Kompetenz: Eye-Tracking

 

Eye-Tracking – Integration in Designforschung und Lehre

Designmanagement - Die Kern-Kompetenz entwickelt sich mehr und mehr vom Produktionsprozess zum Rezeptionsprozess – der Kunde, das unbekannte Wesen. Eine Erkenntnis, die nicht neu, aber immer wieder überraschend ist!

Designmanagement – Die Kern-Kompetenz entwickelt sich mehr und mehr vom Produktionsprozess zum Rezeptionsprozess des Design – der Kunde, das unbekannte Wesen. Eine Erkenntnis, die nicht neu, aber immer wieder überraschend ist!

Eye-Tracking und Designmanagement: Wie wirkt die Ästhetik und grundsätzlich das Design auf den Kunden? Als Blickfang oder gar als Kaufstimulus? Damit stellt sich eine Grundfrage im Designmanagement, das die ökonomischen Effekte der Gestaltung steuert. Das Eye-Tracking ist ein Instrument, das ein ganz neues Licht auf das Wirkungspotenzial der Ästhetik wirft. Es misst die Blickverläufe von Probanden und die visuelle Verweildauer bei einzelnen Gestaltungsmitteln und -merkmalen. Das Eye-Tracking ist Analyse- und Erkenntnis-Tool im ästhetischen Produktions- und Rezeptionsprozess. Dadurch lässt sich erkennen, was in einem Designkonzept gesehen und auch nicht beachtet wird.

„Beauty-Contest der Waren-Ästhetik“
Bedeutung des Eye-Trackings wird schlagartig klar bei einem Blick auf typische Kaufsituationen: Im täglichen Leben werden die Kaufentscheidungen meist unter Zeitdruck geleistet und sind oft affektiv dominiert. Wer nach Feierabend im Supermarkt seine Einkäufe erledigen muss, ist froh, wenn er oder sie alles schnell findet und nicht lange suchen und abwägen muss. Neben der Organisation der Laufwege und der Warenpräsentation spielt die Verpackung die entscheidende Rolle zur Identifikation des Gesuchten. Angeblich – so die Experten – hat die Verpackung ganze drei Sekunden Zeit, um sich beim „Beauty-Contest der Waren-Ästhetik“ im Regal in Position zu bringen. Gar nicht so einfach, wenn in einem gut sortierten Laden rund 20.000 Artikel um die Gunst des Kunden buhlen. Wenn ein Kunde jedem dieser Produkte eine 3 Sekunden dauernde Aufmerksamkeit „schenken“ würde, bräuchte er hierfür gute zwei Arbeitstage. Na, viel Spaß! Hält man sich als Manager/in mit der Verantwortung für Konsumprodukte diese Kennzahlen einmal vor Augen, weiß man sofort um die Bedeutung eines wettbewerbsfähigen Designs. Aber was ist das und wie macht man das? Natürlich kennen alle die Ikonen der Verpackungsgestaltung – von Coca Cola über Odol hin zur Maggi-Flasche, von Meister Propper über den Frosch hin zum Sarotti-Mohr. Bei jährlich 30.000 neuen Produkten – Tendenz steigend -, die alle in den Einkaufswagen der Kunden wollen, ist dieses Wissen nur „Nice-to-know“. Gefragt ist aber punktgenaue Handlungsfähigkeit! Die Form des „Hyper-Wettbewerbs“ stellt also an Entscheidungsträger in den jeweiligen Branchen besondere Herausforderungen. Deren Kern-Kompetenz entwickelt sich mehr und mehr vom Produktionsprozess zum Rezeptionsprozess – der Kunde, das unbekannte Wesen. Eine Erkenntnis, die nicht neu, aber immer wieder überraschend ist!

Beziehungen im Designprozess - Das Eye-Tracking wird zum Analyse- und Erkenntnis-Tool im ästhetischen Produktions- und Rezeptionsprozess. Deutlich wird durch den Einsatz, was in einem Designkonzept durch den Rezipienten gesehen und unbeachtet bleibt. Das Re- und Decodieren der Wirkungsqualität von Design soll so unterstützt werden.

