Digitalisierung und Design – Zukunft als Traum(a)?

 

 

Die digitale Transformation stellt auch für Design die Existenzfrage: Schafft die Disziplin den Bedeutungswandel von der plakativ sichtbaren zur prozessualen Gestaltungskraft?

Die digitale Transformation stellt auch für Design die Existenzfrage: Schafft die Disziplin den Bedeutungswandel von der plakativ sichtbaren zur prozessualen Gestaltungskraft?

Eine 15-minütige Reise durch die digitale Transformation …
Vortrag:
Die Digitalisierung stellt viele Disziplinen auf die Bewährungsprobe – auch das Design. Schafft es den Bedeutungswandel von der plakativ sichtbaren zur prozessualen Gestaltungskraft? Welche Rolle kommt dem Management eines solchen Wandels zu? Und welche den Designwissenschaften? Mit diesen Fragen befasste sich Petra Kern in ihrem Vortrag, den sie auf Einladung der Macromedia University of Applied Sciences am Campus Freiburg hielt. Gefragt war nach den Herausforderungen und Zukunftschancen für Designmanagement unter den Bedingungen digitaler Transformation. Der folgende Beitrag resümiert die zentralen Aussagen des Vortrags.

Revolution der Prozesse
Dass die Digitalisierung im Turbo-Takt unser Leben umgestaltet, erfahren wir täglich. Aber was passiert im Hintergrund? Wenn wir heute digitalisierte Leistungen nutzen – ob in der Kommunikation, in der Medizin oder in der Mobilität –, dann freuen wir uns über ein Mehr an Sicherheit, Komfort und Intelligenz. Dieses Mehr an Nutzungsvorteilen korrespondiert aber mit einem Mehr an Komplexität und Vernetzung in der Entwicklung der digitalen Angebote. Die digitale Transformation revolutioniert nämlich weniger das Sichtbare als vielmehr die dahinter liegenden Prozesse. Die Komplexität nimmt unaufhaltsam zu, Innovierung wird zu einer Daueraufgabe. Und damit steigen auch die Anforderungen an die Akteure in solchen Arbeitsprozessen. Designer/innen gehören dazu. Auch sie stehen vor der Herausforderung, den Fokus vom Gegenständlichen auf eine erweiterte Prozesskompetenz zu richten.

Lebenslanges Lernen – von der Sonntagsrede zum täglichen Projekt
Letztlich geht es damit im Design – wie auch in den kooperierenden Disziplinen – um ein ständiges Weiterlernen. Die Lösung komplexer Probleme und die kreative Mitwirkung an vernetzten Teamprozessen braucht die Bereitschaft zur geistigen Flexibilität. Die Sonntagsrede vom „lebenslangen Lernen“ wird so zu einem tatsächlichen Projekt hoher Dringlichkeit. Für das Design gilt dies umso mehr, als die klassischen gestalterischen Kernkompetenzen – wie Kreativität und Innovationsfähigkeit – als eine Art Normalfall in die Arbeitswelt diffundieren. Galten sie früher als exklusives Auszeichnungsmerkmal von Kunst und Kultur, so sind sie heute aus keinem Lebensbereich mehr wegzudenken – ob in Gesellschaft oder Wirtschaft, ob in Politik oder Technologie.

Trauma oder Traum? Liegt in der Hand der Designer/innen …
Was bedeutet das aber, wenn heute eigentlich jede/r als kreativ und innovativ gilt? Welchen besonderen Nutzenvorteil bietet dann die Kompetenz der Designer/innen? Und was ist die Folge, wenn die klassisch-gegenständlichen Leistungen von Designern nach und nach durch digitalisierte Prozesse ersetzt werden können? Wird der klassische Typus Designer/in überflüssig? Klingt eher nach Trauma denn nach Traum …. Andererseits ist doch aber die gesellschaftliche Sensibilisierung für die Notwendigkeit kreativer Zukunftsgestaltung so groß wie nie zuvor. Wenn Kreative diesen Bedarf erspüren und ihre Kompetenzen weiter fassen, werden sie künftig im Konzert der dynamisch vernetzten, hochkomplex agierenden Prozesspartner mitspielen – und zwar auf Augenhöhe. Und hier kommt Designmanagement ins Spiel.

Der Wissenschaftskreislauf im Design spiegelt modellhaft die Auswirkungen der digitalen Transformation auf die professionelle Designanwendung und die Designwissenschaften. Hier ist die Zukunftskompetenz einer ganzen Disziplin gefragt!

Der Wissenschaftskreislauf im Design spiegelt modellhaft die Auswirkungen der digitalen Transformation auf die professionelle Designanwendung und die Designwissenschaften. Hier ist die Zukunftskompetenz einer ganzen Disziplin gefragt!

Designmanagement: den kompetitiven Beitrag des Designs neu denken
Mit Designmanagement wird etwas verbunden, was zusammengehört: Die Fähigkeit, Vorhandenes in alternativen Optionen neu zu denken, und der Wunsch nach Wirksamkeit des eigenen Tuns. Die klassischen Kompetenzen der Designer/innen erweitern sich damit um kognitive und soziale Fähigkeiten, z.B. um die Analyse komplexer Sachverhalte, die strategische Planung unter Ungewissheit, die Motivation und Moderation von Teams. Management ist dabei mehr als eine skalierbare Sozialtechnik und Design mehr als das Denken in Skizzen. Zusammen ist es ein fruchtbarer Ansatz, den kompetitiven Beitrag des Designs in komplex-vernetzter, interdisziplinärer Zusammenarbeit neu zu denken. Denn gerade ein solcher Ansatz ist gefragter denn je: Vor allem wenn es um die Methodik gesteuerter Kreativitätsprozesse geht, um die konsequente Nutzerorientierung in Innovationsvorhaben oder um die Fähigkeit zu einem retrograden Denken von der Zukunft. Denn damit wendet sich Design zentralen Fragen zu: Wie gehen wir mit den kreativen Potenzialen in der Zusammenarbeit um? Wie bleibt der Mensch als Benutzer im Vordergrund? Und wie nachhaltig und damit sinnvoll sind die Prozesse für die Zukunftssicherung?

Agenda für die Designwissenschaften
Die Erweiterung der Designkompetenzen zum Designmanagement zeitigt Auswirkungen auf die Designwissenschaften. Deutlich wird dies mit einem Blick auf den Wissenschaftskreislauf im Design (s. Grafik): Das Modell spiegelt das Zusammenwirken von professioneller Designanwendung in Planung und Realisierung mit den wissenschaftlichen Bereichen von Designlehre und Forschung. Wenn die digitale Transformation die Bedingungen der Designprofession radikal ändert, dann setzt dies sowohl Lehre als auch Forschung unter Verzug. Wie sehen das zukünftige wissenschaftliche Leitbild und das Profil der Disziplin aus? Wo gilt es Wissen über das Wesen des Designs neu zu generieren? Welche Punkte umfasst eine mögliche Forschungsagenda?
Wenn die digitale Transformation die Gesellschaft vor Zukunftsaufgaben stellt, dann ist hier Zukunftskompetenz gefragt. Auch für die Designwissenschaften heißt es folglich: Heraus aus der Komfortzone!

Download Vortragsfolien „Digitale Transformation“ _ 13-12-2017 _ Petra Kern

 

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