Buchbeitrag – Plädoyer für eine forschende Design-Didaktik

 

Design und Didaktik, Wissenschaft und Forschung – manchmal sprühen Funken, wenn schein-bar Unverbundenes zusammengebracht wird. Ein guter Grund mehr, auch das Design weiterzu-denken!?

Design und Didaktik, Wissenschaft und Forschung – manchmal sprühen Funken, wenn scheinbar Unverbundenes zusammengebracht wird. Ein guter Grund mehr, auch das Design weiterzudenken!?

Buchbeitrag: „Wer Design studiert, geht anstandslos als kreativ durch – aber als wissenschaftlich? Selbst in den eigenen Reihen der Designdomäne wird immer wieder ein Fragezeichen hinter Wissenschaft gesetzt. Vermutlich aber nicht mehr lange: Denn die Verwissenschaftlichung der Berufswelt prägt zunehmend auch das Design. Die Disziplin entwickelt sich geradezu zum Hotspot für wissenschaftliches Denken, Wissen und Handeln – ob ökonomisch, soziologisch, psychologisch, technologisch oder sogar interdisziplinär geprägt.“ Mit diesen Sätzen führt der Beitrag von Petra Kern und Ulrich Kern im Tagungsband „Forschendes Lernen – The Wider View“ in das Thema Design und Didaktik ein. Die fast 500 Seiten starke Publikation ist jetzt erschienen und dürfte mit über 100 Beiträgen verschiedenster Autoren den bisher facettenreichsten Überblick über den Stand des Forschenden Lernens aus multidisziplinären Blickwinkeln bieten. Herausgeber sind Nils Neuber, Walther Paravacini und Martin Stein.

Die Publikation „Forschendes Lernen - The Wider View“ ist im WTM-Verlag erschienen und do-kumentiert die Beiträge der gleichnamigen Vortragsveranstaltung vom September 2017 an der Universität Münster.

Die Publikation „Forschendes Lernen – The Wider View“ ist im WTM-Verlag erschienen und do-kumentiert die Beiträge der gleichnamigen Vortragsveranstaltung vom September 2017 an der Universität Münster.

Schlüsselkompetenzen der Zukunft: Complex Problem Solving, Critical Thinking und Creativity
Der designspezifische Aufsatz „Plädoyer für eine kreativ-wissenschaftliche Problemlösungskompetenz durch Forschendes Lernen“ stellt die neuen Schlüsselkompetenzen einer sich schnell transformierenden Wirtschaft und Gesellschaft ins Zentrum der methodisch-didaktischen Erneuerung des Lehrangebots an Hochschulen. Forschendes Lehren und Lernen verstehen die beiden Autoren (Petra Kern, Ulrich Kern) als Replik auf eine Wissensgesellschaft, die auch der Arbeitswelt zunehmend ihren Stempel aufdrückt. Komplexe Problemlösungsfähigkeit, kritisches Denken und Kreativität sind inzwischen übergreifende Anforderungen vieler Berufsfelder. In diesem Kontext stellt sich der Nachholbedarf des Designstudiums dar, das gerade jetzt den Schritt von den klassisch materiellen Entwurfsfähigkeiten zu den „neuen“, immateriellen Problemlösungskompetenzen gehen müsste.

Forschendes Lernen als Brücke zwischen Design und Wissenschaften
Der didaktische Ansatz des Forschenden Lernens stellt hierfür nach Ansicht der Autoren eine ideale Brücke dar, um Design einerseits an die Wissenschaften anzuschließen und um andererseits designspezifische Lösungsqualitäten zurückfließen zu lassen. Wissenschaft als sozialer Prozess – auch dieser Grundsatz des Forschenden Lernens bekäme dem Design gut, das üblicherweise auf die Bildung von individuellen Gestalter-Persönlichkeiten zielt. In diesem Sinne bietet das didaktische Prinzip des Forschenden Lernens vielversprechende Ansätze für ein erweitertes Verständnis der Berufsbefähigung von Designer/innen. Sollen diese darauf vorbereitet werden, künftig an den „großen“ Herausforderungen unserer Zeit – z. B. digitale Transformation, Energiewende, soziale Verwerfungen – mitzuwirken, bedarf es eines belastbaren Wissenschafts- und Forschungsverständnisses im Design. Denn nur dann, so die letzte Aussage des Beitrags, wären die Vertreter der Designdomäne nicht mehr „die Exoten, sondern ernst zu nehmende Fachwissenschaftler mit einer spezifischen Forschungskonzeption.“

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