Dissertation: Employability – Untersuchung am Beispiel designwissenschaftlicher Studiengänge

Dissertation von Petra Kern: „Employability – Kriterium der Studienwahl und Profilierungsmerkmal von Hochschulen. Untersuchung am Beispiel designwissenschaftlicher Studiengänge“

Mit der Wahl meines Dissertationsthemas wollte ich einem merkwürdigen Phänomen auf den Grund gehen: Auf der einen Seite ist Employability seit über 20 Jahren ein durch den Bologna-Prozess fest verankerter Auftrag von Hochschulbildung. Auf der anderen Seite ist diese Aufgabe – von wenigen Ausnahmen abgesehen – kaum eingelöst, in Summe wenig beachtet und noch weniger beliebt. 

Bezieht man Employability auf die von mir als Untersuchungsgegenstand gewählte Fachwissenschaft, das Design, nehmen die Widersprüche sogar noch zu. In dieser jungen Disziplin zeigt sich nämlich, dass in der akademischen Domäne ein Employability-Diskurs höchstens in Ansätzen geführt wird, andererseits aber das Studienziel einer erfolgreichen Beruflichkeit stillschweigend als erfüllt angenommen wird. Die berufliche Praxis wiederum spricht eine andere Sprache. Während Design nämlich im Kontext der prosperierenden Kreativ- und Designwirtschaft eine enorme Aufwertung als Innovationsfaktor erfuhr, scheinen die faktischen Einkommensverhältnisse der überwiegend akademisch qualifizierten und selbständig tätigen Designer/innen von dieser positiven Entwicklung abgehängt zu sein. Gehört denn aber ein auskömmliches Einkommen nicht auch zum Konzept erfolgreicher Beruflichkeit im Design?

Triangulation von Untersuchungsmethoden für die differenzierte Erfassung der verschiedenen "Wirklichkeiten" des Employability-Anspruchs zwischen Vorsatz und Realität
Triangulation von Untersuchungsmethoden für die differenzierte Erfassung der verschiedenen „Wirklichkeiten“ des Employability-Anspruchs zwischen Vorsatz und Realität

Methodischer Zugang an eine komplexe Gemengelage über Triangulation

Angesichts dieser komplexen und bisher kaum untersuchten Gemengelage erschien mir für meine Dissertation eine Methodik sinnvoll, die verschiedene Herangehensweisen kombiniert. Im Sinne einer Triangulation sollte ein vertieftes Verständnis des vielschichtigen Untersuchungsgegenstandes geschaffen werden. 

So wird die Methode der literatur- und dokumentengestützten Analyse gewählt, um den Gang der Untersuchung durch empirische Daten und Befunde aus unterschiedlichen Quellen abzusichern. Quantitatives Zahlen- und Datenmaterial wird in den Untersuchungskontext einbezogen, ebenso werden Fachdiskurse über qualitative Inhaltsanalysen erschlossen. 

Auf Basis dieser Analysen wird weiterhin ein theoretischer Rahmen herausgearbeitet, der den Bologna-Kontext, den gesellschaftlichen Strukturwandel und das veränderte Konzept von Hochschulbildung wie auch den Entwicklungsstand der Designdomäne in einen Begründungszusammenhang bringt. 

Als Ergänzung zu dieser theoretischen Rahmung wird eine originär empirische Analyse vorgenommen. Diese beruht auf leitfadengestützten Interviews mit Designlehrenden bzw. Hochschulverantwortlichen, die als Expert/innen für Designstudiengänge an drei verschiedenen Hochschulen befragt wurden. Den Interviews wurde ein breites Erkenntnisinteresse zugrunde gelegt, das nicht nur die Studienkonzepte umfasste, sondern auch die Einordnung der Designdomäne in die Hochschulstruktur und die Beziehungsgestaltung zu den wesentlichen Anspruchsgruppen im Umfeld der Hochschule. Die explorativ orientierten Interviews verdeutlichen die subjektiven Sichtweisen der Hochschul-Akteure im Rahmen vorhandener Strukturen und Strategien und die folglich begrenzten Spielräume an Hochschulen.

Handlungsfelder für eine Employability-Orientierung in der designwissenschaftlichen Domäne

Der Ertrag der Arbeit wird abschließend in Handlungsfeldern für eine Employability-Ausrichtung in der designwissenschaftlichen Domäne zusammengefasst. Hierbei wird ein interdisziplinärer Anspruch sichtbar: Es geht nicht nur um lehrinhaltliche und lehrmethodische Fragen in domänenorientierter Sicht, sondern auch um Fragen der Organisation und des Managements von Studiengängen, ebenso um deren Profilierung und Positionierung im Wettbewerb. 

Im Vordergrund stehen dabei die für designwissenschaftliche Studiengänge relevanten Handlungsansätze, die in der Studiengangs- und Curriculumentwicklung, in hochschuldidaktischen Konzepten, im Hochschul- und Fakultätsmanagement sowie im Wissenschaftsmarketing lokalisiert werden. Die differenzierte Vorstellung der vier Handlungsfelder in domänenspezifischer Sicht bedeutet nicht, dass diese voneinander unabhängig sind. Vielmehr werden ihre innere Verbundenheit und Interdependenzen an vielen Stellen deutlich. Die voneinander getrennte Darstellung dient dem Ziel, die komplexe Aufgabe nach einzelnen Aspekten zu analysieren und deren Chancen, aber auch Problematiken aufzuzeigen. Insofern kann es auch nicht um Handlungsanleitungen gehen, sondern um Handlungsoptionen, die fachspezifisch und fakultätsindividuell ausgestaltet werden können.

Wechselseitige Einflussbeziehungen und mögliche Effekte der interdisziplinären Handlungsfelder für die Employability-Orientierung designwissenschaftlicher Studiengänge
Wechselseitige Einflussbeziehungen und mögliche Effekte der interdisziplinären Handlungsfelder für die Employability-Orientierung designwissenschaftlicher Studiengänge

Weiterführende Forschungsfragen 

Die exemplarische Untersuchung der designwissenschaftlichen Studiengänge verdeutlicht, dass die Relevanz der Employability-Anforderung von Hochschulbildung nur aus domänenspezifischer Sicht zu verstehen ist. Gerade da diese Zielsetzung impliziert, dass sich die Hochschullehre in wichtigen Punkten grundlegend umgestaltet, sind domänenspezifische Analysen gefordert, das jeweilige Employability-Verständnis, die fachwissenschaftliche Ausgangssituation und Problematik sowie spezifische Ansatzpunkte für Handlungsoptionen in den Blick zu nehmen. Die Analyse der Designdomäne ließ erkennen, dass hier erheblicher Forschungsbedarf besteht. Zwar stellt die Designdomäne mit ihrem kaum entwickelten fachwissenschaftlichen Verständnis eine Besonderheit an Hochschulen dar, die mangelnde konzeptionelle Durchdringung der Employability-Anforderung in domänenspezifischer Sicht scheint sie aber mit anderen Fachwissenschaften zu teilen.