Beziehungen im Designprozess – Das Eye-Tracking wird zum Analyse- und Erkenntnis-Tool im ästhetischen Produktions- und Rezeptionsprozess. Deutlich wird durch den Einsatz, was in einem Designkonzept durch den Rezipienten gesehen und unbeachtet bleibt. Das Re- und Decodieren der Wirkungsqualität von Design soll so unterstützt werden.

Der Designprozess und das Gestaltungsergebnis als Gegenstand wissenschaftlicher Analysen
Wie verbessert man also die Kompetenzen der Entscheidungsträger in Designprozessen, deren Gestaltungsergebnis sich in wettbewerbsintensiven Umfeldern behaupten muss? Und wie wird aus partikularer Meinung eine Form von Wissen, das transparent und nachvollziehbar ist, so dass in Teams auch Komplexitäten der Rezeptionsästhetik diskutiert und interpretiert werden können?
Das „Labor für Eye-Tracking“ (Prof. Dr. Ulrich Kern, Wiss. Ang. Julian Unzner B.A.) im Studiengang Design- und Projektmanagement der FH Südwestfalen hat die Aufgabe, den – vom Kunden im Markt zu re- und decodierenden – Gestaltungsprozess als beeinflussendes Element der Kaufentscheidungen zu verdeutlichen. Der curriculare Ansatz zur Integration lautet: „Forschendes Lehren und Lernen“. Lehre und Forschung sind zwei Seiten der wissenschaftlichen Arbeit, die zusammengehören. Die Weitergabe von Wissen durch die Lehre wird beflügelt durch den Drang nach neuen Erkenntnissen durch Forschung. Forschung als die Erweiterung des wissenschaftlichen Status Quo wird erst wirksam durch das Mit-Teilen des Wissens in der Lehre. So erneuern sich wissenschaftliche Perspektiven und Positionen im Wechselspiel zwischen Forschung und Lehre. Ob die Lehre Rückschlüsse aus der Forschung zieht oder die Forschung aus der Lehre Impulse gewinnt – wichtig ist die gegenseitige Vitalisierung. Nur so bleiben Forschung und Lehre in einem zukunftsgerichteten Dialog mit Blick auf die Lebenssituation der Menschen.

Eye-Tracking ersetzt nicht die kreativ-konzipierende Gestaltungsinstanz
In einem derartigen Forschungsprojekt nahmen sich angehende Designmanager/innen (4. Sem.) im Sommersemester 2014 und 2015 die Gender Codes im Auftreten alltäglicher Produkte vor. Auf Basis einer Forschungshypothese, dem Einsatz der Blickerfassung als Untersuchungsmethode und einem klar definierten Ziel entschlüsselten sie Bedeutungsebenen hinter den Zeichen und dekonstruierten gesellschaftliche Gender-Konzepte. Die Ergebnisse der Forschung im neu eingerichteten „Labor für Eye-Tracking“ fließen zurück in die Lehre des Designmanagements. Dieses Beispiel macht deutlich, welche grundsätzliche Bedeutung Gestaltungsprozesse in Unternehmen haben, beeinflussen sie doch die Akzeptanz der Produkte durch den Kunden und damit die Marktposition. Das Eye-Tracking wird so zum Analyse- und Erkenntnis-Tool im ästhetischen Produktions- und Rezeptionsprozess. Deutlich wird, was in einem Designkonzept gesehen und unbeachtet bleibt. Natürlich ersetzt Eye-Tracking nicht die kreativ-konzipierende Gestaltungsinstanz – es unterstützt diese aber erheblich. So kann es für die Inter-Disziplin Design eine Schnittstellenfunktion zu anderen Wissenschaften darstellen. Und für Designmanagement ist es ein Instrument, um die Basis der wissensbasierten Gestaltung zu verbreitern und zu stabilisieren.

