Designforschung – Auf zu neuen Ufern!

 

 

Wissenschaftliche Profilbildung durch Forschung steht auch Fachhochschulen im Design offen. Erforderlich sind Forschergeist in eigener Sache und strategisches Handeln in der Wissenschaft- und Hochschullandschaft.

Wissenschaftliche Profilbildung durch Forschung steht auch Fachhochschulen im Design offen. Erforderlich sind Forschergeist in eigener Sache und strategisches Handeln in der Wissenschaft- und Hochschullandschaft.

Wissenschaftsmarketing: Forschung in den Designwissenschaften ist ein Muss, wenn die Disziplin nicht zum Museum ihrer früheren Geltung verkümmern soll. Stichworte Bauhaus und HfG Ulm – die Ideen aus den früheren Glanzzeiten des Design sind auch heute noch bedenkenswert. Aber darüber darf nicht vergessen werden, dass uns das genuin Neue der heutigen Zeit mindestens genauso fordert wie die Aufgaben früherer Generationen. Man denke nur an die umwälzende Kraft der Digitalisierung. Was sie für das Studium der Designwissenschaften bedeutet, wird auch Thema sein bei unserem Vortrag am 11.04.2018 in Hildesheim (https://www.digital-analogue.de).

Designwissenschaftliche Forschung sichtbar verorten
Im folgenden Beitrag aber geht es uns – Petra Kern und Ulrich Kern – um die institutionelle Verortung von Forschung. Und daran mangelt es derzeit im Design. Wir plädieren daher für die Einrichtung von Forschungsprofessuren an Fachhochschulen. Damit greifen wir einen bereits bestehenden Diskussionsvorschlag auf (vgl. Ergebnisbericht „Evaluation der Forschung an Fachhochschulen in Niedersachsen“ 2016: 78f). Wir sehen in der Idee einen wichtigen Ansatz, um der designwissenschaftlichen Forschung einen klar identifizierbaren Ort in der Wissenslandschaft zu geben. Denn angesichts ihrer Vorgeschichte wird die Disziplin überwiegend an Fachhochschulen gelehrt. Damit ist der übliche Weg zu wissenschaftlichen Profilen verschlossen. Das Promotionsprivileg der Universitäten wird von prominenten Wissenschaftsvertretern zum Teil vehement verteidigt und Fachhochschulen abgesprochen (z.B. Turner im Handelsblatt 18.01.2018: 48).

Institutionalisierte Forschungsprofessuren könnten Designforschung nach außen sichtbar machen und Kompetenzprofile nach innen schärfen.

Institutionalisierte Forschungsprofessuren könnten Designforschung nach außen sichtbar machen und Kompetenzprofile nach innen schärfen.

Clearing-Stelle zwischen Designforschung und Design-/Wirtschaft
Mit der Einrichtung von Forschungsprofessuren könnten sich Fachhochschulen im Design dennoch wissenschaftlich profilieren. Eine solche Professur könnte vorhandene Kompetenzen bündeln und neue externe Bedarfe in den Blick nehmen, z.B. in einem Weiterbildungsprogramm. Die Forschungsprofessur wäre aber auch gegenüber der Design- und Kreativwirtschaft die Clearingstelle, die für Masterangebote und für kooperative Promotionen die Forschungsinteressen sondiert und die Netzwerke z.B. zu Forschungsförderern und Universitäten pflegt. Und schließlich wäre ihre Aufgabe auch die Forschung an der eigenen Hochschule, ob mit einem In-Institut oder als An-Institut für Dienstleistungsaufgaben. Der große Vorteil von Fachhochschulen, anwendungsorientiert und praxisnah zu agieren, wäre gerade hier auszuspielen.

Forschungsprofil im Netzwerk der Hochschulen
Wenn sich ein solches Netzwerk von institutionalisierten Forschungsprofessuren bildete, könnte designwissenschaftliche Forschung an deutschen Hochschulen eine deutliche Aufwertung erfahren und frühere Versäumnisse langfristig ausgleichen. Auch wenn es inzwischen vereinzelte PhD-Programme im Design gibt, sind diese längst nicht ausreichend, um designwissenschaftliche Forschungslücken strukturiert zu bearbeiten. Dazu kommt, dass designwissenschaftliche Forschung für die öffentlichen Drittmittelgeber wie DFG eigentlich nicht existiert. Die designwissenschaftlichen Vertreter selbst hatten bisher ein gespaltenes Verhältnis zum tradierten Begriff der Forschung wie auch zu dem Begriff der Wissenschaft (vgl. die Beiträge zu den „Positionen der Designwissenschaft“, in: Romero-Tejedor / Jonas 2010). Stand doch das traditionell naturwissenschaftlich geprägte Verständnis von Wissenschaft und Forschung dem Design bisher unüberbrückbar gegenüber. Diese Kluft verringert sich. Im Design selbst findet seit einiger Zeit der Ansatz einer „Forschung durch Design“ zunehmend Beachtung (vgl. Götzendörfer 2014: 93ff).

Günstige Vorzeichen in der Wissenschaftslandschaft
Eine Zäsur aber findet geradezu in der Wissenschaftslandschaft statt. Das klassische Verständnis von Forschung gilt inzwischen nur noch als eine Spielart neben anderen, wie Reinmann (2017: 7ff) in Auswertung von Empfehlungen des Wissenschaftsrats resümiert. Es erweist sich als Standard, das Gestalten als wesentliche „Form der Forschung“ einzuordnen – neben dem Experimentieren, Beobachten, Interpretieren und Theoretisieren (Wissenschaftsrat 2012: 36f). Generell gilt die Öffnung gegenüber der Methodenvielfalt als Bereicherung, ganz gleich ob sich einzelne Wissenschaften als empirisch, nicht-empirisch, anders-empirisch, modellierend oder integrierend verstehen, (vgl. den Ansatz einer Ordnungssystematik bei Reinmann 2017: 8-11). Neben einem generell erweiterten Forschungsbegriff wird auch die bisherige Engführung von Forschung auf technologisch induzierte und ökonomisch motivierte Innovationen überwunden (vgl. BMWi-Forschungsvorhaben „Studie zu nichttechnischen Innovationen“ 2016).
Die Zeichen der Zeit sind günstig, um die designwissenschaftliche Forschung auf ein elaboriertes Niveau zu heben. Strategisches Handeln ist gefragt. Wenn es nicht die designwissenschaftlichen Akteure in die Hand nehmen, wird es niemand sonst tun. Das Vorhaben der Forschungsprofessuren ist wie Forschen in eigener Sache: Ein Aufbruch, um Unbekanntes zu erkunden, zu erklären und in den eigenen Verfügungsbereich zu integrieren.

 

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