7 Phasen – Was Manager/innen über Kreativität wissen sollten

 

Die Ziffer 7 - Sie gilt in vielen Kulturen als Symbol der Vollendung. Nicht zufällig umfasst hier der Design Thinking-Prozess sieben Phasen strukturierter Kreativität, die eines sorgsamen Managements bedarf.

Die Ziffer 7 – Sie gilt in vielen Kulturen als Symbol der Vollendung. Nicht zufällig umfasst hier der Design Thinking-Prozess sieben Phasen strukturierter Kreativität, die eines sorgsamen Managements bedarf.

Kreativmanagement: Wer hätte das je gedacht? Kreativ zu sein gilt als Top-Auszeichnung. Bis vor wenigen Jahren noch war es eine nette Umschreibung für chaotisch, sprunghaft und unberechenbar. Wie kommt es zu diesem Aufstieg der Kreativität? Vielleicht liegt er darin begründet, dass Gesellschaft, Wirtschaft und auch das Private zunehmend turbulenter und unübersichtlicher werden. Kreativität wäre damit die einzig adäquate Antwort auf komplexe, verwickelte Situationen. Hier ließe sich der homöopathische Grundsatz anführen „Gleiches heilt Gleiches“, selbst wenn es weit hergeholt scheint.
Aber auch harte Zahlen sprechen für die prioritäre Bedeutung der Kreativität: Die Ausgaben für Forschung und Entwicklung der weltweit wichtigsten 1000 Unternehmen haben in 2017 einen neuen Spitzenwert erreicht. Sie betragen 4,5 Prozent der globalen Umsätze und damit 702 Milliarden Dollar (Zeit online 24.10.2017). Diese unfassbar hohe Summe, die in kommende Innovationen investiert wird, verdankt sich letztlich der Erwartung einer produktiven Kreativität von Menschen. Ist dieses Phänomen nicht Grund genug, über das Management von Kreativität nachzudenken? Im Folgenden untersuchen wir (Ulrich Kern, Petra Kern) eine prominente Spielart unternehmerisch genutzter Kreativität. Sie firmiert unter „Design Thinking“.

Kreative Unruhe kombiniert mit planvollem Management
Der Begriff Design Thinking wird bereits seit Anfang der 1990er Jahre benutzt, als die gestalterische Denk- und Arbeitsweise erstmals auf Innovationsvorhaben übertragen wurde. Verbreiter des Ansatzes waren die Design- und Kreativagentur IDEO und die neu gegründete School of Design Thinking (Palo Alto und Potsdam). Design Thinking wird seitdem als Kreativitäts- und Innovierungsprozess bei komplexen Problemen mit Zukunftsrelevanz eingesetzt, nicht nur in Unternehmen bei Fragen der strategischen Produktkonzeption oder der Marktprofilierung, sondern auch bei makroökonomischen und sozialen Fragen wie z.B. der Energiewende und des notwendigen Einstellungswandels. Mit Design Thinking wurde erstmals das Potenzial des Designs für die Lösung übergreifender Probleme entdeckt. Auch in der Wirtschaft wird es seitdem als wichtiger design-originärer Ansatz respektiert und genutzt.

Design Thinking ist ein offener und iterativer Kreativprozess in Teams, die sich der systemati-schen und zielgerichteten Ideenentwicklung widmen. Der Kreislauf der sieben Phasen ist als Spirale denkbar, die durch erfolgreiches Design Thinking auf höhere Professionalitätsniveaus führt.

Design Thinking ist ein offener und iterativer Kreativprozess in Teams, die sich der systemati-schen und zielgerichteten Ideenentwicklung widmen. Der Kreislauf der sieben Phasen ist als Spirale denkbar, die durch erfolgreiches Design Thinking auf höhere Professionalitätsniveaus führt.