Link Website „Forschende Lehre als Pilot im Design- und Projektmanagement“ _ BA-Thesis Julian Unzner _ FH Südwestfalen

 

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Konvergenz – Management und Design im Projektstudium

Forschendes Lernen als Lehrkonzept - eine didaktische Methode mit hoher Effizienz im Lerning Outcome, die auch noch Spaß macht!

Forschendes Lernen als Lehrkonzept – eine didaktische Methode mit hoher Effizienz im Lerning Outcome, die auch noch Spaß macht!

Eye-Tracking und Lehre: Wofür steht das curriculare Konzept des „Forschenden Lernens“? Wie verläuft der Prozess der Wissensgenerierung? Und welche Qualität von studentischen Ergebnissen ist zu erwarten? Fragen, die sich beispielhaft klären lassen anhand des Moduls Designmanagement-Projekt 2 (Sg Design- und Projektmanagement, FH Südwestfalen) bei Prof. Dr. Ulrich Kern (mit Wiss. Ang. Julian Unzner B.A.). Hier wird nicht nur vorhandenes Wissen transferiert, sondern Studierende haben auch Teil am Prozess der Generierung neuen Wissens. Insofern ist das „Forschende Lernen“ eine aktivierende Methode, die Eigeninitiative und Reflexionsfähigkeit fördert.

Wesentlicher Bestandteil des Lehrkonzepts sind die regelmäßigen "professionell" vorbereiteten Arbeitsbesprechungen. Hier stellen die studentischen ihren Arbeitsfortschritt vor und stellen diesen zur Diskussion.

Wesentlicher Bestandteil des Lehrkonzepts sind die regelmäßigen „professionell“ vorbereiteten Arbeitsbesprechungen. Hier stellen die studentischen Teams ihren Arbeitsfortschritt vor und stellen diesen zur Diskussion.

Durch den Lernkorridor zur Gestaltungskompetenz
Entscheidend für das „Forschende Lernen“: Der Weg vom vorhandenen und zu vermittelndem Faktenwissen führt zum neuen Wissen durch einen breiten Lernkorridor, der die Kompetenzentwicklung der Studierenden zur Gestaltungskompetenz lenkt. Das Ganze hat eine Komplexität, die in der hybriden Struktur von Designmanagement-Projekten liegt. Zum Lernkorridor  gehören Unterrichtselemente wie regelmäßige Vorlesungen, die den relevanten fachlichen Stoff vermitteln, und ebenso Workshops, die mit Impulsvorträgen, Fallstudien und Gruppenarbeiten den Studierenden einen ersten konkreten Einstieg in die vielen Facetten der komplexen Thematik bieten. So geht es in Besonderheit bei diesem Projektmodul um die Methode des Eye-Trackings, um die Bedeutung des Verpackungsdesigns für die Konsumpräferenzen von Kunden und um Konstrukte wie Gender Codes oder Markenbedeutung. Als Ausgangspunkt für den selbstständigen Erkenntnisgewinn dient ein schriftlich formuliertes Briefing, das die zu bearbeitende Aufgabe explizit umreißt und die Erwartungen an Ergebnis und Ziel definiert. So lautete das Briefing konkret, mit Hilfe des Eye-Trackings Unterschieden in der Wahrnehmung von Produkten des täglichen Bedarfs, d.h. von Formen, Farben, Typografie, grafischen Elementen, Bildbotschaften etc., auf die Spur zu kommen. Damit setzen sich die Studierenden mit einer bisher nicht gestellten Forschungsfrage auseinander, die mit Hilfe von Labor- und Feldexperimenten zu untersuchen und analytisch zu bewerten ist. Die Qualität der Arbeit in der Laborphase sichert ein qualifizierter wissenschaftlicher Mitarbeiter (Julian Unzner), die in Skripten und Übungen mit dem technischen Untersuchungsdesign und den Optionen des Eye-Trackings vertraut macht.

