Wir können, wir wollen und wir werden mitspielen!

 

Wer als Forscher über das Bestehende hinausgehen und in einem produktiven Erkenntnisprozess neue Perspektiven sowie Horizonte entwickeln will, muss genau wissen, wo er (theoretisch) steht und wie sich diese Verortung (praktisch) im Design begründet. Ohne eine solche professionelle Standort-bestimmung wäre Designforschung nur beliebig statt frei.

Wer als Forscher über das Bestehende hinausgehen und in einem produktiven Erkenntnisprozess neue Perspektiven sowie Horizonte entwickeln will, muss genau wissen, wo er (theoretisch) steht und wie sich diese Verortung (praktisch) im Design begründet. Ohne eine solche professionelle Standortbestimmung wäre Designforschung nur beliebig statt frei.

Designwissenschaften: So wie der Dachdecker seinen eigenen Blick auf die Welt hat, so haben die Designer/innen auch ihre spezielle Sicht auf die DInge. Während der Dachdecker von oben nach unten schaut, blicken Designer/innen von hinten nach vorne in die Zukunft. Dafür braucht man keine Leiter, sondern reichlich Vorstellungskraft. Aber Fantasie macht „verletzungsanfällig“! Schnell wird aus den skizzierten und angedeuteten Möglichkeiten eine „unrealistische Träumerei“ und die Designer/innen werden dann zu „Fantasten“ abgestempelt. Dabei wissen sowohl Protagonisten als auch Antagonisten nicht, ob sie recht (oder unrecht) mit ihren Vorstellungen dafür und ihren Argumenten dagegen haben. Dabei bräuchte dieser Globus jede Menge an Bildern seiner möglichen Zukünfte. Dem Hype um Dystopien sollte sich ein Potenzial an Utopien gegenüberstehen, die Perspektiven aufzeigen, ohne dogmatisch oder absolut zu wirken oder gar zu sein. Wichtig ist doch nur, dass wir diesen Kokon – gesponnen aus den Fäden der Angst und der Selbstzufriedenheit – verlassen und die Evolution ihren (positiven!) Job machen lassen. Alle wissenschaftlichen Disziplinen sollten sich auf den Weg in die Gesellschaft machen, um sie aktiv zu entwickeln und menschengerecht zu gestalten. Das Design sollte sich hier seiner gesellschaftlichen Gestaltungskraft und seiner philantropischen Qualitäten wieder bewusst werden und seine Ansprüche an Beteiligung nachhaltig anmelden.

"Design ist eine Zukunftstechnologie": Mitte der 1980er Jahre von Ulrich Kern und Rudolf Schönwandt geschrieben. Es ging um ein erweitertes und seinerzeit aktuali-siertes Designverständnis, welches sich weit von Begrifflichkeit wie "Form Follows Funktion" entfernte und um Neu-Interpretation warb.

„Design ist eine Zukunftstechnologie“: Mitte der 1980er Jahre von Ulrich Kern und Rudolf Schönwandt geschrieben. Es ging um ein erweitertes und seinerzeit aktualisiertes Designverständnis, welches sich weit von Begrifflichkeit wie „Form Follows Funktion“ entfernte und um Neu-Interpretation warb.

Die Fronten sind in Auflösung begriffen
In der letzten Zeit bin ich mehrfach auf Synergien und auch Asymmetrien zwischen Technik und Design angesprochen worden. Wenn man beide „Elfenbeintürme“ kennt, weiß man auch um die Potenziale einer Konvergenz dieser beiden Disziplinen, aber auch um die Reibungsverluste in der praktischen Arbeit. Einer der Gründe für die sich auch manchmal nicht erfüllenden Erwartungen liegt in den Unterschieden der beiden Fachkulturen. In der Welt der Ingenieure liegt der Fokus auf dem evidenzbasierten Arbeiten, während im Designprozess das abduktive Denken (Was wäre, wenn …) überwiegt. Und manchmal verzahnt man sich nicht, sondern verbeißt sich im Prozess des anderen. Durch die vielen neuen Bindestrich-Studiengänge – vom Design-Ingenieur bis zum IoT-Design-Studiengang – sind die Fronten inzwischen in Auflösung begriffen. Als mein Freund Rudolf Schönwandt und ich um das Jahr 1985 herum für ein erweitertes und aktualisiertes Designverständnis warben, entstanden die Veröffentlichungen mit der Überschrift „Design ist eine Zukunftstechnologie“. Wir wollten damals das Design von den Möbeln hin zu den Maschinen bewegen, das Design mehr als Prozess als Produkt gewichtet sehen, den seinerzeitigen Wirtschaftsfaktor einer Dienstleistung zu einer Wissenschaftsdisziplin mit Forschungsprogrammatik entwickeln. Ein hehrer Anspruch, der auch in der Konsequenz nicht zu realisieren war. Dennoch muss man über 30 Jahre danach konstatieren, dass sich die Welt auch an dieser Stelle verändert hat. Design ist nicht mehr nur das, was die Designer/innen machen und das (internationale) Verständnis dieser Disziplin hat sich deutlich verändert. Design ist selbstverständlicher Teil in der Mensch-Maschine-Beziehung geworden, es ist durch Design Thinking zu einem kreativen Mindset des ganzen Unternehmens geworden und es ist durch die Wissensgesellschaft zu einem praktischen Wertesystem (Human-centered Design) geworden. Allerdings darf das nicht dazu führen, dass Profil und Programmatik „wischiwaschi“ werden.