Design Thinking: Zielgerichtete Kreativität in sieben Phasen
Um Design Thinking zu praktizieren, muss man nicht Designer/in sein, aber man muss das Wesen professioneller Designkompetenz kennen und zu nutzen verstehen. Dazu gehört das Wissen, welche Kreativphasen zu durchlaufen sind, damit Design Thinking sein volles Innovationspotenzial entfaltet. Erfolgreiches Kreativmanagement setzt hier an.

  1. Phase: Raus aus den Komfortzonen!
    Auch wenn die Verlockungen der Denkroutinen groß sind, fängt die Problemanalyse im Design Thinking-Prozess am Punkt Null an. Nichts ist selbstverständlich, nichts war „schon immer so“ und „geht nicht anders“. Wesentlich für eine solche Unvoreingenommenheit ist die interdisziplinäre Ausrichtung im Design Thinking-Team. Nur so lassen sich geistige Tabuzonen in den verschiedenen Fachdomänen erkennen und im gegenseitigen Austausch hinterfragen. Nicht minder wichtig ist die Einbindung der Menschen, die von der speziellen Anwendungs- bzw. Problemsituation betroffen sind. Denn eine Analyse über die Köpfe der Nutzer hinweg nutzt wenig. Phase 1 ist somit geprägt durch ein erweitertes Problemverständnis und eine fachübergreifende Prozessorganisation.
    Fazit: Kreativität kennt keine Selbstverständlichkeiten!
  2. Phase: Warming-up für kreative Problemlöser!
    Die zweite Phase des Design Thinking-Prozesses steht im Zeichen der Recherche und kreativen Konditionierung. Es ist ein Warm- und Vertraut-Werden mit dem komplexen Kontext der Problemsituation. Hierzu gehören nüchterne Informationen wie Zahlen, Daten und Fakten genauso wie Assoziationen und Analogien als inspirierende Impulse aus anderen Denkbereichen. Methodisch sinnvoll ist, sowohl das Manko der Ausgangssituation als auch die ersten Ideen-„Fetzen“ für ein mögliches Lösungsszenario in einer Systematik zu ordnen und zu kommentieren, dies aber noch frei von der Absicht der Bewertung und Selektion.
    Fazit: Kreativität braucht die Orientierung durch Wissen!
  3.  Phase: Konjunktiv hat Konjunktur und Kritik ist konstruktiv!
    In der dritten Phase im Design Thinking-Prozess läuft das Team zur kreativen Höchstform auf. Jetzt entsteht eine Fülle an Problemlösungsideen – begleitet von intensiver und konstruktiver Kritik. Auf der einen Seite gewinnen allmählich einige Ideen durch Konkretion an Profil. Auf der anderen Seite werden „sinnlose“ Ideen gleich aussortiert und binden keine weiteren Energien. Wichtig ist, dass das Management dem Design Thinking-Team einen Freiraum gewährt, der auch kreative „Schleifen“ toleriert. Genauso wichtig ist, dass das Team nicht zu früh mit sich selbst zufrieden ist und den ersten guten Ansatz zur besten Idee erklärt. Die Suche nach alternativen Ideen hält die schöpferische Unruhe wach.
    Fazit: Kreativität braucht die Loyalität der Unternehmensführung!
  4. Phase: Konzepte werden konkret und Varianten vervielfachen Kreativität!
    In dieser Phase konkretisiert das Design Thinking-Team wenige, aber viel versprechende Lösungsansätze und spinnt diese in Varianten weiter. Der Reife- bzw. Entwicklungsstand orientiert sich am Kriterium der Plausibilität. Prämisse ist: Die Lösung ist im Grundsatz möglich, Details werden später geklärt! Dies verhindert, dass mögliche Umsetzungsprobleme bereits das Lösungspotenzial im Keim ersticken. In dieser Phase können sich auch Unterteams bilden, die unterschiedliche Konzeptansätze verfolgen. Diese dürfen sich widersprechen und (scheinbar) diametral zueinander liegen. Die Phase der Ideenentwicklung profitiert erheblich von einer Reflexion von Alternativen und einem internen Wettbewerb.