Kritische Reflexion und wissenschaftliche Bewertung komplexer Forschungsfragen 
In wöchentlichen, „professionell“ vorbereiteten Arbeitsbesprechungen präsentieren die Studierenden ihre vorläufigen Ergebnisse und vertiefen ihre kritische bzw. selbstkritische Reflexion der Arbeit mit Probanden, Primärdaten und Datenauswertung. Sie erarbeiten so schrittweise das Ergebnis eines wissenschaftlich fundierten Projektberichts, der relevante Aussagen und stichhaltige Interpretationen zu einem qualifizieren Forschungsergebnis zusammenführt. In dem Zusammenspiel der verschiedenen curricularen Elemente entsteht komplexes Problemlösungswissen der Studierenden – als Kombination aus Handlungswissen, Fähigkeit zur kritischen Reflexion und wissenschaftlichen Bewertung komplexer Forschungsfragen auf dem interdisziplinärem Fachgebiet des Designmanagements.

 

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Retail Design – Zur Distanz von Billig und Teuer

Designforschung - Im zunehmenden Produkt- und Preiswettbewerb kommt der visuellen Gestaltung eine besondere Bedeutung zu. Das Verpackungsdesign hat die preisliche Wertigkeit des Produkts zu signalisieren.

Designforschung – Im zunehmenden Produkt- und Preiswettbewerb kommt der visuellen Gestaltung eine besondere Bedeutung zu. Das Verpackungsdesign hat die preisliche Wertigkeit des Produkts zu signalisieren.

Eye-Tracking und Designforschung: Einfach beneidenswert! Energie und Begeisterungsfähigkeit scheinen unerschöpflich bei Alberto Alessi. Mittlerweile 70 Jahre alt, verantwortet er seit nunmehr 45 Jahren die Unternehmens-Ikone gleichen Namens im Designmanagement. Er könne schlechtes Design in Millisekunden erkennen, heißt es im Handelsblatt vom 10-2-2016. „Wenn Design und Architektur gut sind, dann löst es in ihm dieselben Gefühle aus, die er hat, wenn er ein schönes Gemälde betrachtet.“ Diese Ausprägung der intuitiven Genialität ist sicherlich ein besonderer Glücksfall. Aber als Hochschullehrer für Designmanagement weiß ich (Prof. Dr. Ulrich Kern), dass Professionalität für die Bewertung von Designqualitäten erlernbar ist. Mit ästhetischen Wertsystemen, mit wissenschaftlichen Methoden und mit einem kulturellen Bezugssystem für Wirtschaft und Gesellschaft lassen sich Wissensbasis und Handlungsfähigkeit im Designmanagement entwickeln.

Design-Lehre - Zu einem Referenzprodukt sind zwei Preis- und Positionierungsalternativen durch Verpackungsdesign zu schaffen. Zum einen eine klar identifizierbare Billigmarke und zum anderen eine Premiummarke.

Designlehre – Zu einem Referenzprodukt sind zwei Preis- und Positionierungsalternativen durch Verpackungsdesign zu schaffen. Zum einen eine klar identifizierbare Billigmarke und zum anderen eine Premiummarke.

Gestaltung und Wahrnehmbarkeit von Wertigkeits-Distanzen im Design
Ein Phänomen wie die Markenkultur ist ein gutes Beispiel, um den Prozess der zunehmenden Ästhetisierung von Warenangeboten parallel zur Individualisierung von Personen und ihren Lebenswelten aufzuzeigen. Die Tendenz zur ökonomischen und gesellschaftlichen Ausdifferenzierung geht damit einher. Erfolgreich sind profilierte Angebote der Konsumkultur – billig oder teuer, Massenware oder Kultobjekt, Kitsch oder Kunst. Die gesichtslose Mitte dagegen wird zunehmend uninteressant. Die Produkte geraten in ein ökonomisches Niemandsland. Als eine solche Verbindung aus ökonomischer Analyse, gesellschaftlicher Reflexion und gestalterischer Erkenntnis versteht sich das Modul „Designmanagement-Projekt 2“ (mit Wiss. Ang. Julian Unzner B.A.) des Studiengangs Design- und Projektmanagement der FH Südwestfalen im Sommersemester 2016. Für die Studierenden geht es um die Erforschung von Anmutungsqualitäten und Wertigkeits-Distanzen im Design. Unter Einsatz des Eye-Trackings erkunden sie, wie Probanden Gestaltungsmittel und -merkmale von Billig- und Premiummarken wahrnehmen. Sie eruieren, welche Farb- oder Formcodes der Produktverpackungen den Eindruck einer Luxus- oder Discountästhetik ausmachen.

