Kreativität ist immer Kampf

 

Kreativität bedeutet Handlungskompetenz im Umgang mit den z.T. konfligierenden Zielgrößen: Design als genuin-individuelle Leistung, als Beitrag zur Lebensqualität und als Wettbewerbsstrategie. Das schafft nicht nur Freunde …

Kreativität bedeutet Handlungskompetenz im Umgang mit den z.T. konfligierenden Zielgrößen: Design als genuin-individuelle Leistung, als Beitrag zur Lebensqualität und als Wettbewerbsstrategie. Das schafft nicht nur Freunde …

Kreativität, Platz 3 der wichtigsten Management Skills des Davoser WEF. Alle professionell kreativen Menschen wissen, warum. Hat ihr Berufsleben viel Ähnlichkeit mit den „Zwölf Taten des Herkules“, einem der bekanntesten Helden der griechischen Mythologie. Kreative Manager/innen müssen den unverwundbaren Löwen von Nemea erlegen – er begegnet ihnen als Bewahrer von angeblichen Traditionen und als Bremser ungeliebter Veränderungen. Zuletzt ist Zerberus dran, der dreiköpfige Wachhund der Denkstrukturen – kein „alter“ Gedanke verlässt das Silo und keine „junge“ Idee kommt herein. Kreativität ist Kampf, dessen Waffen Intelligenz, Idealismus und Interdisziplinarität sind. Kann man das lehren und lernen? Und: Wie erledige ich den inneren Schweinhund eines jeden Unternehmens? Durch Skalierung in der Kommunikation, die von Information bis Provokation reicht. Und wie lockt man Zerberus aus seiner Ecke? In dem man ihn durch ein Projekt führt, um ihn am Ende zum Neuen zu verführen. Aus Beratung wird Beteiligung am Innovationsprozess. Alles nachzulesen in unserem (Ulrich Kern, Petra Kern) Buch „Designplanung“. Kein Kassenhit in 2009, aber 70 Kreativ-Projekte von 100 Design-Studierenden auf 263 Seiten mit tausenden Tipps für Kämpfer/innen modernen Typs mit Win-win-Strategie.

Das Curriculum von Design wird als Fraktal verstanden, d.h. das Ganze bildet sich strukturell im Kleinen ab; Selbstähnlichkeit zwischen der komplexen Professionalität im Design und den Lehreinheiten. Jedes Thema des Lehrangebots umfasst z.B. eine theoretische Fundierung, praxisorientierte Anwendung, gestalterisch-kreative Selbs-treflexion, adressatenorientierte Präsentation, inter/disziplinären Diskurs etc. Ziel ist eine progressive Professionalisierung, die Kompetenzen ganzheitlich entwickelt, kreatives Machen und kritisch-strukturiertes Denken zusammenführt.

Das Curriculum von Design wird als Fraktal verstanden, d.h. das Ganze bildet sich strukturell im Kleinen ab; Selbstähnlichkeit zwischen der komplexen Professionalität im Design und den Lehreinheiten. Jedes Thema des Lehrangebots umfasst z.B. eine theoretische Fundierung, praxisorientierte Anwendung, gestalterisch-kreative Selbstreflexion, adressatenorientierte Präsentation, inter/disziplinären Diskurs etc. Ziel ist eine progressive Professionalisierung, die Kompetenzen ganzheitlich entwickelt, kreatives Machen und kritisch-strukturiertes Denken zusammenführt.

Mikrostruktur der komplexen Designpraxis
Projekte im Designstudium sind wichtiger studentischer Experimentierraum und Labor für das künstlerisch-wissenschaftliche Weiterdenken. Hier findet Wissenschaft die notwendige Ausrichtung auf die Praxis und Praxis die notwendige Offenheit für konzeptionelle Innovierung. Denn die Verbindung von gestalterischem Machen und sozio-ökonomischem Planen braucht die Reflexion. Genau hier braucht theoretisches Wissen die praktische Anwendung als Korrektiv. Das heißt für die Lehre: Zu schaffen ist eine Projektkonzeption, welche gestalterische Aufgaben und Leistungen in ihrer Vernetzung integriert. Sie bildet sozusagen als Mikrostruktur die komplexe Designpraxis ab. Hierzu gehören etwa Analysen der Rezipienten, die Erkundung von Technologien und ihrer Optionen für Gestaltung, die Ausrichtung auf Kunden und das Verstehen ihrer Produktwelten und Lebensentwürfe. Projektstrukturen werden im Idealfall so aufgebaut, dass sie die Verständigung mit einem (fiktiven) Auftraggeber, den Prozess der wissenschaftlich-künstlerischen Lösungssuche, die Kooperation im Team, die Verbalisierung und Diskussion von Zwischenergebnissen und eine kundenorientierte Schlusspräsentation einbinden – in besonderen Fällen auch mit Beteiligung von Externen, z.B. von Vertretern der Presse, von Unternehmen oder öffentlichen Institutionen.

Im Kontext der Kreativ- und Kulturwirtschaft
Angehende Designer/innen haben es mit dem Kontext der Kultur- und Kreativwirtschaft zu tun – als Künstler genauso wie als Dienstleister, als Produzent von Gestaltung genauso wie als Design-Nomade. Das heißt wachsende Bedeutung kulturell-kreativer Leistung als Teil ökonomischer Prozesse auf der einen Seite, aber auch Überangebot und Verdrängungswettbewerb auf der anderen Seite. Daraus ergibt sich die Anforderung an Designer/innen, sich in der Kommunikation zu professionalisieren – mit einer Leistung, die Verständnis und Vertrauen schafft, die Bekanntheit und Profilierung unterstützt. Das heißt für die Lehre: Kommunikation ist als fester Teil des Lehrangebots zu integrieren. In jedem Projekt lassen sich die unterschiedlichen Dimensionen von Kommunikation einbinden, so z.B. wenn Kreative lernen, wie sie ihre Konzepte und Leistungen kommunizieren, Projektziele erklären, Projekterfolge vermarkten, mit den Rezipienten ihres Angebots in einen Dialog kommen, in Teams über Arbeitsmethoden und  Kreativtechniken diskutieren, aber auch mit ihren Auftraggebern über Angebote und Konditionen verhandeln. Alles das ist Kommunikation, ob direkt oder indirekt, persönlich oder medial, strategisch oder operativ – unverzichtbar in einer Kulturwirtschaft, die zugleich auch eine „Ökonomie der Aufmerksamkeit“ (Georg Franck) und Kommunikationsgesellschaft ist.

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