    Fazit: Kreativität heißt auch Beherrschung von Disparität!
  5. Phase: Response mit Reaktion und Praxis auf Probe!
    In der fünften Phase des Design Thinking-Prozesses stellt das Team den Rückbezug zur Ausgangssituation her. Entspricht die Lösungsqualität den Erwartungen des Nutzers und dem anfänglich analysierten Problem? Die Frage ist zentral für den Erfolg des Kreativmanagements. Eine qualifizierte Antwort ist nur von den Nutzern selbst zu erwarten. Jetzt ist daher der richtige Augenblick, um Nutzer zu integrieren und sie die Lösungsqualität testen zu lassen. Der Lösungsansatz (bzw. auch seine Variante) ist weit genug entwickelt, um konkret erfahrbar zu sein – sowohl rational, als auch emotional. Zugleich erfolgt die Wirkungskontrolle so frühzeitig, dass noch Spielräume für Anpassungen bestehen.
    Fazit: Kreativität erzeugt rationalen Nutzen mit emotionalem Gewinn!
  6. Phase: Verbindlichkeit der Versuche und Design der Details!
    Die sechste und vorletzte Phase des Design-Thinking-Prozesses hat das Stadium der unverbindlichen Ideensuche hinter sich gelassen. Nun geht es an die Finalisierung des selektierten Lösungskonzepts bzw. auch einer Lösungsvariante. Die Stringenz des Konzepts in allen Feinheiten ist im Team kritisch zu überprüfen. Die Details der Konkretion und Präzisierung gewinnen an Gewicht. Die Steuerung des Design-Denkens geht in das Management des Machens über – ganz gleich ob Design physisch als Objekt oder immateriell z.B. als Strategie verstanden wird. Ein weiteres Feedback des Nutzers sichert diese Phase ab.
    Fazit: Kreativität ist auch die Kultur der Perfektion!
  7. Phase: Die Intelligenz der Innovation und Nachhaltigkeit des Nutzens!
    In dieser letzten Phase setzt das Design Thinking-Team alles daran, das innovative Konzept zu implementieren und dessen Nutzenqualität klar auszuweisen. Es ist die letzte Phase des Innovationsprozesses und nicht zufällig die siebente. Gilt die Sieben doch als Symbol der Vollendung. Allerdings wird der Zyklus der Kreativität nur kurzfristig unterbrochen. Denn tatsächlich handelt es sich bei Design Thinking um einen offenen, iterativen Prozess, der sich jederzeit einer weiteren Aufgabe zuwenden kann. Jeder Design Thinker für sich vertieft seine Professionalität. Die eingesetzte Kreativität verbraucht sich nicht. Sie wird durch ein sorgsames Management sogar ergebnisreicher und wertvoller.
    Fazit: Kreativität ist eine Ressource, die durch Management an Wert gewinnt!

Kreativmanagement – eine Leerstelle in der BWL-Lehre?
Die Dualität von kreativer Unruhe und planvoller Führung ist heute eine Notwendigkeit im modernen Management, das in der Dynamik turbulenter Märkte agiert. Erfolgreiche Innovationen brauchen den Ausbruch aus der Routine (Kreativität) einerseits wie auch die strikte Berechenbarkeit (Systematik) anderseits. Wie kommen aber Unternehmen zu den geeigneten Qualifikationen? Management-Knowhow lässt sich z.B. per Hochschulzertifikat nachweisen. Aber die Professionalisierung von Kreativität für unternehmerische Aufgaben steht in der BWL-und Management-Lehre vieler Hochschulen noch am Anfang. Dabei wächst der Bedarf an kreativem Know-how, das Probleme in Unternehmen frühzeitig identifiziert und neuartige Problemlösungen jenseits des Bekannten zu imaginieren vermag. Man darf gespannt sein, wie sich diese Leerstelle im BWL- und Management-Lehrangebot langfristig schließen wird.

Download Reader „Herausforderung Design Thinking – Phasengestaltung und Methoden eines interdisziplinären Kreativitätsprozesses“ _ 2017

 

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