Employability – Chiffre der Transformation von Bildung?

Fachaufsatz: Mit der Employability von Hochschulbildung ist seit Bologna vieles in Bewegung geraten. Früher auf die Arbeitswelt bezogen, steht dieser Begriff nun für die Annäherung zwischen hochschulischer und beruflicher Bildung. Dass dies politisch gewollt ist, und zwar in europäischem Format, stellte ich (Petra Kern) in meinem Beitrag in der berufspädagogischen Zeitschrift bwp@ dar. Deren aktuelle Ausgabe widmet sich der beruflichen Bildung in Europa im Rückblick auf die vergangenen zwei Jahrzehnte. In diesem thematischen Kontext hatte ich Gelegenheit, Employability als Schlüsselbegriff im Transformationsprozess von Bildung zu beleuchten.

Professionalisierung als Antwort auf verwissenschaftliche Arbeit?  

Wie entwickelt sich das Verhältnis von Arbeitswelt und Hochschulbildung? Viele Berufsbilder werden wissenschaftlicher. Sie kommen ohne eine wissenschaftliche Grundbildung nicht mehr aus. Aber professionalisiert sich Hochschulbildung andererseits? Wachsen hochschulische und berufliche Bildung zusammen? Geht es nach dem politischen Willen, wie er in der Bologna-Erklärung 1999 zu Papier gebracht wurde, ist die Antwort eindeutig „Ja“. Hier wurde ein klares Bekenntnis zur Employability von Hochschulbildung abgelegt. Wer studiert, soll auch auf die Arbeitswelt vorbereitet werden. So zumindest die Theorie, wie sie auf bildungspolitischer Ebene einvernehmlich debattiert wurde. 

Employability – unterschätzt, aber bitter nötig?

Die Praxis in den Fachdomänen, wo über die Gestaltung von Studiengängen entschieden wird, sieht aber bis heute anders aus. Beschäftigungsbefähigung ist eher ein ungeliebtes Anhängsel, wie auch das Beispiel der von mir untersuchten Designdomäne erkennen lässt. So bin ich im Einzelnen den Fragen nachgegangen, welche Koppelung zwischen dem Studienfach und der beruflichen Praxis im Design besteht, mit welchen Kompetenzmodellen an Hochschulen im Design für die berufliche Praxis ausgebildet wird und wie sich die Rezeption der Employability-Zielsetzung in der Designdomäne darstellt. Überwiegend scheint Indifferenz vorzuherrschen, sowohl konzeptionell als auch im hochschulpraktischen Alltag. Zu erkennen ist aber auch, dass gerade im Design zunehmend fachdidaktische Konzepte der Professionalisierung gefordert sind. Dafür spricht eine berufliche Praxis, in der sich die Koppelung an das Studienfach Design zunehmend auflöst, Grenzen zwischen Berufsbildern verschwimmen und sich prekäre Arbeit von Kreativen häuft. Neue Konzepte der Professionalisierung sind gefragt. Die Employability-Forderung unterstreicht den Handlungsdruck: Transformation statt Tradition?!

Hier geht es zum Fachaufsatz „Employability – umstrittener Schlüsselbegriff im Kohäsionsprozess von beruflicher und hochschulischer Bildung“