Verpackungsgestaltung für eine Billigmarke und eine Premiummarke
So werden Wahrnehmungen analysiert, Hypothesen aufgestellt, Wertigkeiten operationalisiert, Konzeptkriterien entwickelt und nachvollziehbar in eigene Gestaltung umgesetzt. Der curriculare Ansatz des Forschenden Lehrens ist hier bestens geeignet, Studierende mit einer offenen Aufgabenstellung zu konfrontieren und sie so besonders zu motivieren. Am Ende des Projekts werden zu einem mittelpreisigen Referenzprodukt je eine Verpackungsgestaltung für eine Billigmarke und eine Premiummarke erwartet. Sowohl das Marken-Downgrading als auch das Upgrading sollen sich über das Verpackungsdesign eindeutig identifizieren lassen. Die Identifikation ist nachweislich aus dem Einsatz der Gestaltungsmittel und -merkmale abzuleiten. So muss auch die Zuordnung zu dem jeweiligen Preissegment eindeutig sein. Die Markenwirkung ist durch die Einschätzung der Probanden und die Ergebnisse des Eye-Trackings zu bestätigen.

Die Selbstständigkeit des Denkens
Empirisches Wissen, theoretische Erkenntnisse und gestalterische Ergebnisse tragen in diesem Projekt zur Designmanagement-Kompetenz der Studierenden bei. Die Breite des Wissens und die Selbstständigkeit des Denkens sind außerordentlich wichtig. Schließlich sind die angehenden Designmanager/innen diejenigen, die künftig an Entscheidungen zur Positionierung von Produkten, zum Profil von Images, zum Portfolio von Sortimenten etc. beteiligt sein werden. Dabei sollten sie sich von der Genialität eines Alberto Alessi nicht einschüchtern lassen. Denn auch zu seiner enormen Erfolgsquote im Designmanagement gehört nach eigener Aussage „alle sechs Monate ein Flop“.

Download Briefing „Designforschung mit Eye-Tracking – Verpackungsdesign als Ausdruck monetärer Anmutungsqualitäten von Marken  _ Ulrich Kern

Link Website „Mit Eye-Tracking der Wirkung von Verpackung auf der Spur“ _ FH Südwestfalen

Link Website „Einblicke per Eye-Tracking – Theorie von Forschung praktisch vermittelt“ _ FH Südwestfalen

 

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Designforschung – Auf zu eigenen Erkenntnissen!

Studierende, auf zu eigenen Erkenntnissen – Integration der Primärforschung in die Lehre von Design- und Projektmanager/innen.

Studierende, auf zu eigenen Erkenntnissen – Integration der Primärforschung in die Lehre von Design- und Projektmanager/innen.

Primärforschung und Designlehre: Design und Forschung – eine enge Allianz! Immer geht es darum, weiterzudenken, Neues zu suchen, Besseres zu entwickeln. Studiengänge im Design sind daher curricular so aufzubauen, dass sie bewährtes Wissen weitergeben und neues Wissen gezielt fördern. Die Designstudiengänge einer Berufsakademie, die Petra Kern maßgeblich mitentwickelte, sind genauso angelegt. Wie es gelingt, sogar Primärforschung in den Studienalltag zu integrieren, beschreibt die Bildungsmanagerin hier an einem Beispiel.