Die Verbindung von Design und Technologie bietet designwissenschaftlich ein weites Feld der Forschung und Entwicklung. Zu beleuchten sind insbesondere Optionen für Lösungen mit erweiterten Nutzenkategorien: vom technologischen Sinn zur ästheti-schen Sinnlichkeit, vom ökonomischen Vorteil zum sozialen Mehrwert. „Dato“ ist ein mögliches Arbeitsmodell für interdisziplinär gestaltende Designer/innen, vom heutigen Standard zur morgigen Innovation zu gelangen.

Die Verbindung von Design und Technologie bietet designwissenschaftlich ein weites Feld der Forschung und Entwicklung. Zu beleuchten sind insbesondere Optionen für Lösungen mit erweiterten Nutzenkategorien: vom technologischen Sinn zur ästhetischen Sinnlichkeit, vom ökonomischen Vorteil zum sozialen Mehrwert. „Dato“ ist ein mögliches Arbeitsmodell für interdisziplinär gestaltende Designer/innen, vom heutigen Standard zur morgigen Innovation zu gelangen.

Design – Der X-Faktor in der Innovation
Technologie und Design verbindet das Streben nach Zukunftsgestaltung. In Kombination miteinander entstehen kongeniale Lösungen. Dabei dominiert nicht die eine Disziplin die andere, sondern sie verstärken sich gegenseitig in vernetzter Leistung. Konvergenzpunkt ist das innovative Potenzial beider Disziplinen. Das heißt für Lehre und Forschung: Die Verbindung von Design und Technologie bietet designwissenschaftlich ein weites Feld der Analyse und Erkundung. Zu beleuchten sind insbesondere Optionen für Lösungen mit technologischem Sinn und ästhetischer Sinnlichkeit für den Benutzer. Daher sind die jungen Designer/innen an die Entwicklung ihrer Antizipationsfähigkeit heranzuführen: Interpretation von Aufgaben, Imagination von Prozessen, Vorausdenken von Zukünften. Design antizipiert technologische Optionen – „Dato“ ist zu verstehen als Aufgabe für interdisziplinär gestaltende Designer/innen, vom heutigen Standard zur morgigen Innovation zu gelangen. Das heißt für Lehre und Forschung: Design wird als integrierender Prozess verstanden, als intelligenter Teil eines komplexen Ganzen. Ziel ist, die angehenden Designer/innen zu autonomen Persönlichkeiten zu entwickeln, die den Designprozess mit eigenem Selbstverständnis steuern. Denn Technologie ist Treiber dieser Szenarien, sowohl im isolierten Detail als auch in Gesamtkonfigurationen. Im Ergebnis entstehen Optionen für Lösungen mit technologischem Sinn und ästhetischer Sinnlichkeit. Design und Technologie verbindet das Streben nach Zukunftsgestaltung. In Kombination miteinander entstehen kongeniale Lösungen. Konvergenzpunkt ist das innovative Potenzial beider Disziplinen – Vorausdenken von Futur I und Futur II.

Dato – Von den Problem-Perspektiven zum Advanced Design
Die technologischen Optionen für innovative Designlösungen schaffen sukzessive einen höheren Entwicklungsstand, sei es in der Medizin oder in der Bekleidungsindustrie. Die Übertragung neuer Prinzipien und digitaler Techniken auf verschiedene Anwendungsbereiche und Branchen stellt dem Endkunden der Zukunft letztlich eine höhere Lebensqualität in Aussicht. Dabei verändern Digitalisierung, das Internet der Dinge (IoT) und die Konzepte von Industrie 4.0 langfristig ganze Lebenswelten, revolutionieren Produktionsweisen und Konsumbereiche. Im Advanced Design wird Gestaltung auf eine weitere Komplexitätsstufe gehoben. Hier werden Szenarien interdisziplinärer Innovierung entwickelt. Alternative Zukünfte und fiktionale Systeme sind durchzuspielen – als imaginierte Realität einer wünschenswerten Lebenswelt im Übermorgen (Futur 2). Es sind Studien und Konzepte zu entwickeln, die Verschiebungen und Umwälzungen – ob ökologischer, sozialer, technischer oder ökonomischer Art – im komplexen Zusammenwirken der miteinander vernetzten Teilsysteme untersuchen. Und die Rückschlüsse für heutiges Handeln ermöglichen, welche Entwicklungsrichtungen für Morgen (Futur 1) einzuschlagen sind. Advanced Design ist ein komplexes Denkterritorium als Beitrag der gestalterischen Disziplin zur Entwicklung von Zukunftsstrategien mit gesellschaftlicher Relevanz.
Design ist eine Inter-Disziplin. Ihr Fokus liegt auf der Entwicklung und Gestaltung der artifiziellen Welt. Gestalterisches Handeln bewegt sich stets im Kontext von gesellschaftlichen Strukturen, technischen Prozessen oder künstlerischen Interaktionen. Daher vernetzt sich Design mit anderen Wissenschaften und Künsten – schafft so Allianzen, gemeinsame Untersuchungsgebiete und Themenschwerpunkte.

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