blogs, Magazinen und Nachrichten zu strukturieren und dabei gezielt neue Informationsquellen aufzuspüren. Mittels des Feed-Readers Feedly können dann beispielsweise unterschiedliche RSS-Feeds eingerichtet und nach individuellen Bedürfnissen selektiert werden, um anschließend eine übersichtliche und lesergerechte Visualisierung der Inhalte auf dem Tablet-Computer zu gewährleisten. Zudem wurden den Studierenden einige Inspirations-Tools wie Adobe Create, Slide Share, Dexinger und Behance vorgestellt, welche eine große Auswahl an Gestaltungsbeispielen im Bereich Produkt- und Grafikdesign zur Verfügung stellen. Angehende Designmanager/-innen können sich so hinsichtlich Trends, Marktentwicklungen und Design-News auf dem Laufenden halten.
Studentisches Selbstmanagement - In einer der Lehrveranstaltungen wurde den Studierenden für das gesamten Semester ein aktuelles Apple iPad inklusive Stylus zur freien Verfügung gestellt. Auf diese Weise war es den Studierenden möglich, den Tablet-Computer auch außerhalb der Hochschule zu nutzen, um diesen sequenziell in den eigenen (Projekt-)Alltag fest zu integrieren und selbstbestimmt nach individuellen Interessen kontinuierlich zu erforschen.

Studentisches Selbstmanagement – Durch das iPad war es den Studierenden möglich, diesen auch außerhalb der Hochschule zu nutzen, um ihn sequenziell in den eigenen (Projekt-)Alltag fest zu integrieren und selbstbestimmt nach individuellen Interessen kontinuierlich zu erforschen.

Zwischenbilanz
Die Studierenden nutzten intensiv das Angebot, grundlegende Teile ihrer Projektarbeit wie Selbstorganisation, Recherche und Präsentation durch digitale Tools auf ein zeitgemäßes und effizientes Level zu heben. Der auch privat im Semesterverlauf genutzte Tablet-Rechner erwies sich als ein wichtiges Hilfsmittel, um mit den neu erlernten Abläufen vertraut zu bleiben, mit ihnen spielerisch zu experimentieren und die Nutzenqualität der neuen Tools zu internalisieren.

Die Zukunft des Studiums - Die Digitalisierung als Megatrend ist mehr als ein großes Wort. Dahinter steht die fast unmerkliche Innovierung vieler kleiner, vernetzter Prozesse, die in Summe die Berufswelt neu prägen. Heutige Studierende werden schon bald Teil dieser Berufswelt sein. Wann aber sollen sich Studierende dieses Wissen aneignen, wenn nicht im Studium?

Die Zukunft des Studiums – Die Digitalisierung als Megatrend ist mehr als ein großes Wort. Dahinter steht die fast unmerkliche Innovierung vieler kleiner, vernetzter Prozesse, die in Summe die Berufswelt neu prägen. Heutige Studierende werden schon bald Teil dieser Berufswelt sein. Wann aber sollen sich Studierende dieses Wissen aneignen, wenn nicht im Studium?

Nur ein Anfang …
Nicht nur Studierende, sondern auch schon Schüler/innen sind am Einsatz digitaler Hilfsmittel als zeitgemäßer Zugang zu Wissen und Bildung höchst interessiert, aber vermissen diese weitgehend in ihren Schulen, wie jüngst in der „Tagesschau“ vom 15.09.2017 das Ergebnis einer Studie der Bertelsmann-Stiftung von 2017 zusammengefasst wurde. Und auch in der dualen Ausbildung – so ein aktueller Bericht im „heute journal“ vom 30.08.2017 – geht eigentlich nichts mehr ohne Digitalisierung. Welche offenen Fragen sich damit für die Weiterbildung der aktuell Berufstätigen auftun, wurde in dem Beitrag „Arbeitsmarkt im Wandel“ nur angerissen.
Wenn schon in Schulen, in der dualen Ausbildung und in der Weiterbildung der offene Bedarf als groß und drängend erkannt wird, welche offene Flanke bieten dann Hochschulen im Wettbewerb der Wissensgesellschaften, die sich nicht systematisch und konsequent der digitalen Herausforderung widmen? Wir werden auf diese Frage in den nächsten beiden Teilen unserer kleinen Serie „Digitale Tools“ zurückkommen.

Das Key Visual des Beitrags stammt aus der Ausstellung „Tecno Revolución“ (2017) in der „Ciutad de las Artes y las Ciencias“ in Valencia, Spanien

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