Reagieren Frauen anders auf Verpackungsgestaltung als Männer?
Konkret geht es um das Designmanagement-Projekt 2 des Studiengangs Design- und Projektmanagement der FH Südwestfalen, Campus Soest, im Sommersemester 2015. Das Projekt fand unter Leitung von Prof. Dr. Ulrich Kern und unter Mitwirkung von Wiss. Ang. Julian Unzner B.A. im Eyetracker-Labor statt. Die technischen Systeme der Blickerfassung sollten eingesetzt werden, um die Wirkung von Verpackung zu erforschen, deren Gestaltung genderspezifisch modifiziert wurde. Reagieren Frauen anders auf Verpackungsgestaltung als Männer? Lassen sich Verpackungen so manipulieren, dass sie vor allem für Männer oder Frauen attraktiv sind? Und wie muss dann genderneutrale Verpackung aussehen? Fragen, für die der aktuelle Erkenntnisstand der Genderforschung im Design hinzuzuziehen war.

Lehrende, qualifizierte Briefings als Input für die Studierenden konditioniert Effektivität und Effizienz

Qualifizierte Briefings als Input für die Studierenden konditionieren Effektivität und Effizienz

Es ging um die jeweilige Besonderheit der spezifischen Wahrnehmung
Und zugleich ein Thema von großer Relevanz im Designmanagement. Gilt es doch, jenseits altbackener Klischees die Gendercodes in der Gestaltung kritisch zu reflektieren und damit zu experimentieren. Wenn Frauen nicht nur Konsumentinnen von Produkten jeder Art sind, sondern auch in Unternehmen zunehmend in strategischen und nicht nur operativen Positionen tätig sind – was heißt das für eine Disziplin, die sich historisch überwiegend an männlichen Protagonisten orientiert? Ist dann nicht eine Vielzahl blinder Flecken einzublenden und bewusst in Augenschein zu nehmen? Noch dazu, wenn die Design-Studierenden inzwischen in großer Mehrheit weiblich sind. Es ist schon längst an der Zeit zu untersuchen, ob und wie Produktgestaltung mit dem Wahrnehmungsverhalten von Frauen kompatibel ist. Fast überflüssig zu erwähnen, dass es nicht um ein Besser oder Schlechter, Intelligenter oder Einfältiger in der Genderzuschreibung geht, sondern um die jeweilige Besonderheit der spezifischen Wahrnehmung. Worin auch immer sie gegründet sein mag: historisch-sozial konstruiert und/oder biologisch determiniert.

Forschungsprojekte haben ihren eigenen Anspruch
So oder so – für die rund 40 Studierenden des vierten Semesters war es offenbar sehr spannend teilzunehmen. Noch dazu war es ein Novum, an einem Projekt der Primärforschung mitzuwirken. Umso wichtiger waren gründliche Vorbereitung, Strukturierung und Begleitung des ambitionierten Vorhabens. Zumal die Zeitachse des knappen Sommersemesters nur kompakt getaktete Bearbeitungsphasen zuließ. Das Projekt startete daher mit einem schriftlichen Briefing des Design-Professors, das eingehend im Plenum besprochen wurde. So waren alle Teams am selben Startpunkt: Aufgabe und Problemkontext, Zielsetzung und Vorgehensweise des Forschungsprojekts im Design waren klar. Denn auch hier galt: Stolpert das Projekt schon zu Anfang, scheitert es garantiert am Ende. Zumal Forschungsprojekte ihren eigenen Anspruch haben.

Design-Forschung - die fünf Phasen einer Vorgehensweise sind grobe Orientierung für F&E-Projekte, die durch ein Designmanagement gesteuert werden. Auch sind sie Grundlage für das Projektmanagement.

Designforschung – die fünf Phasen einer Vorgehensweise sind grobe Orientierung für F&E-Projekte, die durch ein Designmanagement gesteuert werden. Auch sind sie Grundlage für das Projektmanagement.

Vorgegeben wurde den Teams eine Phasenfolge für die Erkenntnisdeduktion
Bei dem Gegenstand – Gendercodes im Verpackungsdesign – handelte es sich inhaltlich um komplexe Dimensionen: Es ging um Einkaufsverhalten und Konsumkultur, um die Bedeutung von Verpackung im Produktmarketing und natürlich um genderspezifische Gestaltung. Vorlesungen führten in die verschiedenen Themenkontexte ein und erleichterten den Studierenden die Hintergrund-Recherche in der knapp bemessenen Zeit. Denn zusätzlich galt es, in eine komplett neue Methode einzuführen: die Laboruntersuchung mittels Eyetracking. Julian Zenker, der sich bereits seit einigen Semestern mit dem System vertraut gemacht hatte, unterwies und beriet die studentischen Teams im Semesterverlauf, so dass unter seiner Anleitung erste eigenständige Untersuchungen mit der Technik möglich waren. Und schließlich kommt es bei Forschungsvorhaben auf den Prozess an, der die Schritte der Problemdurchdringung strukturiert. An die Hand gegeben wurde den Teams eine Phasenfolge für die Erkenntnisdeduktion. Diese reichte von der Analyse über Empirie und Ableitung bis zu Gestaltung und Planung. Mit diesen Prozessphasen als Grundgerüst für das Forschungsprojekt gelang es den Teams, ihr Phasen- und Zeitmanagement effektiv zu organisieren.

Grenzen der Eyetracking-Methode und Ausblick auf weiterführende Forschungsfragen
Und die Ergebnisse? Bei der Abschlusspräsentation am Ende des Semesters, bei der Petra Kern Beobachterin war, wurde zusammengefasst, was an Erkenntnissen im Projektverlauf gewonnen und in wöchentlichen Arbeitsbesprechungen diskutiert worden war. In schriftlichen Dokumentationen lagen die Prozessbeschreibungen vor, die Ergebnisse der Desk Research als Basis, die Auswertung der Primärdaten im ersten Durchlauf, die modifizierten Verpackungen, die Analysen und Kriterien für gestalterische Entscheidungen der Umgestaltung und ebenso die Interpretation der Primärdaten des zweiten Durchlaufs. Eine kritische Reflexion der Erkenntnisse, der Grenzen der Eyetracking-Methode und ein Ausblick auf weiterführende Forschungsfragen ergänzten die Arbeiten.

Die Untersuchung von menschlichem Verhalten ist auch immer beeinflusst von menschlichem Verhalten
Unter der Überschrift des Forschenden Lernens war das Projekt gestartet, und mit selbstbewusst präsentierten Erkenntnissen der studentischen Teams endete das Vorhaben. Dass Forschung kein Selbstzweck ist und es nicht um „Geheimwissen“ für die Schublade geht, zeigten die studentischen Arbeiten ebenso. Mit Witz, Medienkompetenz und Kommunikationsstärke präsentierten sie ihre Erkenntnisse alles andere als „staubtrocken“: Ein selbst gedrehtes Video über Tom und Tessi im Supermarkt fasste genderspezifische Unterschiede beim Einkaufen selbstironisch zusammen, eine eigenständig organisierte Befragung in der Einkaufszone dokumentierte „typische“ Reaktionsweisen von Männern und Frauen auf gendercodierte Verpackungen. Und mit der Personalisierung eines androgynen Icons als „Forscherfigur“ verdeutlichte ein studentisches Team listig, dass es keine objektive Instanz gibt, die uns das Verstehen und Verständigen abnimmt. Die Untersuchung von menschlichem Verhalten ist letztlich auch immer beeinflusst von menschlichem Verhalten … Das ist nicht unwissenschaftlich, sondern gerade wissenschaftlich seriös. Zeigt es doch die Relativität von Erkenntnissen auf. Gerade wichtig in der engen Allianz von Design und Forschung!

Reader „Eye-Tracking – Einführung in den Einsatz der Untersuchungsmethode bei F&E-Vorhaben“ _ Ulrich Kern

Link Website „Wechsel in der Akademieleitung – Gründungsphase erfolgreich beendet“ _ BGBA Hanau

Link Website „Mit Eye-Tracking der Wirkung von Verpackung auf der Spur“ _ FH Südwestfalen

 

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